Stadtververwaltung kann keinen Termin für Wiedereröffnung nennen. Förderverein ringt um Zwischenlösungen. Eine Mitarbeiterin ist schon abgesprungen.
Baumängel Das beliebte Bergische Museum in Bensberg bleibt weiterhin zu

Die Idylle trügt. Die Fachwerkhäuser mit den Werkstätten des Bergischen Museums wurden lange vernachlässigt.
Copyright: Guido Wagner
Das Bergische Museum für Bergbau, Handwerk und Gewerbe in Bensberg ist seit Februar zu. Was sich genau hinter den geschlossenen Türen tut, wie groß das Ausmaß der technischen Schäden ist, was das alles kostet und was genau gemacht werden muss, um kurzfristig wenigstens eine Teileröffnung zu ermöglichen, dazu gibt es bislang keine Informationen.
Einen Termin kann die Stadtverwaltung auf Anfrage nicht nennen. „Es wird mit Hochdruck daran gearbeitet, zumindest Teilbereiche des Museums wieder öffnen zu können“ sagt Stadtsprecher Patrick Ortmanns, „konkrete Daten können wir zum aktuellen Zeitpunkt aber noch nicht nennen.“

Gesperrt auf unbestimmte ist die beliebte Kultureinrichtung.
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Derzeit wird ein Gutachten erstellt zur Beurteilung der aktuellen Brandschutzsituation. Ob es bis zur Sitzung des Ausschusses für Kultur und Bildung am kommenden Dienstag vorliegt, bleibt ebenfalls ungewiss. Laut Verwaltungsvorlage seien zwar erste Mängel benannt, das vollständige Gutachten stehe aber noch aus.
Trotzdem hat Willi Carl, Vorsitzender des Fördervereins, am Montag einen Termin mit der zuständigen Fachbereichsleiterin Alexandra Meuthen ausgemacht: „Ich möchte Klarheit darüber haben, in welchem Zeitraum und in welcher Reihenfolge die Schäden behoben werden können. Und ab wann zumindest eine schrittweise Wiedereröffnung möglich ist.“
Die Liste der gravierenden Mängel ist sehr lang
Verpflichtet fühlt er sich vor allem den 14 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die der Förderverein auf der Basis von Mini-Jobs beschäftigt. Sie unterstützen den Museumsbetrieb bei Führungen, Workshops oder an der Kasse und sind jetzt ohne Verdienst. „Eine Mitarbeiterin ist schon abgesprungen“, berichtet Carl, „man kann es ihr nicht verübeln. Sie braucht das Geld und hat sich etwas anderes gesucht.“ Den Mitarbeitern, die dem Förderverein die Treue halten, könne man dies nicht hoch genug anrechnen.
Die gravierenden Probleme bei der Elektrik sind bei einer turnusmäßigen Überprüfung Ende Januar durch den TÜV aufgefallen. Aus Sicherheitsgründen musste die beliebte Einrichtung von jetzt auf gleich geschlossen werden. Die Liste der Mängel ist wie berichtet sehr lang. Sie betreffen mehrere Gebäude: frei zugängliche spannungsführende Teile, beschädigte Verteiler, unzureichende Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen, fehlende Rettungswegbeleuchtung, herumliegende Brandlasten, die Rettungswege blockieren, und so weiter.

Das denkmalgeschützte Hauptgebäude des Heimatmuseums stammt aus dem 16. Jahrhundert.
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Erschwerend kommt hinzu, dass einzelne Bauten aus Zeiten stammten, in denen elektrotechnische Dokumentationen nicht in der heute vorgeschriebenen Form festgehalten wurden, berichtete die Verwaltung in der Februarsitzung des Ausschusses.
Eine Hiobsbotschaft für den Förderverein mit 179 Mitgliedern. Denn er spielt auch bei der Finanzierung des Betriebs eine wichtige Rolle. Laut Kooperationsvertrag mit der Stadt muss der Verein einige 10.000 Euro selbst erwirtschaften durch Spenden und Sponsoren. So erzielte etwa 2025 die Spendenaktion „Schmieden für den Frieden“, dank einer Verdopplungsaktion durch die Bethe-Stiftung 5000 Euro.
Wegfall von Besuchern reißt Loch in die Kasse
Der Wegfall von Einzelbesuchern, Gruppen und Veranstaltungen reißt nun ein Loch in die Kasse. Denn sämtliche öffentlichkeitswirksame Aufgaben des Museums wie Mitmachaktionen, Veranstaltungen und Führungen sind abgesagt. Nur einige wenige Aktionen können auf andere Orte im Stadtgebiet verlegt werden, wie das Apfelblütenfest, das am Sonntag im Engel am Dom stattfindet.
„Wir hoffen auf Zwischenlösungen, damit der Betrieb schnell wieder weitergehen kann“, sagt Carl. Helfen könnte dabei seiner Meinung nach, wenn die Verwaltung jetzt schnell einen Toilettenwagen aufstellen würde – falls eine Notreparatur der Sanitäranlagen nicht möglich sei. Eine große Sorge des Fördervereinsvorsitzenden ist, dass das Museumsfest im August ins Wasser fallen muss.
„Es muss ein tragfähiges Konzept geben, damit dieses Fest wenigstens in abgespeckter Form stattfinden kann“, betont Carl, auch vor dem Hintergrund, dass im Falle einer langfristigen Schließung das Heimatmuseum immer mehr in Vergessenheit geraten könnte. Das wäre schade. Denn die Kultureinrichtung konnte gerade erst 2025 mit 10.000 Besuchern einen Besucherrekord erzielen. Zu diesem Erfolg hat das Museumsfest entscheidend beigetragen. Dies ergibt sich laut Verwaltung aus der Auswertung der Besucherzahlen.
Am Ende wird es wohl auf die Frage hinauslaufen, ob es sinnvoll ist, viel Geld in eine Notreparatur zu pumpen, oder ob es nicht wirtschaftlicher ist, in eine dauerhafte Sanierung zu investieren. Bei der aktuellen defizitären Haushaltsklage stellt vermutlich beides ein echtes Problem dar.
Machbarkeitsstudie zur Neuausrichtung
Das Bergische Museum mit dem denkmalgeschützten Haupthaus aus dem 16. Jahrhundert, einem Freigelände mit historischen Fachwerkhäusern und Werkstätten, wurde lange vernachlässigt, immer wieder nur notdürftig wiederhergestellt.
Umweht vom Muff des Verstaubten sind die Depots unter Dachschrägen nicht isoliert, sodass das Raumklima nicht stabil ist. Im städtischen Haushalt ist seit 2024 zwar Geld eingestellt, um Flächen anzumieten. Bis heute konnte die Verwaltung im Stadtgebiet keine geeigneten Flächen finden.
Große Teile des Bergwerkstollens – einer Ikone des Museums, mit dem Generationen von Bergisch Gladbacher Kindern Erinnerungen beim Abtauen in die Tiefen des Labyrinths verbinden – sind vom Holzwurm befallen.
Zur Neuausrichtung des Museums beauftragte die Stadt 2024 eine 231.000 Euro teure Machbarkeitsstudie. Sie wird überwiegend über Fördermittel und Spenden gedeckt. Der städtische Eigenanteil beträgt 16.500 Euro. Im Sommer 2026 soll das Konzept laut Verwaltung vorliegen. Ziel ist es, einzelne Projekte schrittweise gezielt mit Fördergeldern umzusetzen. (ub)


