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FC unter René WagnerDas Vertrauen ist zurück

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René Wagner reckt die Fäuste in die Höhe, Said El Mala rennt auf seinen Trainer zu: Der 1. FC Köln wirkt nach dem Sieg über Werder Bremen wieder geschlossener.

René Wagner reckt die Fäuste in die Höhe, Said El Mala rennt auf seinen Trainer zu: Der 1. FC Köln wirkt nach dem Sieg über Werder Bremen wieder geschlossener. 

René Wagner hat in den ersten Wochen als Kölner Cheftrainer viele Gespräche geführt – und die Lage in der Mannschaft beruhigt

Die Schrecken des Winters scheinen in diesen Tagen überstanden. Der Grüngürtel mit dem Geißbockheim darin steht in voller Blüte, und auch in der Zentrale des 1. FC Köln herrscht Erleichterung. Nach vier Punkten aus den beiden Partien unter René Wagner ist die schlimmste Abstiegsangst gebannt, wenngleich der neue Trainer mahnt, die Spannung nicht zu verlieren. Dabei sind die Aussichten gut: Im Falle eines Sieges am Freitagabend im Duell mit dem direkten Konkurrenten FC St. Pauli (20.30 Uhr, Sky) wären die Kölner der Rettung nahe. „Ich glaube, ich hätte meinen Job verfehlt, wenn man nach einem Sieg – auch wenn der vielleicht zur theoretischen Rettung reichen würde – entspannt würde“, sagte er vor dem Spiel am Millerntor.

Ergebnisse kümmern ihn nur am Rande, für seine tägliche Arbeit bedeute es keinen Unterschied, ob „wir jetzt gewinnen, unentschieden spielen oder verlieren. Wir müssen genauso weiterarbeiten, wie wir es vorher getan haben. Mir ist besonders wichtig, dass wir als Trainerteam berechenbar sind. Entspannen kann ich auf der Couch – aber die Jungs müssen das nicht sehen.“ Zuverlässigkeit, Berechenbarkeit – offenbar sind das Signale, die Wagner bewusst an seine Spieler sendet, nachdem unter Lukas Kwasniok gerade in der Endphase mancher Spieler am Abend nicht wusste, welche Version des Trainers am nächsten Morgen vor ihm stehen würde. Zu unstet, zu wenig berechenbar war Kwasniok. René Wagner will sich seinen Leuten als Gegenentwurf zeigen.

Dem neuen Trainer war es wichtig, mit den Spielern ins Gespräch zu kommen – eine Aufgabe, die als Assistenztrainer nicht in sein Ressort gefallen war. „Von Tag eins an, mit jedem Einzelnen“ habe er geredet, berichtet der 37-Jährige: „Ich glaube, es ist wichtig, dass die Jungs wissen, woran sie sind“, ergänzt er. Selbstverständlichkeiten, möchte man meinen. Doch beim 1. FC Köln war ein verlässlicher Austausch zuletzt nicht mehr üblich. Wie tief der Riss zwischen Mannschaft und Kwasniok war, lässt sich daran ablesen, wie groß die Erleichterung nun wirkt.

Es gehe ihm um Klarheit für jeden Spieler im Kader, Wagner formulierte es am Mittwoch so: „Wir haben Rollen verteilt, die eingehalten werden müssen – und dann müssen alle ihren Beitrag leisten“, sagte er und nannte Luca Waldschmidt als Beispiel: Der fußballerisch überragende Ex-Nationalspieler fremdelte in den vergangenen Monaten mit seinem Reservistendasein, doch seitdem der neue Trainer das Sagen hat, kommt er jeweils stark von der Bank. Wagner ist begeistert vom Angreifer, der gegen Bremen erst die Latte traf und dann das 3:1 einleitete. Waldschmidt liefere im Training „immer positive Energie. Und das ist, was ich von den Jungs erwarte. Ohne jetzt Luca da als einzigen herauszunehmen: Das machen alle Jungs, die aktuell nicht vom Start weg spielen. Und mir ist es wichtig, dass alle mitziehen“, sagt Wagner. Er habe am Mittwoch das Gespräch mit Waldschmidt gesucht und ihm eine klare Rückmeldung gegeben: Die Rolle sei angenommen. „Ich finde, dass jeder Spieler versuchen muss, in seiner Rolle aktuell sein Bestes zu geben.“

Die Unterstützung des Trainers macht es einfach leichter
Stürmer Said El Mala über René Wagner

Auch Said El Mala spürt das Vertrauen – und Wagner spürt, dass El Mala es spürt. „Ich habe einen offenen Austausch mit René. Wir quatschen, wenn uns was nicht passt oder wenn uns etwas wichtig ist“, sagte der Kölner Nachwuchsstar nach dem Sieg über Bremen, und weiter: „Die Unterstützung des Trainers macht es einfach leichter.“ Offene Worte, die mehr verraten, als El Mala vielleicht beabsichtigte. René Wagner gab das Lob gern zurück. „Said erfüllt seine Aufgabe und versucht in jeder Phase des Spiels, die Sachen umzusetzen, die wir ihm mitgeben“, sagt der neue Chef. Auch das klingt nach wenig. In einem Umfeld, das monatelang von Unsicherheit, Frust und enttäuschten Hoffnungen geprägt war, ist es jedoch viel.

Auch das Spiel selbst hat sich verändert. Unter Kwasniok lebte Kölns Fußball von Intensität und Laufbereitschaft – hoher Energieeinsatz, permanenter Druck. Dem Publikum gefiel das, solange es funktionierte. Unter Wagner spielt der FC kontrollierter, bisweilen auch langweiliger. Gegen Werder Bremen murrte das Stadion, deutlich hörbar. Immerhin bekamen sie einen Sieg – besser lässt sich im Fußball kein Vertrauen aufbauen. Dass Wagner das anders sehen würde, für ihn sind Ergebnisse Folge, nicht Ziel der Arbeit, ist womöglich das Überzeugendste an ihm.

René Wagner, hier mit Sebastian Sebulonsen, führte zuletzt viele Einzelgespräche mit seinen

René Wagner, hier mit Sebastian Sebulonsen, führte zuletzt viele Einzelgespräche mit seinen

Die Laufleistungen belegen den Stilwechsel. In der Hinrunde unter Lukas Kwasniok, als Köln gegen Frankfurt spielte, lief die Mannschaft 131 Kilometer – der höchste Wert aller Bundesligisten an diesem Spieltag. Im Rückspiel unter Wagner legte der FC am Ostersonntag nur 117 Kilometer zurück. In der Hinrunde lief Köln gegen Bremen 123 Kilometer weit, unter Wagner nun 115 Kilometer. Köln hetzt sich weniger, wirkt dadurch weniger fehleranfällig, stabiler. Der dunkle Winter könnte tatsächlich vorüber sein.