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Kommentar

„Frustzaun“
Darum haben es die Kölner Bühnen immer noch nicht verstanden

Ein Kommentar von
2 min
Ein Künstler gestaltet den Frustzaun an der Oper um.

Ein Künstler gestaltet den Frustzaun an der Oper um.

Ist der Frustzaun an der Oper eine gute Idee? Und wenn nein, warum? Unser Autor liefert dazu vier gute Gründe.

Boah, Bühnen! Da verpulvern sie in 14 Jahren Sanierung am Offenbachplatz Hunderte Millionen Euro und kommen jetzt auch noch mit einem „Frustzaun“ ums Eck? Geht's noch?

Nein, es geht nicht – doch das liegt weniger am Zaun als am alltäglichen Umgang der Bühnen mit Steuergeld. Am Mittwoch fiel der Satz „Wir haben verstanden“, was die Sanierung als Last bedeutet. Das hört sich gut an – der Alltag zeichnet ein ganz anderes Bild. Sie haben es nicht verstanden.

Erstens: Der Betrieb feierte völlig überzogene Betriebsfeste mit T-Shirts und Socken für mehrere Tausend Euro, die verschenkt wurden. Und unter anderem sind innerhalb von 100 Tagen rund 68.000 Euro für vier Feiern verjubelt worden.

Keine ehrliche Aufarbeitung

Zweitens: Aus dem Bau-Debakel wollte die Stadt lernen. Tatsächlich gab es 2017 nur eine nutzlose, weil befangene Analyse einer Kölner Anwaltskanzlei. Die Kanzlei hatte die Bühnen während des Baus beraten, dafür Geld erhalten. Zudem riet sie der Stadt, dem Büro für die Technische Gebäudeausrüstung zu kündigen. Jenem Büro, dem die Anwälte später einen wesentlichen Teil der Schuld zuschoben. Das Schlimmste: Die Kölner Politik war einstimmig dafür, die Kanzlei zu beauftragen.

Matthias Hendorf

Matthias Hendorf

Chefreporter Lokales in der Lokalredaktion Köln. Jahrgang 1983. Er schreibt vor allem über Stadtentwicklung und Kommunalpolitik, insbesondere die CDU....

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Drittens: Während der Sanierung führten die Bühnen laut Rechnungsprüfungsamt Auftragsvergaben an externe Planer im Wert von rund 145 Millionen Euro „ohne ordnungsgemäßes Verfahren durch“.

Viertens: Die Mitarbeiter nutzen Kreditkarten, obwohl sie auf Rechnung einkaufen sollen. Ein Mitarbeiter sammelte privat Payback-Punkte mit der Dienst-Kreditkarte. Wieder rechtfertigen sich die Bühnen im altbekannten Muster: kein finanzieller Schaden, nur geringe Summen. Das ist ein Teil-Aspekt, der wichtigere ist aber: Es passt ins Bild eines Betriebs, der es nicht so genau nimmt.

Frustzaun hin oder her: Die Bühnen müssen leben, dass sie „verstanden haben“ und es nicht nur sagen. Es wäre wünschenswert, wenn der Betrieb sich weniger verfolgt sieht, seine Opferrolle verlässt und stattdessen verantwortungsbewusster mit Steuergeld umgeht. Jeden Tag. Dann wären seine Kampagnen und Worte auch glaubwürdig.