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Interview

„Kein Grund zur Panik“
Nathan Tella über Verletzungen, Leverkusens Ziele und seinen neuen Vertrag

4 min
Foto: Frederic Scheidemann / Bayer 04 Leverkusen

Nathan Tella von Bayer 04 Leverkusen am Ball im Training am Dienstag. Links: Ferdinand Pohl

Nathan Tella hat seinen Vertrag bei Bayer 04 bis 2031 verlängert. Im exklusiven Interview spricht der 26-Jährige über eine Saison voller Rückschläge.

Herr Tella, Sie haben Ihren Vertrag vorzeitig um drei Jahre bis 2031 verlängert. Wie war der Austausch mit dem Klub?

Die Gespräche waren unkompliziert. Ich bin hier von Anfang an glücklich gewesen, auch wenn es schwierige Momente gab – vor allem in dieser Saison mit den Verletzungen. Aber der Klub hat mir immer großes Vertrauen entgegengebracht. Ich spiele sehr gerne hier. Jetzt habe ich noch ein paar Jahre mehr – und die will ich so gut wie möglich nutzen.

War es Ihnen wichtig, dass es kein kurzer Vertrag wird, sondern ein langfristiges Bekenntnis?

Auf jeden Fall. Je länger der Vertrag, desto mehr Vertrauen bringt dir der Klub entgegen. Als Fußballer willst du genau das – die Rückendeckung vom Verein, vom Trainer, von allen, die Entscheidungen treffen. Dass ich diesen langfristigen Vertrag bekommen habe, macht mich wirklich froh und dankbar. Jetzt muss ich es auf dem Platz zeigen. Es ist natürlich ein bisschen frustrierend – weil ich in dieser Saison noch nicht so viel zeigen konnte, wie ich gern wollte.

Sie haben drei Spiele zu Saisonbeginn gespielt, waren gut drin. Dann begann die Leidenszeit mit zwei Verletzungen. Wie blicken Sie darauf zurück?

Natürlich ist das frustrierend, aber für mich ist es wichtig, positiv zu bleiben. So bin ich sowieso vom Typ her. Trotzdem: Von einem Hoch nach einem guten Spiel direkt in eine lange, komplizierte Verletzung zu fallen – das ist ein harter Test. Da braucht man Selbstvertrauen und das Vertrauen des Teams, dass man zurückkommen und liefern kann. Und das des Trainers, der weiß, dass er auf dich zählen kann. Dass es dann noch eine weitere Verletzung gab – das ist natürlich nicht schön. Aber der Klub? Der hat sich mir gegenüber kein bisschen verändert.

Ihre erste Verletzung am Knie war offenbar etwas rätselhaft. Was war das genau?

Ehrlich gesagt verwirrt mich das selbst noch immer. Mit dem Fuß im Januar war es relativ eindeutig. Aber beim Knie im September: Der Schmerz wollte einfach nicht verschwinden. Es wurde besser, kam zurück, wurde besser, kam zurück. Das Frustrierende daran war: Ich wollte nicht zurückkommen und dann nur halb fit sein. Ich wollte zu 100 Prozent fit sein bei meiner Rückkehr. Aber es hat viel länger gedauert, als ich gedacht hätte. Das gehört wohl zum Fußball – manchmal passieren Dinge, die man nicht erklären kann. Das Wichtigste ist jetzt: Ich fühle mich wieder richtig gut.

Leverkusen, Germany. 18th Mai 2024. Granit Xhaka Leverkusen mit Meisterschale,Jeremie Frimpong Leverkusen Amine Adli Leverkusen Florian Wirtz Leverkusen Nathan Tella Leverkusen Patrik Schick Leverkusen Victor Boniface Leverkusen Alejandro Grimaldo Leverkusen Bayer Leverkusen - FC Augsburg 18.05.2024 *** Leverkusen, Germany 18th May 2024 Granit Xhaka Leverkusen with championship trophy,Jeremie Frimpong Leverkusen Amine Adli Leverkusen Florian Wirtz Leverkusen Nathan Tella Leverkusen Patrik Schick Leverkusen Victor Boniface Leverkusen Alejandro Grimaldo Leverkusen Bayer Leverkusen FC Augsburg 18 05 2024

Nathan Tella am 18. Mai 2024 links neben Granit Xhaka, der die Meisterschale in die Luft reckt.

