Abo

Einkaufen und Nachbarn treffenStammkunden bleiben Wochenmärkten in Siegburg treu

4 min
Zwei Frauen stehen vor einem Marktstand in ihren Wintermänteln.

Der Mittwochsmarkt in Kaldauen ist vor allem ein Anziehungspunkt für die Stammkundschaft.

Der Markt kann mehr als nur Lebensmittel bieten, doch Laufkundschaft gibt es kaum.

In Siegburg lockt der Wochenmarkt nach dem Empfinden vieler Händlerinnen und Händler immer weniger Menschen an. Die Stammkundschaft bleibt ihren Ständen jedoch treu, wie ein Besuch auf den Märkten in der Innenstadt und in Kaldauen zeigt. Doch die allein wird die Tradition wohl nicht retten.

Ugur Sezer, Obst- und Gemüsehändler auf dem Siegburger Wochenmarkt, trifft noch immer Kundinnen und Kunden aller Altersklassen. „Da kommen von der jungen Mutter bis ins hohe Alter alle Menschen, die meisten sind allerdings doch über 60“, sagt er. Der Markt sei für viele ein Treffpunkt, wo sie das Neueste erführen. „Am Wochenende kommen Nachbarn zusammen, die sich die ganze Woche nicht gesehen haben – da biete ich auch schon mal eine Tasse Kaffee an.“

Siegburger Wochenmarkt: Obst- und Gemüsehändler fürchtet um seine Zunft

Doch der 57-Jährige fürchtet, dass seine Zunft zugrunde gehen könnte. „Es ist ein Knochenjob, den niemand mehr machen möchte. Ich arbeite 60 bis 80 Stunden die Woche, auch am Wochenende – das geht nicht nebenbei.“ Man bekomme wenig Schlaf, das wirke sich auf die Familie und das Umfeld aus. „Man vereinsamt“, sagt Sezer. Er habe sich damit abgefunden. „Mein Lebensinhalt ist es, zu dienen. Diesen Servicegedanken halte ich aufrecht.“

Ugur Sezer steht hinter seinem Stand und hölt drei Granatäpfel in den Händen. Er blickt in die Kamera.

Ugur Sezer steht seit Jahren auf dem Wochenmarkt in Siegburg.

Wenn eine Kundin Trüffel verlange, telefoniere er mit einem Lieferanten aus Leverkusen, der den kostbaren Pilz aus Paris bestelle. „Ich hole ihn dann ab, auch wenn sich das nicht rechnet – das ist mir wichtig den Kunden gegenüber.“ Wenn jemand krank sei, liefere er eine Bestellung nach Hause. „Und so wie die Kinder im Supermarkt an der Fleischtheke eine Scheibe Fleischwurst bekommen, kriegen sie hier eine Banane geschenkt.“

Kaufverhalten in der Gesellschaft habe sich verändert

Auch das veränderte Kaufverhalten in der Gesellschaft spiele eine Rolle: Gerade die Jüngeren kauften im Supermarkt, auch wenn die Ware nicht die gleiche Frische, Lagerfähigkeit und Haltbarkeit aufweise. „Aber die Discounter haben dazugelernt, und der Kunde guckt nicht hin, was er da kauft. Erst sind die Tante-Emma-Läden kaputtgegangen, jetzt sind wir dran“, fürchtet er.

Erst sind die Tante-Emma-Läden kaputtgegangen, jetzt sind wir dran.
Ugur Sezer, Obst- und Gemüsehändler auf dem Siegburger Wochenmarkt

Bei ihm sei es außerdem möglich, per Telefon oder am Stand vorzubestellen. Das gehe in vielen Supermärkten nur online. „Telefonisch und persönlich ist für viele wichtig. Ich kann darauf reagieren und auch für die Jahreszeit Untypisches besorgen.“ Wenn jemand jetzt Spargel wolle, bekomme er ihn. Und wenn jemand wissen wolle, was man mit seinem Gemüse kochen könnte, erkläre er Rezepte: „Das beantwortet die Verkäuferin im Supermarkt nicht.“

Lenka Sperling vom Bauernhof Seifen setzt auf die Stammkundschaft

Wenige Kilometer weiter, vor der Liebfrauenkirche in Kaldauen, steht wie jeden Mittwochnachmittag der Marktwagen vom Bauernhof Seifen aus dem Westerwald. Darin arbeitet Mitarbeiterin Lenka Sperling und legt die gewünschten Eier von der Palette per Hand in den Karton.

Lenka Sperling greift zwei braune Eier von der Palette.

Frische Eier vom Bauernhof Seifen im Westerwald gibt es auf dem Markt in Kaldauen.

„Die Stammkunden kommen immer, auch bei schlechtem Wetter. Das ist auch sehr wichtig, es gibt ja keine Laufkundschaft“, sagt sie. Der Marktwagen stehe mittwochvormittags in Königswinter-Eudenbach, nachmittags in Kaldauen. Donnerstags komme er nach Sankt Augustin-Hangelar, freitags nach Königswinter-Heisterbacherrott. „Die Waren sind regional und nicht überteuert, das Rindfleisch ist selbst produziert – die Leute schwören aufs Hackfleisch.“

Bevölkerung nehme Markt in Kaldauen nicht wirklich an

Bei Sperling kauft Petra Bonatz ein, und das gerne. „Man wird sehr gut beraten, und die Ware ist Eins A“, lobt sie. Leider nehme die Bevölkerung in Kaldauen den kleinen Markt, der vor anderthalb Jahren etabliert wurde, nicht an. „Deswegen gibt es die Käsefrau nicht mehr, für sie hat es sich nicht gelohnt.“ Es ärgere sie, dass der Markt nicht angenommen werde, er müsse mehr beworben werden, findet sie.

Petra Bonatz steht vor einem Stand und blickt in die Kamera. In der Hand hält sie einen Einkaufskorb und ihr Portmonee.

Petra Bonatz aus Kaldauen kauft gerne auf dem Mittwochsmarkt ein, zum Beispiel Eier, Kartoffeln und Käse.

In ihrem Einkaufskorb liegen zwei Kartons mit Eiern, Camembert, Kartoffeln und Schnittkäse. „Wichtig ist, dass man probieren kann. Ich schaue nicht auf den Preis – wenn's schmeckt, gönne ich es mir. Wichtig ist mir, dass die Produkte regional sind und ich dafür nicht in die Innenstadt fahren muss“, erläutert sie.

Es passiere schon mal, dass sie dort Leute treffe, sonst gebe es ja keinen Treffpunkt in Kaldauen. „Mein Mann weiß: Wenn ich zum Markt gehe, kann es länger dauern. Ich freue mich auf den Mittwoch“, sagt Petra Bonatz.