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Kaderplanung und TrainerfrageNach der Rettung ist beim 1. FC Köln vieles noch im Vagen

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04.05.2024, Fussball, Bundesliga, 32. Spieltag Saison 2023/2024, 1. FC Köln - SC Freiburg, Thomas Kessler Leiter der Lizenzspieler-Abteilung 1. FC Köln, Eric Martel 1. FC Köln xRHR-FOTO/TKx *** 04 05 2024, Football, Bundesliga, 32 Matchday Season 2023 2024, 1 FC Köln SC Freiburg, Thomas Kessler Head of the Licensed Players Department 1 FC Köln , Eric Martel 1 FC Köln xRHR PHOTO TKx Copyright: RHR-FOTOx RHR-FOTO/TK

Kölns Sport-Geschäftsführer Thomas Kessler (l.), FC-Profi Eric Martel. Die Zukunft des 24-jährigen Mittelfeldspielers soll sich innerhalb der nächsten zwei Wochen klären.

Nach dem Klassenerhalt des 1. FC Köln gilt es etliche Personalien zu klären – vorrangig die des Trainers. Fragen und Antworten zum Stand der Dinge.

Der praktisch gesicherte Klassenerhalt des 1. FC Köln hat den Vorteil, dass der Traditionsklub die Planungen für die Bundesliga-Spielzeit 2026/27 zwei Spieltage vor Saisonende bereits gezielt angehen kann. Diese Sicherheit sowie die gestärkte Verhandlungsposition erleichtern die Weiterführung des Umbruchs, der bereits zur vergangenen Saison mit Investitionen von mehr als 20 Millionen Euro eingeleitet worden war.

Es waren dringend benötigte Investitionen nach der Rückkehr ins Oberhaus und zu großer Passivität auf dem Transfermarkt zuvor. Vieles ist beim FC aber noch im Unklaren. Klar ist nur: Es gibt für Sport-Geschäftsführer Thomas Kessler und den neuen Kaderplaner Tim Steidten viel zu tun. Fragen und Antworten im Hinblick auf die kommende Saison.

Was hat Priorität?

Das ist klar zu beantworten: die Trainerfrage. Kessler und die Vereinsführung müssen entscheiden, ob sie mit René Wagner, dem Nachfolger des freigestellten Lukas Kwasniok, in die neue Saison gehen wollen. Die Entscheidung ist nach Informationen dieser Zeitung noch nicht gefallen, muss aber möglichst schnell getroffen werden. Denn aktuelle wie zukünftige FC-Profis wollen wissen, wer auf der Trainerbank das Sagen hat.

In fünf Spielen erspielte Köln unter Wagner einen Sieg, drei Remis und eine Niederlage. Der 37-Jährige hat die Mannschaft stabilisiert und offenbar einen guten Zugang zu den Spielern. Kessler soll hinter dem langjährigen Baumgart-Assistenten stehen und ihm die Bundesliga zutrauen, doch die Auftritte bei St. Pauli (1:1) und Union (2:2 nach 2:0-Führung) inklusive nach hinten losgegangener Wechsel dürften ihm nicht gefallen haben.

Im Umfeld des Klubs und in den Gremien gibt es auch Stimmen, die andere Namen diskutieren – etwa den von Ex-FC-Profi Christian Eichner (43), der nach sechs Jahren beim Karlsruher SC eine neue Herausforderung sucht. Eichner würde der FC gewiss reizen, aber auch ihm fehlt Erstliga-Erfahrung. Chancen sollen zudem Thomas Letsch (57, zuletzt Salzburg, Bochum, Arnheim) und laut „Bild“ Horst Steffen (57, zuletzt Bremen, Elversberg) haben – zwei erfahrene Trainer.

Wie viel Geld kann der FC in den Kader investieren?

Vieles hängt davon ab, ob der FC den größten Transfer seiner Geschichte realisieren kann. Ein Wechsel von Said El Mala (19) wäre für den Klub eine völlig neue finanzielle Dimension. Aber so kann der FC nicht planen: Englische Klubs, die bereits ihr Interesse am Jungstar bekundet haben, machen auf dem Transfermarkt traditionell erst spät Ernst, oft erst Ende August. Andererseits: Der Spieler ist nun schon länger auf dem Markt, es könnte auch schneller gehen. Bei einer Ablöse von rund 50 Millionen Euro würde der FC den Jungstar ziehen lassen – muss er aber nicht. El Mala steht bis 2030 unter Vertrag, ohne Ausstiegsklausel.

Zudem hat sich der Verein eine solide finanzielle Basis erarbeitet. Philipp Türoff, Sprecher der Geschäftsführung, macht gegenüber dieser Zeitung unmissverständlich klar: „Wir haben uns eine wirtschaftliche Stabilität erarbeitet, die uns am Verhandlungstisch unabhängig macht. Wir verspüren keinerlei finanziellen Druck, Spieler veräußern zu müssen.“ Was den Kader angeht, kann und muss der FC bereits jetzt agieren.

Wer wird am Sonntag vor dem letzten Heimspiel gegen Heidenheim offiziell verabschiedet?

Vorerst nur drei Spieler: Ex-Kapitän Florian Kainz, Dominique Heintz und Luca Kilian. Am 18. Mai findet die Saisonabschlussfeier diesmal in größerem Rahmen in der Flora statt. Möglicherweise hat sich bis dahin noch die eine oder andere Personalie geklärt.

Welche Personalien sind zudem noch offen?

So einige. In der Innenverteidigung hat Timo Hübers, dessen Vertrag ausläuft, ein neues FC-Angebot vorliegen. Zudem gibt es mehrere ausgeliehene Spieler. Bei Jahmai Simpson-Pusey hat der FC eine Kaufoption über rund 7,5 Millionen Euro – allerdings besitzt Leihklub Manchester City eine Rückkaufklausel. Auf der Außenbahn ist die Zukunft von Kristoffer Lund (Leihe, Palermo) noch nicht entschieden.

Im Mittelfeld läuft der Vertrag von Eric Martel aus, ein Wechsel ist möglich, allerdings noch keine beschlossene Sache. Die Personalie soll sich in den nächsten zwei Wochen klären. Tendenz: Der 24-jährige Abräumer bleibt in der Bundesliga. Denis Huseinbasic hat zwar einen Vertrag bis 2027, ein Abgang gilt dennoch ebenfalls als wahrscheinlich. In der Offensive ist offen, ob die Kaufoption bei Felipe Chávez gezogen wird – der FC Bayern hat zudem eine Rückkaufoption. Luca Waldschmidts Zukunft ist trotz Vertrags bis 2027 offen. Ebenfalls im Sturm könnten die Talente Youssoupha Niang und Fynn Schenten in der kommenden Saison verliehen werden.

Auf welchen Positionen will sich der FC noch konkret verstärken?

Auf mindestens fünf. In der Innenverteidigung wird ein erfahrener Spieler gesucht. Ein Thema ist dabei weiter die Rückkehr von Sebastiaan Bornauw (27, Leeds). Zudem hat der Klub auf beiden Außenbahnen Handlungsbedarf. Vor allem im Fall des Martel-Abgangs soll ein defensiver Mittelfeldspieler kommen. Und im Angriff ist die Verpflichtung eines Zielstürmer als Ergänzung zu Ragnar Ache geplant.