Am Dienstag wird von der DFL voraussichtlich die Gründung einer neuen Nachwuchsliga beschlossen. Ob der FC teilnimmt, ist offen.
Nachwuchsfußball1. FC Köln begrüßt Pläne für neue U-21-Liga, hat aber auch Vorbehalte

Leistungsträger der Kölner U21: Etienne Borie (beim Schuss)
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Der deutsche Fußball bekommt zur kommenden Saison eine neue Liga – zumindest, wenn es nach dem Vorschlag einer Expertengruppe der Deutschen Fußball-Liga (DFL) geht. Das Gremium, dem unter anderem Trainer Jürgen Klopp und Andreas Rettig, Geschäftsführer Sport des Deutschen Fußball-Bundes, angehören, legte ein Konzept zur Gründung einer eigenen Liga für U-21-Teams vor. Der Vorschlag steht am Dienstag bei der DFL-Mitgliederversammlung zur Abstimmung. Die Verantwortlichen des 1. FC Köln beraten noch, ob der Verein dem Vorhaben zustimmt und ob der FC an der neuen Liga teilnehmen wird. Das berichtete der Technische Direktor Lukas Berg im Gespräch mit dieser Zeitung.
Simon Rolfes, Sportgeschäftsführer von Bayer 04 Leverkusen, sagte auf Anfrage: „Als Mitglied der Kommission Fußball bin ich persönlich in die erarbeiteten Pläne der Expertengruppe involviert gewesen. Ich bin der Meinung, dass die Gründung einer U-21-Liga in diesem Format gut für den deutschen Fußball ist. Wir beschäftigen uns mit dem Thema. Wie wir uns letztendlich aufstellen, werden wir nun besprechen und dann darüber entscheiden.“
Teilnahme an der U-21-Liga soll freiwillig sein
Die Teilnahme an der neuen U-21-Liga soll dem vorgelegten Entwurf zufolge freiwillig sein und ein Zusatz-Angebot für die Klubs darstellen, um die Talente besser aus der Jugend an den Profi-Bereich heranzuführen. Gerade die Freiwilligkeit dürfte dem Vorschlag gute Chancen verschaffen, bei den DFL-Vereinen eine Mehrheit zu erhalten.
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Für den 1. FC Köln stehe neben der Entwicklung eigener Talente insbesondere die Durchlässigkeit zum Profi-Bereich schon seit einiger Zeit im Mittelpunkt der Nachwuchsarbeit, betonte Lukas Berg: „Wir haben etwa vor knapp drei Jahren das Konzept der U21 komplett verändert. Wir haben uns damals Gedanken gemacht, wie wir den Übergang aus dem Nachwuchsbereich zu unseren Profis durchlässiger gestalten können. Wir sind, anders als andere Vereine, wirklich darauf angewiesen, dass wir hervorragende Jugendarbeit machen und diese auch Früchte trägt. Titel im NLZ-Bereich sind relativ wenig wert, wenn wir keinen der Jungs in der Profimannschaft sehen. Wir müssen beim FC unsere Eigengewächse in den Profifußball bringen, weil wir uns nicht so auf dem Transfermarkt bewegen können wie andere Klubs, die für hohe Geldsummen am Ende der Ausbildungszeit junge Spieler aus dem Ausland transferieren. Das ist nicht unser Ansatz."
FC ist aktuell mit der Regionalliga West zufrieden
Dementsprechend habe man auch die Personal-Auswahl für die U21 anders gestaltet: „Früher hatten wir eine U-23-Mannschaft. Das war eine Art Klub im Klub, wo es eher darum ging, die Klasse zu halten. Dementsprechend wurden auch viele Spieler von außen dazugeholt, die bereits Seniorenerfahrung hatten. Heute haben wir auf eine U21 umgestellt – also quasi unsere letzte Juniorenmannschaft, die aber unter Vollprofibedingungen arbeitet. Die Mannschaft ist so zusammengestellt, dass die Spieler, die für diese Mannschaft spielen, anschließend eine Profi-Perspektive besitzen." So werde in der Regel kein Spieler mehr verpflichtet, „bei denen wir annehmen, dass die Regionalliga schon das höchste der Gefühle ist". Ausnahmen seien die Ü-23-Spieler, die eigens als Routiniers im Team verpflichtet werden.