Wie steht es um Ihr Körpergefühl – wie viel Prozent Vertrauen haben Sie in Ihren Körper?

Ich war immer selbstbewusst, was meinen Körper betrifft – manchmal vielleicht sogar zu selbstbewusst. Die Arbeit mit dem medizinischen Team hier war fantastisch. Die Kommunikation war klar, das Verständnis für das, was ich brauche und was sie von mir brauchen, hat gestimmt. Ich vertraue meinem Körper nach wie vor vollständig – und ich werde ihn genauso fordern wie vor den Verletzungen.

<i>Die Tiefe und der Speed, den er auf dem Platz mitbringt, sind total wichtig. Und auch in der Kabine hat er großen Einfluss – weil er ein Typ ist, der unterschiedliche Gruppen verbindet. Er hat einen guten Draht zu ganz vielen Spielern. Deshalb hat uns Nathan, wenn er gefehlt hat, nicht nur auf dem Rasen gefehlt, sondern auch in der Kabine. Weil er ein Vorbild ist und einer, der mit allen gut kann und alle mitnimmt</i>
Bayers Sportgeschäftsführer Simon Rolfes zur Vertragsverlängerung mit Nathan Tella

Die Saison war mit Höhen und Tiefen verbunden. Wie zuversichtlich sind Sie, die Champions League zu erreichen?

Nach jedem Umbruch geht es darum, die richtige Balance zu finden. Natürlich gibt es Glanzmomente – aber auch schwierige Phasen. Trotzdem: Wir haben ein sehr talentiertes Team. Wir haben das Achtelfinale der Champions League erreicht – im härtesten Klubwettbewerb der Welt. Und die Spiele gegen Arsenal haben gezeigt, wozu wir fähig sind. Unser Ziel ist klar: Champions-League-Platz sichern, im Pokal ins Endspiel kommen. Gegen den Halbfinal-Gegner (Bayern München, Anm. d. Red.) haben wir schon gewonnen – das gibt Vertrauen. Wer keine Ziele hat, braucht auch kein Selbstvertrauen. Wir haben beides.

Sie gaben am Samstag eine 2:0-Führung beim Letzten in Heidenheim aus der Hand. Was ist da passiert?

Das war als Mannschaft sehr frustrierend. Zwei Tore vorne zu liegen und am Ende 3:3 zu spielen – das müssen wir uns selbst ankreiden. Aber wir können trotzdem Positives mitnehmen. Ich weiß, es sieht schlecht aus, wenn man gegen einen Abstiegskandidaten Punkte liegen lässt. Aber wir sind grundsätzlich noch im Aufbau in dieser Saison: Haben viele neue Spieler, einige altbekannte, dazu auch Verletzte. Das ist ein Mix, der Zeit braucht. Ich glaube, dass sich hier etwas Gutes entwickelt. Kein Grund zur Panik.

Was sind Ihre Ziele mit Bayer 04 und mit der nigerianischen Nationalmannschaft in den kommenden Jahren?

Mein erstes Ziel ist, die Saison verletzungsfrei zu beenden – fit und stark. Danach will ich meine Entwicklung vorantreiben. Ich habe hier erlebt, wie es sich anfühlt, Deutscher Meister zu werden, in einem Europapokal-Finale zu stehen und den DFB-Pokal zu gewinnen. Das will ich nicht nur einmal erlebt haben. Und mit Nigeria: Dass Nigeria die WM-Qualifikation verpasst hat, ist enttäuschend – aber wir haben eine talentierte Truppe und einen guten Trainer. Aktuell konzentriere ich mich aber erstmal auf den Saisonendspurt im Klub.

Was muss passieren, damit dieses Bayer-04-Team mit vielen Talenten Titel gewinnt?

Jeder in dieser Mannschaft weiß, wie gut er ist. Es geht darum, das gemeinsam abzurufen – als Einheit. Angreifen als Team, das machen wir schon gut. Verteidigen als Team – da können wir noch ein bisschen besser werden. Aber das Potenzial ist da, das Talent ist da. Es gibt keinen Grund, warum wir nicht weiter Spiele gewinnen und Tore schießen sollten. Wir sind auf dem richtigen Weg hier. Das Gespräch führte Patrick Scherer