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Ääzebär unterwegsIn Lohmar sammeln die Karnevalisten Spenden für Bedürftige

4 min
Bär und Karnevalisten waren am Dienstag in Lohmar unterwegs.

Bär und Karnevalisten waren am Dienstag in Lohmar unterwegs. 

Ein Foto mit dem Ääzebär ist beliebt. Für die Spende gab es ein Ääzebär-Knöllchen. 

Es ist ein besonderer Umzug, wenn an Karnevalsdienstag die Lohmarer Karnevalisten einen alten Fastnachtsbrauch mit fröhlichen Straßenkarneval vereinigen. Dann ist im Zentrum der Ääzebär unterwegs und sammelt Spenden für Bedürftige. 

Gut 20 Karnevalisten lassen sich am frühen Dienstagmorgen nicht vom Dauerregen bremsen und machten sich zum Teil mit Regenponchos ausgerüstet auf dem Weg, um Geld zu sammeln.

Emitec spendet wieder 500 Euro

Mit der Trillerpfeife kündigt Beatrix Marunde die Gruppe an. Die Kassiererin des eingetragenen Vereins Ääzebär weiß genau, wer etwas spendet oder wo die Türen auch manchmal verschlossen sind. „Wir sind heute Nachmittag bei Emitec. Die haben bereits wieder 500 Euro gespendet. Großartig“, lautet ihr Kommentar. Aber auch die kleinen Spenden werden gern angenommen. 

Auch beim Optiker wird die Spendendose gefüttert.

Auch beim Optiker wird die Spendendose gefüttert.

Mit exakt 2500,49 Euro brachte das vergangene Jahr ein Rekord-Ergebnis. Diesen Betrag will der Verein wieder erreichen. Bei der VR-Bank hat Regionaldirektor Oliver Mülln den Betrag gegenüber dem Vorjahr um 50 Prozent aufgestockt.

„Wir danken dem Spender mit einem dreifachen Alaaf“, ruft Beatrix Marunde, die lediglich kritisiert, dass es den im vergangenen Jahr bestellten Genever-Schnaps nicht gibt. Doch auch mit einem klassischen Korn lassen sich die Karnevalisten besänftigen, und schon geht es weiter in den Supermarkt.    

Am Leierkasten spielte Max Dieter (rechts) und Hannelore Kirschbaum (Vierte von rechts).

Am Leierkasten spielte Max Dieter (rechts) und Hannelore Kirschbaum (Vierte von rechts).

Der Prinz bestellt sich hier erstmal ein Brötchen. „Wir haben viel geweint gestern beim Rosenmontagszug“, gesteht Guido I. Der Bauer ist heiser, die Jungfrau hält sich still und erschöpft im Hintergrund. Das Lohmarer Dreigestirn mobilisiert aber noch einmal alle Kräfte und erobert den Sitzungssaal im Rathaus in der zweiten Etage.  

Spanische Spirituose Veterano ist Tradition für Ääzebär-Truppe

Der neue Bürgermeister Matthias Schmitz ist gut vorbereitet, denn neben Kaffee, Cola und Wasser stehen bereits eingeschenkte Veterano-Gläser auf dem Tisch. Die spanische Spirituose im Rathaus ist eine Tradition für die Ääzebär-Truppe.    

Doch dass die Session so langsam dem Ende zugeht, merkt man der Gruppe an, die Probleme hat, alle Gläser zu leeren. Stattdessen spendet der Bürgermeister bereitwillig und singt mit den Karnevalisten die Ääzebär-Hymne. Hannelore und Max Kirschbaum haben dafür wieder ihren Leierkasten mitgebracht. Nach der Melodie von „Down By The Riverside“ singt die Gruppe gemeinsam: „Hück dunn mer sammeln – mit unserem Ääzebär“.

Ein Tänzchen mit dem Bär auf dem Flur wagte Bürgermeister Matthias Schmitz.

Ein Tänzchen mit dem Bär auf dem Flur wagte Bürgermeister Matthias Schmitz.

Der Bürgermeister lässt es sich nicht nehmen, auf dem Flur mit dem Bär ein Tänzchen zu drehen. Kirschbaum hat natürlich auch hier das richtige Lied parat. „Über 1100 Lieder sind elektronisch aus dem Kasten abspielbar“, sagt er. 

Im Bärenkostüm steckt bereits zum vierten Mal in Folge Patrick Marunde (31), dem wie jedes Jahr trotz nur wenig Grad über dem Gefrierpunkt immer noch zu warm ist. „Am besten wären minus zehn Grad oder so“, stellt er fest.

Bürgermeister musste zum Geburtstag von Landrat Schuster

Für die Spende bekommt der Rathaus-Chef wie alle anderen Spender das sogenannte „Ääzebär-Knöllchen“. Darauf wird handschriftlich der Betrag in Euro oder „Nüselle“ dokumentiert. Ein herzlicher Dank, Hinweise auf die Internetseite und Kontonummer des Vereins für Spenden darf nicht fehlen.  

Schon ist das kurze Intermezzo beim Bürgermeister auch schon wieder vorbei. „Nächstes Mal bitte wieder nachmittags“, sagt Beatrix Marunde, doch Matthias Schmitz hat einen triftigen Grund, warum er den Termin vorverlegen musste: „Der Landrat hat die Bürgermeister zu seinem heutigen 70. Geburtstag eingeladen.“

Kassierin Beatrix Marunde freute sich mit dem Ääzebär über die Spenden von Bürgermeister Matthias Schmitz.

Kassierin Beatrix Marunde freute sich mit dem Ääzebär über die Spenden von Bürgermeister Matthias Schmitz.

Bis gegen 17 Uhr wird die Gruppe am Dienstag unterwegs sein, auf der Internetseite wird bald der Gesamterlös veröffentlicht. Gelohnt haben wird sich die Sammelaktion auf jeden Fall. Im vergangenen Jahr ging ein Großteil der Einnahmen an das Lohmarer Rote Kreuz. Der Rest wurde an mehrere Vereine und Aktionen verteilt, zum Bespiel an die Pfadfinder oder an die Weihnachtswunschzettel der „Engel für Ältere“-Aktion der Bürgerstiftung Lohmar. 

Der Mann im Erbsenstroh

Den Erläuterungen von Bernhard Walterscheid-Müller zufolge, Lohmarer Ehrenbürger und Heimatforscher, der 1991 starb, ist „de Äezebäe“, der Erbsenbär, ein mit Erbsen- oder Getreidestroh verkleideter Mann. Dabei seien die Erbse und das Erbsenstroh Symbole der Fruchtbarkeit.

Der Erbsenbär tritt bei Ernte, Kirmes, Fastnacht und Hochzeiten auf. Er vollführe einen schreitenden Rundtanz. Ein Bärenführer und maskierte Musikanten mit zum Teil lustigen Instrumenten begleiteten ihn, heißt es in der Erklärung. Das liebenswerte Spektakel habe sich bis heute erhalten können und erfreue sich wachsender Beliebtheit. Auf das Kommando „Bär, donn danze“ werden Spenden für den gemeinnützigen Zweck gesammelt.