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Karneval-Überbleibsel und BrillenBei Versteigerung in Troisdorf warten alle auf die Fahrräder

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Besonders an den Fahrrädern und E-Bikes haben viele Bieter Interesse.

Besonders an den Fahrrädern und E-Bikes haben viele Bieter Interesse.

In der Stadthalle konnten bei der Versteigerung von Fundsachen echte Schnäppchen gemacht werden. Vermutlich war aber auch ein Silberring dabei.

Eine kleine Menschentraube hat sich vor einer Tür in Troisdorf angesammelt. Bei dem frühlingshaften Wetter stehen sie aber nicht etwa für eine Kugel Eis an, sondern warten darauf, dass die Fundsachenversteigerung in der Stadthalle beginnt. Pünktlich um 13.30 Uhr öffnen sich die Türen. Die Besucherinnen strömen in das Foyer und betrachten die Gegenstände, die auf weißen Tischen ausgelegt sind: Jacken, Schals, Brillen, Armbänder, Taschen, Kopfbedeckungen, Rucksäcke.

Großes Interesse besteht an den Fahrrädern, vor allem an den E-Bikes die direkt am Eingang. Besucherin Simone Wenzel-Thiele hat ein Auge auf ein Modell in Knallrot geworden. „Aber man weiß nicht, was mit der Batterie ist, und auch das Schloss muss erstmal kaputt gemacht werden“, merkt an.

Troisdorfer Stadthalle: Versteigerung von 120 Fundsachen

Insgesamt können 120 Gegenstände ersteigert werden. Das Startgebot liege bei einem Euro, erklärt Jasmin Humbach, die Leiterin des Trosidorfer Fundbüros. Die Erfahrung habe gezeigt, dass die Auktion mit einem Euro als Startgebot am besten in Schwung komme. Um an der Versteigerung teilzunehmen, müssen sich Interessierte zunächst bei Mitarbeiterin Theresa Koch anmelden, die nach der Registrierung eine Bieternummer aushändigt.

Theresa Koch (l.) sitzt am Tisch und tippt etwas in ihren Laptop. Jasmin Humbach schaut ihr über die Schulter.

Theresa Koch (l.) kümmert sich um die Anmeldung. Jasmin Humbach freut sich über den Andrang in diesem Jahr.

Aurelia Theisen ist mit ihrem Vater nach Troisdorf gekommen. „Ich hatte nichts zu tun, deshalb bin ich einfach mal mitgekommen. Vielleicht finden wir ein Fahrrad für Opa“, sagt sie. Ralf Theisen war zuletzt bei einer Auktion in Bonn. „Das Angebot könnte hier größer sein. In Bonn gab es Überraschungskisten, das finde ich immer spannend“, urteilt er. Sonja Nussbaum und ihr Mann sind mit einem konkreten Wunsch gekommen: „Ich bin das erste Mal bei einer Auktion und suche ein Fahrrad“, sagt sie.

Schnäppchenjagd: Jährlich mehr Leute bei Auktion dabei

Durch die Versteigerung führt Anne Winternheimer. Sie leitet die Auktion erst das zweite Mal und ist ein wenig aufgeregt, weil so viele Menschen gekommen sind, wie sie verrät. „Wir haben jährlich mehr Leute“, stellt Jasmin Humbach freudig fest. 

Blick in den gut gefüllten Raum der Stadthalle. Vorne am Pult leitet Anne Winternheimer die Auktion.

Die Troisdorfer Stadthalle ist gut gefüllt.

Los geht es mit den Kleidungsstücken. „Sie können hier den Schnapper Ihres Lebens machen, und ich bitte Sie inständig, mitzubieten, weil wir das Geld brauchen“, ruft Winternheimer enthusiastisch. Doch die Bieterinnen und Bieter lassen sich nur langsam aus der Reserve locken. Die meisten Kleidungsstücke werden für 1,50 bis 3,50 Euro versteigert. Eine Jacke der Marke G-Star wird für zwei Euro verkauft, eine der Marke Hollister findet für sechs Euro einen neuen Besitzer.

Auf einem Tisch liegen die Gegenstände.

Überbleibsel von Karneval: Feenflügel, ein Paillettenhut mit integrierter Lichterkette und ein schwarzer Cardigan mit einer Brosche des Troisdorfer Dreigestirns.

Auch der Karneval hat beim Fundbüro seine Spuren hinterlassen. Ein rot-weißes Karnevalsfrack, weiße Feenflügel, ein schwarzer Paillettenhut mit Lichterkette und ein schwarzer Cardigan mit einer Brosche des Troisdorfer Dreigestirns aus dem Jahr 2025 stehen zum Verkauf. „Nach Karneval ist vor Karneval“, sagt Winternheimer schmunzelnd.

Überraschung des Tages: Ring wird für 550 Euro verkauft

Ein Ring, vielleicht aus Silber, sorgt für die Überraschung des Tages. Zwei Bieter liefern sich einen Schlagabtausch, letztendlich wird der Ring für 550 Euro verkauft. Die Menge applaudiert. Eine Sonnenbrille, möglicherweise von Cartier, bringt der Troisdorfer Stadtkasse 110 Euro ein.

Silberring und Sonnenbrille liegen auf einem Tisch.

Sonnenbrille und Ring spülen ordentlich Geld in die Troisdorfer Stadtkasse.

Während der Versteigerung sahnt ein Bieter auffällig viele Korrektur- und Sonnenbrillen ab. „Da wird wohl später ein Brillengeschäft aufgemacht“, scherzt Anne Winternheimer. Zum ersten Mal kann ein tragbarer Handheld-Computer zur digitalen Erfassung von Daten – beispielsweise im Lager – ersteigert werden. Ein Bieter bekommt das Gerät für 38 Euro. Auf die Frage, was er damit wolle, antwortet er prompt: „Ist mir doch egal, die Dinger kosten sonst bis zu 2000 Euro.“

Nach anderthalb Stunden wird die Menge langsam unruhig. Doch Winternheimer beruhigt. „Wir machen eine Pause, und dann kommen die richtig interessanten Sachen“, kündigt sie an – „die Fahrräder“.

Übergebliebene Fundsachen sollen gespendet werden

Ein Herrenrad ohne Pedale wird für 15 Euro verkauft, ein Fahrrad von Kettler ohne Sattel für fünf Euro. Kurz nach der Vorstellung eines E-Bikes von Kalkhoff meldet sich ein Bieter und startet mit einem Gebot von 100 Euro. Letztendlich wird der Preis auf 280 Euro hochgetrieben. „Das ist Wahnsinn, was ist, wenn der Akku kaputt ist?“, raunt ein Zuschauer.

Nach rund drei Stunden ist das Spektakel vorbei. Sonja Nussbaum geht ohne ein neues Fahrrad nach Hause. „War nichts dabei. Es ist auch schwierig, wenn man selbst nichts reparieren kann“, sagt sie. 

Alle Stücke, die heute nicht versteigert wurden, werden entweder vernichtet oder gespendet. „Vor allem die Klamotten wollen wir spenden“, kündigt Jasmin Humbach an. „Wir wissen aber ehrlich gesagt noch nicht wohin.“