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Nach Wut über den VARFC-Stadionsprecher entschuldigt sich: „Tut mir leid!“ – Montag Rapport

4 min
29.10.25, Männer, Fussball, DFB Pokal, 2025/2026, 1.FC Köln - FC Bayern München, 2. Runde Stadionsprecher Michael Trippel bei der Moderation vor dem Spiel Köln RheinEnergie Stadion NRW Deutschland *** 29 10 25, Men, Football, DFB Cup, 2025 2026, 1 FC Köln FC Bayern München, 2nd round stadium announcer Michael Trippel moderating before the match Cologne RheinEnergie Stadion NRW Germany

Immer mit viel Emotionen bei der Sache: der langjährige Kölner Stadionsprecher Michael Trippel

Michael Trippel will sich in Zukunft mehr zurücknehmen. Die FC-Bosse erwarten auch, dass beim langjährigen Stadionsprecher ernsthafte Einsicht da ist.

Nach seinen scharfen Kommentaren während der Bundesligapartie des 1. FC Köln gegen Borussia Dortmund (1:2) hat sich Stadionsprecher Michael Trippel am Sonntag entschuldigt. „Ich entschuldige mich bei denjenigen, die sich auf dem Schlips getreten gefühlt haben. Die Aussagen tun mir leid“, erklärte der langjährige Stadionmoderator gegenüber dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Seine Worte seien aus der Emotion heraus gefallen, sagte er weiter: „Meine Sätze kamen aus der Emotion heraus und über den Frust über den VAR, der uns in dieser Saison wiederholt benachteiligt hat.“

Trippel verwies zugleich auf seine jahrzehntelange Verbindung zum Klub. „Ich bin 42 Jahre lang für den FC tätig, 27 Jahre Stadionsprecher: Da macht man sich Sorgen um den FC“, sagte er. „Mich regt es einfach auf, wenn beim Videoschiedsrichter mit unterschiedlichem Maß gemessen wird. Das wird dann einfach immer so hingenommen, ich kann das aber nicht einfach so hinnehmen.“

Mich regt es einfach auf, wenn beim Videoschiedsrichter mit unterschiedlichem Maß gemessen wird. Das wird dann einfach immer so hingenommen, ich kann das aber nicht einfach so hinnehmen.“
FC-Stadionsprecher Michael Trippel

Der 71-Jährige kündigte dennoch an, künftig vorsichtiger zu sein. „Dennoch: Ich werde zwar meine Emotionalität immer behalten, aber ich werde mich in Zukunft am Mikro zurücknehmen.“ Ob ihm vom Deutschen Fußball-Bund Konsequenzen drohen, wisse er nicht. „Ich weiß nicht, ob ich noch etwas vom DFB zu befürchten habe. Mit den Verantwortlichen des FC ist meines Erachtens alles geklärt, noch nach dem Spiel haben Vorstand und Geschäftsführung mit mir gesprochen.“

Wir werden am Montag noch einmal intern über den Vorfall sprechen. Es muss und wird die Einsicht da sein, dass das so nicht wieder vorkommt
FC-Geschäftsführer Philipp Türoff über ein anberaumtes Gespräch mit Michael Trippel

Der 1. FC Köln kündigte gegenüber dieser Zeitung an, mit Trippel noch einmal bereits am Montag in aller Deutlichkeit über den Vorfall zu sprechen. Die Verantwortlichen erwarten, dass der langjährige Stadionsprecher  glaubhaft darlegt, dass sich ein derartiger Vorfall nicht mehr wiederholt und ernsthafte Einsicht da ist. „Wir sind uns einig, dass solche öffentlichen Aussagen, solche Ausbrüche am Stadionmikrofon nicht in Ordnung sind. Es gibt ein Regelwerk des DFB für Stadionsprecher – und diese Regeln wurden in dem Fall missachtet. Wir allen wissen natürlich auch um die großen Verdienste von Michael um den FC und was der Klub ihm bedeutet. Doch bei aller Emotionalität und dem Gefühl der Benachteiligung in der Nachspielzeit: Wir sind hier in öffentlicher Funktion unterwegs und müssen uns auch dementsprechend verhalten. Wir werden am Montag noch einmal intern über den Vorfall sprechen. Es muss und wird die Einsicht da sein, dass das so nicht wieder vorkommt“, sagte FC-Geschäftsführer Philipp Türoff.

Zuvor hatte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) mit deutlicher Kritik auf Trippels Aussagen reagiert. „Wir missbilligen die Äußerungen entschieden und halten sie für inakzeptabel“, teilte die Sportliche Leitung der DFB Schiri GmbH am Sonntag mit. „Unabhängig davon, ob eine Entscheidung des Schiedsrichters richtig, strittig oder falsch ist, kann und darf es nicht sein, dass ein Stadionsprecher sie negativ kommentiert und das Publikum so gegen den Unparteiischen aufbringt. Bei allem Verständnis für Emotionalität wurde hier eindeutig eine Grenze überschritten.“

Trippel hatte während der Partie zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Dortmund mehrere Entscheidungen von Schiedsrichter Daniel Siebert über die Stadionlautsprecher kommentiert. Als der Referee nach VAR-Intervention die Rote Karte für FC-Verteidiger Jahmai Simpson-Pusey zeigte, sagte der Stadionsprecher deutlich hörbar: „Pfui, widerlich.“

Auch nach dem Schlusspfiff kritisierte er eine Szene in der Nachspielzeit. „Ich werde Ärger kriegen, aber ich sage es: In der Nachspielzeit gab es ein klares Handspiel eines Dortmunders, und das guckt sich noch nicht mal einer an“, sagte der 71-Jährige. In der hektischen Schlussphase hatte BVB-Verteidiger Yan Couto in der Nachspielzeit einen Ball mit dem Arm berührt – ein Eingreifen des Videoschiedsrichters blieb trotz heftiger Kölner Proteste aus.

Die Worte des Stadionsprechers sorgten auch innerhalb des Vereins für Unmut. „Das gefällt mir nicht“, sagte Sport-Geschäftsführer Thomas Kessler und kündigte ein klärendes Gespräch an. Diese Haltung wurde von der Schiri GmbH ausdrücklich begrüßt.

1. FC Köln: DFB räumt Fehler ein

Gleichzeitig nahm der DFB auch zu den strittigen Szenen Stellung. Zum möglichen Handspiel von Yan Couto erklärte die Schiri GmbH: „Zwar war Yan Coutos Orientierung zum Ball dadurch eingeschränkt, dass der unmittelbar vor ihm postierte Kölner Bülter hochsprang und den Ball knapp verpasste. Dennoch war der Ball für den Dortmunder aufgrund der großen Distanz erwartbar, zumal er seine Richtung nicht änderte. Zudem war Yan Coutos Arm vom Körper abgespreizt. Deshalb spricht aus unserer Sicht so deutlich mehr für eine Bewertung des Handspiels als strafbar, dass eine Intervention des VAR angebracht gewesen wäre.“

Beim Platzverweis gegen Simpson-Pusey habe der VAR dagegen „zu Recht“ eingegriffen. „Erneut korrekt“ sei zudem die Intervention in der 66. Minute gewesen, nachdem Siebert zunächst auf Foulelfmeter entschieden hatte: Cenk Özkacar hatte den eingewechselten BVB-Stürmer Silva am Fuß getroffen, zuvor aber auch den Ball gespielt.