Berg zufolge sei „unsere Struktur im Übergangsbereich seit drei Jahren schon darauf ausgelegt, die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass möglichst viele selbst ausgebildete Nachwuchsspieler durchkommen". Der Erfolg ist bereits sichtbar: Akademiespieler wie Damion Downs, Max Finkgräfe, Fynn Schenten und Youssoupha Niang schafften den Sprung in den Profi-Bereich.
Laut Berg ist noch nicht entschieden, ob der FC an der neuen U-21-Liga teilnehmen werde: „Aktuell sind in der Regionalliga West sieben Zweitvertretungen vertreten. Damit haben wir schon einmal zwölf Spiele nur unter U-Mannschaften über die gesamte Saison auf sehr hohem Niveau. Dazu kommen die Spiele gegen gestandene Seniorenteams. Die Regionalliga West bietet für uns aktuell in dieser Konstellation sehr gute Voraussetzungen, um unsere jungen Spieler frühzeitig an den Seniorenbereich heranzuführen."
Teilnahme an U-21-Liga mit mehr Aufwand verbunden
Käme die U-21-Liga hinzu, bedeute das weitere Spiele: „Das führt zu einer deutlich höheren Belastung und dazu, dass man die Kader vielleicht noch einmal anders aufstellen muss." Die neue Liga sei vor allem für jene Vereine interessant, die derzeit über keine eigene U21 verfügen. Grundsätzlich sei beim FC noch keine Entscheidung über eine Teilnahme gefallen: „Wir sind dabei, eine interne Haltung zu entwickeln. Wir schließen noch gar nichts aus oder ein, weil wir es aus verschiedenen Perspektiven betrachten müssen. Wir begrüßen es, dass man sich im gesamten Land Gedanken darüber macht, wie wir den Übergang von Spielern aus dem Nachwuchs- in den Profifußball meistern."

Lukas Berg, Technischer Direktor des 1. FC Köln
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Neben diesen Aspekten gab Berg auch die infrastrukturellen und organisatorischen Bedingungen zu bedenken: „Wie kriegen wir das überhaupt mit unseren Platzkapazitäten am Geißbockheim hin? Da kommt wieder die altbekannte Problematik ins Spiel. Wenn man an der neuen Liga teilnimmt, verpflichtet man sich eben auch dazu, seine Plätze zur Verfügung zu stellen, sodass beispielsweise ein Spiel zwischen Hamburg und Mainz in der Mitte ausgetragen werden kann. Das ist für uns faktisch nicht möglich, weil wir bei den Platzkapazitäten jetzt schon an unsere Grenzen stoßen."
Scharfe Kritik an Parallel-Ansetzungen
Dem Technischen Direktor des FC lag jenseits einer möglichen U-21-Liga ein anderes Thema am Herzen, das die Talentförderung in seinen Augen wesentlich kurzfristiger verbessern könnte: Die fast durchgängigen Parallelansetzungen von Profi- und U-21-Spielen, zumeist auf Anordnung der Polizei wegen geltend gemachter Sicherheitsbedenken. „Das ist ein Thema, bei dem unsere Ausbildung ad absurdum geführt wird", klagte Berg und erklärte: „Was passiert denn mit den Spielern im Übergangsbereich, die vielleicht fünf, sechs Wochen am Stück im Kader der Profis sind, weil sie gut trainieren, dadurch eine Kaderoption sind, aber dann in der Bundesliga kaum Einsatzzeiten bekommen? Es wäre perfekt, wenn die Jungs einen Tag danach 90 Minuten in der Regionalliga spielen könnten. Das lassen die parallelen Ansetzungen der Spiele aber nicht zu und behindern dadurch die Entwicklung der Spieler im Übergangsbereich massiv."
Berg ging weiter: „Das Spiel muss sicher ablaufen können. Aber eine pauschale Parallelansetzung, um allen organisatorischen Herausforderungen aus dem Weg zu gehen, kann und darf nicht die Lösung sein. Hierdurch greift eine Drittpartei natürlich massiv in den Wettbewerb und in unsere tägliche Arbeit ein. Hier macht man sich das Leben durchaus einfach und uns ungleich schwerer." Letztlich müsse man bei manchen Talenten mit Leihen arbeiten, um ihnen die notwendige Spielpraxis zu ermöglichen.


