Abo

Ausstellung eröffnetFotograf hat das Verschwinden eines Kerpener Stadtteils festgehalten

3 min
Zu sehen sind Yannick Rouault und Simon Preissner, sie halten den Bildband fest.

Fotograf Yannick Rouault (l.) und Texter Simon Preissner stellen den Bildband Manheim-Alt vor. 

Fotograf Yannick Rouault hat über Jahre Eindrücke von Manheim-alt festgehalten. Aus seinen Arbeiten entstand ein Bildband.

Eine Dorfkneipe, in der schon lange nicht mehr gefeiert wird; ein Spielplatz, auf dem kein Kind mehr die Rutsche benutzt. Mit seiner Kamera hat der Fotograf Yannick Rouault über Jahre das allmähliche Verschwinden von Manheim-alt festgehalten. Aus seinen Arbeiten entstand der Bildband „Ausgemacht – Ein Ort wird beendet“, zu dem Simon Preissner die Texte beisteuerte und der jetzt im Rahmen der Ausstellung „Manheim zwischen Mittelalter und Moderne“ im Haus für Kunst und Geschichte vorgestellt wurde.

Der Münchner Rouault wurde 2012 beim Besuch einer Freundin das erste Mal mit dem Tagebau konfrontiert: „Von ihr aus hat man den direkten Blick auf das Kraftwerk Niederaußem. Ich kannte das vorher nicht. Der Tagebau hat mich sofort beeindruckt und nicht mehr losgelassen.“

Beim ersten Besuch standen noch alle Häuser

Es folgten langwierige Recherchen zum Thema: „2016 entschied ich mich, eines der Dörfer im Umsiedlungsprozess fotografisch festzuhalten – nicht dokumentarisch, sondern künstlerisch. Ich wollte verstehen, was Heimatverlust bedeutet.“ Der Fotograf kam alle zwei bis drei Monate nach Kerpen und erfasste, wie Manheim sich veränderte. „Beim ersten Besuch standen noch alle Häuser. Im Oktober 2016 begannen die Abrissarbeiten.“

Auf seinen Bildern verändern sich Straßenzüge und verschwinden ganz, Bagger arbeiten sich durch schmucke Eigenheime, von denen letztlich nur Schutt übrig bleibt. Yannick Rouault entschied sich bewusst, all dies analog festzuhalten: „Das zwingt zur Reduktion und Konzentration. Ich wollte keinen digitalen Überfluss, sondern bewusste Entscheidungen für jedes Motiv“. Über die Monate entstanden so über 3000 Fotografien.

Erstmals ausgestellt wurde eine Auswahl von gut 30 Aufnahmen 2021 im Rathaus Ottobrunn, weitere Präsentationen folgten: „Dabei habe ich viele Menschen kennengelernt, für die diese Bilder eine große Bedeutung hatten. Aber viele starke Motive blieben aus Platzgründen unsichtbar.“ Hier soll das aufwendig gestaltete Buch Abhilfe schaffen. Es entstand ursprünglich als Beitrag zu einem Fotobuch-Wettbewerb. Für die Texte sorgt Simon Preissner, die beiden 32-Jährigen kennen sich von früheren, gemeinsamen Projekten. „Ich kam 2021 erstmals mit dem Thema in Berührung, als ich Yannicks Ausstellung sah.

Seine Bilder zeigen keine Menschen, diese Leerstelle wollte ich füllen“, erinnert sich Preissner. Er fragte sich: Was passiert mit einer Dorfgemeinschaft, die ihre Heimat verlassen muss? „Ich habe Texte geschrieben, die teils melancholisch, teils hoffnungsvoll sind – inspiriert von Bildern, Eindrücken und Erzählungen.“

Eine gewaltige Hürde hat das Buch noch: Bislang existieren nur die fünf Exemplare, die eigens für den Wettbewerb entstanden sind. Einen Verlag gibt es noch nicht: „Wir haben uns bislang nur Absagen geholt, auch mit einer Förderung hat es noch nicht geklappt“, bedauert Yannick Rouault. Dennoch soll das Buch mit 21 Gedichten und etwa 70 bis 80 Fotografien Ende des Jahres in den Handel kommen, gegebenenfalls als Kleinstauflage im Eigenverlag.

Kerpen: Ausstellung im Haus für Kunst und Geschichte

Rouault ist inzwischen von München nach Köln umgezogen. Von seinem Büro in Kerpen bietet er Vorträge und Führungen zum Thema Tagebau an: „Ich habe mich in die Gegend verliebt.“ Wer an dem Buch interessiert ist, kann sich direkt an Yannick Rouault wenden. Die Ausstellung „Manheim zwischen Mittelalter und Moderne“ im Haus für Kunst und Geschichte, Stiftsstraße 8, Kerpen, läuft noch bis zum 11. März 2027. Sie ist Dienstag und Mittwoch zwischen 9 und 12 Uhr, Donnerstag 14 bis 18 Uhr, sowie nach Vereinbarung geöffnet.