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ProzessAngeklagter soll in die Psychiatrie – Ex-Partnerin berichtet von Vergewaltigung

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Der Angeklagte im schwarzen Anzug sitzt neben Verteidiger Thomas Düber.

Die Ex-Freundin des Angeklagten (l.) erhebt schwere Vorwürfe.

Vor Gericht steht der 33-Jährige, weil er einen Mann mit einem Messer angegriffen haben soll. Nun meldet sich auch seine Ex-Freudin zu Wort.

Im Prozess gegen einen 33-Jährigen deutet nach dem psychiatrischen Gutachten alles auf die dauerhafte Unterbringung des Beschuldigten in einer Psychiatrie hin. Der Mann soll laut Antragsschrift der Staatsanwaltschaft im März 2025 in Hoffnungsthal einen Restaurantgast auf einem Parkplatz hinterrücks mit einem Messer angegriffen und lebensgefährlich verletzt haben. Der Geschädigte überlebte schwer verletzt nach mehreren Notoperationen, leidet aber bis heute unter den Folgen der Tat.

Mit seinem Gutachten wiederholte der Sachverständige weitgehend jene Einschätzung, die er bereits im Dezember 2025 vor Gericht abgegeben hatte. Der Prozess vor der 11. Großen Strafkammer musste Anfang Januar wegen krankheitsbedingter Abwesenheit mehrerer notwendiger Verfahrensbeteiligter und der kurz bevorstehenden Pensionierung der damaligen Kammervorsitzenden abgebrochen werden. Seit Anfang März wird der Fall daher unter dem neuen Kammervorsitzenden Prof. Jan Orth erneut verhandelt.

Als „motivschwach“ bezeichnet der Psychiater die Tat

Der psychiatrische Sachverständige kam am Montag zu dem Befund, dass der 33-Jährige zum Tatzeitpunkt an einer paranoid-halluzinatorischen Psychose gelitten habe. Hierdurch sei die Schuldfähigkeit des Mannes aufgehoben gewesen. Dass die Psychose von übermäßigem Alkohol- oder Drogenmissbrauch herrühre, schloss der Sachverständige aus, weshalb er auch die Einweisung des 33-Jährigen in eine Entzugsanstalt ablehnte. Die Voraussetzungen bestünden hierfür schlicht nicht, wobei der Gutachter auch auf die eher geringe Alkoholisierung am Tatabend von gerade einmal 0,6 Promille verwies.

Für einen akuten Drogenmissbrauch kurz vor der Tat lägen ebenfalls keine Hinweise vor. Kokainabbauprodukte im Blut des Angeklagten deuteten auf einen zeitlich deutlich vorgelagerten Konsum hin. Weiter sprachen aus Sicht des Sachverständigen psychotische Episoden des Beschuldigten in der einstweiligen Unterbringung im November und Dezember vergangenen Jahres. Zu dem Zeitpunkt habe der Beschuldigte bereits rund ein halbes Jahr weder Alkohol noch Kokain konsumiert. Die Tat selbst bezeichnete der Psychiater als „motivschwach“, bei gleichzeitiger „erheblicher Delikt-Führung mit erheblicher Aggression“. Dabei habe ein „ausgeprägtes psychotisches Erleben“ beim Beschuldigten vorgelegen, in dem er sich mit dem eigentlich völlig unbekannten Opfer in eine wie auch immer geartete Beziehung gesetzt habe.

Ex-Partnerin spricht von Vergewaltigung

Zudem könnten dem 33-Jährigen nach der Aussage seiner Ex-Freundin (29), die am Montag ebenfalls in dem Prozess aussagte, auch noch Ermittlungen wegen Vergewaltigung bevorstehen. Die 29-Jährige, die vor rund einem Jahrzehnt drei Jahre mit dem 33-Jährigen eine Beziehung führte, hatte auf die Frage des Vorsitzenden, wie die Sexualität in der Beziehung gewesen sei, geantwortet: „Die war nicht immer gut.“

Auf die Nachfrage, was Sie meine, sagte die Frau weiter: „Ein Nein wurde nicht immer akzeptiert.“ Das Schlimmste sei eine Vergewaltigung gewesen, sagte die Frau. Sie habe in der Situation im gemeinsamen Bett „zwei-, drei-, viermal Nein gesagt, aber das wurde nicht akzeptiert. Ich habe es dann aber hingenommen, weil ich keine Lust auf Stress hatte“, so die 29-Jährige. Auch wenn die Frau die Beziehung damals für einen Fehler hielt, sprach sie nicht durchweg schlecht über den Beschuldigten. Es habe auch gute Zeiten gegeben, sagte sie. Der Prozess wird fortgesetzt.