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„Das war wirklich fantastisch“Über das Phantasialand-Großereignis einer vergangenen Epoche

4 min

Nostalgie im Phantasialand: Die legendäre Lichterparade

Der Freizeitpark in Brühl hat sich mit der Zeit immer weiter verändert. Die Gründerfamilie erinnert an das Highlight der Vergangenheit.

„Das war wirklich fantastisch“, erinnert sich Nina Halberkann an das Highlight eines jeden Jahres im Phantasialand. Halberkann ist die Nichte des Park-Gründers Richard Schmidt. Der Freizeitpark in Brühl hat sich seit der Eröffnung 1967 immer wieder stark verändert. An ein Großereignis denkt auch die Gründerfamilie heute noch mit viel Nostalgie zurück: Die Lichterparade.

Die Lichterparade ist heute ein historisches Highlight einer vergangenen Epoche im Freizeitpark Phantasialand. Nina Halberkann war eine der maßgeblichen Köpfe hinter dem jährlichen Großereignis, mit dem zwischen 1996 und 2006 die Saison beendet wurde. Ihre Tochter, Britta Fenner-Carrera, hatte sogar die Ehre, die Parade anzuführen.

Gründerfamilie über das „Highlight des Jahres“ im Phantasialand

Das „Festival der Lichter“, das mit der Lichterparade seinen Höhepunkt fand, war so etwas wie der Vorläufer des Wintertraums, mit dem das Phantasialand inzwischen durch die Wintersaison geht. Auch damals wurde der Freizeitpark zum Einbruch der Dunkelheit mit Tausenden von Lichtern stimmungsvoll in Szene gesetzt.

Pünktlich um 20 Uhr setzte sich dann jeden Abend die Lichterparade in Gang, angeführt von einem Zauberer. Künstlerinnen und Künstler in aufwendig illuminierten Kostümen und prachtvoll ausgestaltete Wagen bahnten sich ihren Weg durch den Freizeitpark.

„Die Parade ging immer die Alt-Berliner-Straße rauf und runter. Fing an beim Neptunbrunnen hinter dem Eingang. Direkt neben dem Haupteingang war die Paradehalle, da standen auch immer die großen Paradewagen drin“, erklärt Britta Fenner-Carrera im Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. „Von da ging es dann raus, einmal um den Neptunbrunnen herum, einmal die Straße runter, ums Karussell und dann wieder zurück. Es endete dann vorm Neptunbrunnen, wo sich dann alle noch einmal versammelt haben. Zum Schluss wurde dann das große Feuerwerk abgefeuert.“

Eine Künstlerin in einem der aufwendigen Kostüme zur Lichterparade im Phantasialand.

Eine Künstlerin in einem der aufwendigen Kostüme zur Lichterparade im Phantasialand.

Fenner-Carrera ist die Tochter von Nina Halberkann. Auch sie hat lange im Phantasialand an der Seite ihrer Mutter an den Kostümen gearbeitet. „Das war immer mein Highlight des Jahres“, sagt die heute 41-Jährige über die Lichterparade.

Aufwand für das Großereignis im Phantasialand war enorm – Kostüme noch heute zu sehen

Der Aufwand für das Großereignis war enorm – wohl auch ein Grund, warum die Lichterparade schließlich aufgegeben wurde. „Die Kostüme wurden immer speziell für die Parade entworfen und eigens gefertigt“, erzählt die Gründer-Nichte. Noch heute werden die aufwendigen Kostüme im Freizeitpark verwendet – etwa in der Show „Der goldene Faden“ im Wintergarten im Phantasialand.

„Die drei Musketiere“ in der Lichterparade im Phantasialand.

„Die drei Musketiere“ in der Lichterparade im Phantasialand.

Für die Parade mussten alle Abteilungen ineinandergreifen. Vor allem Knut Nobiling, ehemaliger Bühnenbildner im Phantasialand, der auch viele der Attraktionen wie etwa der „Hollywood Tour“ im Brühler Freizeitpark mitgestaltet hat, setzte maßgebliche Akzente.

Tochter Britte Fenner-Carrera führt eines der Kostüme für die Lichterparade im Phantasialand vor.

Tochter Britte Fenner-Carrera führt eines der Kostüme für die Lichterparade im Phantasialand vor.

Die Lichterkostüme in der Parade seien teilweise mit zwei oder sogar drei großen Autobatterien ausgestattet gewesen. Nina Halberkann: „Da war ich dann aber auch nie allein für zuständig, das hätte ich nicht alles geschafft. Da hatte ich immer Unterstützung in der Schneiderei. Aber den ganzen kreativen Anteil, die Entwürfe, die habe ich schon gemacht.“

Was da allein in einem Kostüm drinsteckt an Arbeit und Material. Das kann man sich heute nicht mehr vorstellen.
Nina Halberkann

Die Kostüme hatten teils riesige Ausmaße, sodass die Untergestelle auf Rollen gesetzt wurden, sonst hätten die Künstlerinnen und Künstler sie nicht tragen können. „Das ist schon unglaublich, was da damals für ein Aufwand betrieben wurde“, ordnet Kostümbildnerin Halberkann ein. „Was da allein in einem Kostüm drinsteckt an Arbeit und Material. Das kann man sich heute nicht mehr vorstellen.“

Gründer-Nichte mit kritischer Einordnung zum Phantasialand

Der Phantasialand-Gründer Richard Schmidt habe immer sehr viel Aufwand betrieben, um Shows wie die Lichterparade zu betreiben. „Das lohnt sich“, habe er immer gesagt, erinnert sich Reiner Halberkann, der Ehemann von Nina Halberkann. „Auch wenn es eigentlich zu teuer war. Aber die Leute sind extra deswegen gekommen, um das zu sehen.“

Die Lichterparade gehört heute einer vergangenen Epoche im Phantasialand an. Auch wenn die Familie des Gründervaters Richard Schmidt heute mit viel Nostalgie an diese Zeit zurückdenkt, hat man auch viel Verständnis und Respekt für die heutigen Parkstrukturen.

Schon allein aufgrund der begrenzten Parkfläche sei das Phantasialand strukturell so angelegt, dass man sich verändern müsse, für neue Attraktionen alte ausrangiert werden müssten. Auch wenn inzwischen nicht mehr so viel wie damals aus dem Team selbst heraus entworfen und gefertigt und vieles eingekauft werde, stecke auch heute noch viel Liebe zum Detail in den Thematisierungen. Der Park werde zu Recht vielfach ausgezeichnet, so die Gründer-Nichte.