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„Gute-Laune-Schaffner“ im FußballverkehrProtokoll zeigt, was Zugbegleiter im Sonderzug erleben

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Mit robusten Zügen und Gute-Laune-Schaffnern befördert das Bahnunternehmen TRI Rental Fußballfans durch NRW, am Samstag zwischen Mönchengladbach und Köln. Foto: TRI

Mit robusten Zügen und Gute-Laune-Schaffnern befördert das Bahnunternehmen TRI Rental Fußballfans durch NRW, am Samstag zwischen Mönchengladbach und Köln. 

Am Samstag muss sich das Personal in den Sonderzügen zum Rhein-Derby auf alles gefasst machen. Vor einem Jahr eskalierte die Lage schon im Kölner Hauptbahnhof.

Zum Derby des 1. FC Köln gegen Borussia Mönchengladbach an diesem  Samstag wird das Bahnunternehmen TRI Rental zwei Sonderzüge im Auftrag von go.Rheinland für die Auswärtsfans einsetzen, die in Köln-Ehrenfeld enden. Von dort geht es mit Sonderbahnen der KVB weiter Richtung Stadion. TRI hat sich auf Sonderzug- und Verstärker-Fahrten spezialisiert. Dafür stehen zwei robuste Zuggarnituren zur Verfügung, die aus modernisierten Reisezugwagen älterer Baureihen bestehen. Die Polizei wird mehr als 1400 Kräfte einsetzen und erwartet „jeweils 500 gewaltbereite Störer als Köln und Mönchengladbach“.

Die Züge werden begleitet von sogenannten GLS-Kräften – das ist die Abkürzung für„ Gute-Laune-Schaffner“. Die Verkehrsverbünde go.Rheinland und Rhein-Ruhr finanzieren solche Sonderzüge, um die Fußballfans möglichst aus Regionalzügen und S-Bahnen herauszuhalten. Das Konzept wird von der Bundespolizei begrüßt, weil sich das Geschehen besser kontrollieren lässt.

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Das gelingt nicht immer. Dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ liegt ein Protokoll vom 9. März 2024 vor. An diesem Samstag spielt der FC in Mönchengladbach. TRI stellt den Sonderzug, der FC-Fans vom Kölner Hauptbahnhof nach Rheydt bringen soll. Hier ein paar Auszüge.

Die Thematik der Bahnbeförderung Kölner Fans wurde hinreichend thematisiert und gemeinsam Maßnahmen beschlossen, dieses Publikum in den Griff zu bekommen
Aus einem TRI-Protokoll vom 9. März 2025

„Die Thematik der Bahnbeförderung Kölner Fans wurde hinreichend thematisiert und gemeinsam Maßnahmen beschlossen, dieses Publikum in den Griff zu bekommen, was bei den letzten Fahrten gut funktioniert hatte. Insbesondere die Vermeidung von Überbesetzungen ist unabdingbare Voraussetzung für das Wirken des Gute-Laune-Konzepts, einem störungsfreien Fahrtverlauf und die Vermeidung von Vandalismus“, heißt es wörtlich. Man sei im Zug neben dem Lokführer und dem Zugführer „mit einem Großaufgebot an 14 Gute-Laune-Schaffnern (GLS) präsent“ gewesen.

Go.Rheinland habe auf Bitten der Bundespolizei zwei Züge mit jeweils acht Wagen bestellt. Wegen vorausgegangener Vandalismusschäden seien aber nur elf Wagen verfügbar gewesen. Weil die Bahnsteige in Rheydt zu kurz sind, habe am Ende nur ein Zug mit acht Wagen zur Verfügung gestanden, heißt es in dem Papier.

Der Lokführer, nur durch eine Glaswand von der Fan-Masse getrennt, sieht sich nicht in der Lage, seinen Dienst auszuführen
Aus einem TRI-Protokoll vom 9. März 2025

Weil es keine Zugangskontrollen gibt, warten bei der Einfahrt des Sonderzugs in den Hauptbahnhof mehr als 1200 Fans auf dem Bahnsteig. Sie stürmen den Zug durch Türen und Fenster. Der Lokführer im Steuerwagen, nur durch eine Glaswand von der Fan-Masse getrennt, sieht sich nicht in der Lage, seinen Dienst auszuführen. Der Zug ist zu 180 Prozent überlegt, ein Durchkommen für die Gute-Laune-Schaffner unmöglich.

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„Unser Zugführer teilte mit, dass bei einer derartigen Auslastung nicht fahren könne, zumal sehr laute Fans direkt hinter dem Führerstand die Arbeit des Triebfahrzeugführers unmöglich machten. Nach einigen Minuten der internen Abstimmung der Einsatzkräfte wurde vereinbart, dass der Zug mit der Fußballauslastung von 110 Prozent fahren darf“, heißt es in dem Protokoll. „Da nach wiederholten Durchsagen zu den alternativen Reiseverbindungen die 110 Prozent nicht erreicht waren, wurde durch die Kräfte der Bundespolizei eine Teilräumung eingeleitet, in Einzelfällen auch Zwang angewendet.“

Am Ende fährt der Zug überbesetzt mit einer halben Stunde Verspätung und Polizeibegleitung ab. Während der Wartezeit „entstanden in vier Wagen sicherheitsrelevante, in drei weiteren Wagen komforteinschränkende Vandalismusschäden“. In Rheydt angekommen „klebte unser Team unter Opferung der eigenen Pause die Decken- und Fensterbeschädigungen notdürftig ab - Reparaturmaterial immer an Bord - und sperrte Sitze, so dass auf dem Rückweg annähernd die volle Kapazität bei sicherheitsrelevanter Betreuung durch unsere 14 GLS wieder bereitgestellt werden konnte.“ Die Rückfahrt sei dann problemlos verlaufen.