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Zwei Frauen starben bei WesselingAnwalt zweifelt Gutachten zum Unfallhergang auf der A555 an

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Das Fahrzeug der beiden getöteten Frauen brannte restlos aus.

Das Fahrzeug der beiden getöteten Frauen brannte restlos aus.  

Die beiden Angeklagten haben sich im Prozess gegenseitig belastet. Nun könnte einer eine Aussage korrigieren. 

Eine erneute Wende nahm der Prozess gegen die beiden Ex-FC-Spieler, die das Landgericht Köln anklagt, durch ein mutmaßliches illegales Autorennen auf der A555 den Tod von zwei Frauen verschuldet zu haben. „Ich bin einigermaßen erschrocken über die Feststellungen des Sachverständigen und halte sie für dramatisch falsch“, eröffnete der Verteidiger des Audi-Fahrers, Hendrik Kaldewei, seine Erklärung zum Unfallhergang.

Das PS-starke Auto seines Mandanten war in der Nacht auf den 2. Dezember 2023 mit derartiger Wucht auf das Heck des vorausfahrenden Kleinwagens geprallt, dass der Kleinwagen explodierte. Die Insassen, eine 23-jährige Studentin und ihre 49-jährige Mutter, hatten keine Chance, dem Flammeninferno zu entkommen.

Es fehlen Bilder von der Kollision mit dem Kleinwagen

Kaldewei setzte der nach seiner Meinung „spekulativen Annahme“ des Unfallanalytikers das kurz vor dem Aufprall vom Beifahrer im Audi gefilmte Handyvideo und die Reifenabriebspuren an der rechten Seite des Fahrzeugs entgegen. Darauf soll das Scheinwerferlicht des Mercedes an der Leitplanke zu erkennen sein, wie er sich dem Audi rechts über die Beschleunigungsspur einer Auffahrt nach der Baustelle Godorf nähert.

Etwa 60 Meter vor dem Audi sind in dem Video die Rücklichter des Polos zu sehen. Zweimal soll der Mercedes beim Versuch, rechts zu überholen, den Audi seitlich gerammt haben; beim zweiten Mal ging der rechte Seitenairbag auf. Da das Handy in den Airbag rutschte, fehlen Bilder von der Kollision mit dem Kleinwagen.

Die beiden Angeklagten sitzen im Landgericht neben ihren Anwälten. Die jungen Männer sollen sich Ende 2023 auf der A555 ein Rennen geliefert haben.

Die beiden Angeklagten sitzen im Landgericht neben ihren Anwälten. Die jungen Männer sollen sich Ende 2023 auf der A555 ein Rennen geliefert haben.

„Mein Mandant hätte noch genug Zeit gehabt, dem Polo auszuweichen, wenn er nicht durch die Kollision mit dem Mercedes steuerungsunfähig geworden wäre“, argumentierte der Verteidiger.

Laut Gutachten soll der Audi-Fahrer dagegen keine Anstalten gemacht haben, den Polo links zu überholen, sondern sich vielmehr auf einen Wettbewerb mit dem Mercedes-Fahrer eingelassen haben, wer die Stoßstange vorne hat.

Ausdrücklich ohne der Beweiswürdigung vorgreifen zu wollen, redete der Vorsitzende Richter der 26. Großen Strafkammer am Landgericht, Tilman Müller, dem Mercedes-Fahrer ins Gewissen. „Nach dem Video kann die Fahrsituation nicht so gewesen sein, wie Sie sie geschildert haben. Man merkt, dass Sie das Ganze hier nicht kalt lässt, gehen Sie in sich!“ Sowohl Verteidiger Wolfgang Schenk als auch der heute 22-jährige ehemalige FC-Nachwuchsspieler signalisierten durch Kopfnicken, dass sie der Aufforderung Folge leisten wollen.

Der Mercedes-Fahrer weinte, als sein früherer Berater beim FC schilderte, wie er ihn nach dem Unfall am 1. Dezember 2023 erlebt hatte. Der damals 20-Jährige übernachtete bei der Familie, denn er war eng mit dem Sohn des 51-Jährigen befreundet. „Ich versuchte, ihn psychisch aufzubauen, weil die Jungs wegen des Gutachtens, das so lange auf sich warten ließ, belastet waren“, sagte der Zeuge. Er habe ihm wegen guter Kontakte zum Anwalt Schenk diesen als Verteidiger vermittelt.

In Chats sei die Unfallnacht ansonsten kein Thema gewesen. „Die Jungs wollten sich mit dem Unfall nicht mehr als nötig beschäftigen“, so der Mentor. Auch für den Audi-Fahrer, der sein Co-Trainer in einem Amateurverein gewesen sei, wolle er „das Bestmögliche“. An dem sogenannten Runden Tisch der Fahrer und ihrer Beifahrer im Nachgang des Infernos habe er jedoch nicht teilgenommen.

Polizeibeamte schilderten eine Auffälligkeit bei der Vernehmung des Beifahrers im Audi und einer Freundin, die ihm einen guten Anwalt besorgen wollte. „Beide beantworteten Fragen zum Unfall, äußerten sich aber widerwillig zu einem möglichen Autorennen und gaben nur auf Vorhalte Tempoüberschreitungen zu“, berichtete der Ermittlungsgruppenleiter. Die Zeugin habe zwar eingeräumt, dass der Audi-Fahrer im Gespräch mit ihr ein Autorennen vor der Baustelle Godorf zugegeben habe, die Aussage aber wenig später telefonisch widerrufen.

Der Prozess wird am 27. März fortgesetzt.