Zwei Tore Führung, Überzahl, Tabellenletzer – am Ende nur ein 3:3. Bayer 04 liefert in Heidenheim erneut nicht ab. Coach Hjulmand steht unter Druck.
Bayer 04 patzt beim TabellenletztenZweifel an Trainer Hjulmand wachsen

Leverkusens Trainer Kasper Hjulmand auf der Pressekonferenz nach dem Spiel in Heidenheim.
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Es läuft die 35. Minute in Heidenheim. Bayer 04 hat soeben das 2:0 erzielt und scheinbar alles im Griff. Kasper Hjulmand will mehr. Der Trainer jubelt nicht, ruft stattdessen auf Englisch zu Führungsspieler García: „Aleix, weiter Druck machen. Auf geht's“ – und deutet mit dem rechten Arm in Richtung Heidenheimer Tor. Doch die Worte verpuffen, haben keinen Einfluss auf das Geschehen auf dem Platz. Am Ende steht ein auf allen Ebenen enttäuschendes 3:3 (2:0) beim Tabellenletzten – Zweifel schürt es gleich doppelt: am Erreichen der Champions League und am dänischen Trainer.
„Wir werden die vier Punkte Rückstand jagen, wir sind bereit für diese Situation. Wir haben erstmals seit sehr langer Zeit normale Wochen. Da müssen wir jagen“, sagte der Trainer – was nach Durchhalteparole klang. Nur sieben Siege holte Bayer 04 aus 19 Partien im Jahr 2026. Noch bitterer: Aus den vergangenen neun Spielen resultierte nur ein Sieg. Zahlen, die nicht für eine Aufholjagd sprechen.
Dabei war Leverkusen so stark in die Partie beim designierten Absteiger gestartet. Zweimal hatten spanische Flankengeber ein Tor vorbereitet. Zunächst flankte García von der rechten Seite auf den zweiten Pfosten, wo Malik Tillman per Volley alleingelassen zur Führung vollstreckte. Dann war es Garcías Landsmann Alejandro Grimaldo, der ebenso perfekt von der linken Seite flankte – auf den Kopf von Torjäger Patrik Schick, der sich von den Innenverteidigern gelöst hatte und zum 2:0 vollendete. Auf diesen Moment folgte Hjulmands Appell an García. Doch statt – wie gefordert – auf das dritte Tor zu drängen, nahmen die Leverkusener den Fuß vom Gas, Heidenheim kam noch vor der Pause zu ersten Chancen.
Bayer 04 hilft Heidenheim
Gravierend wurde es erst nach dem Seitenwechsel. Von Minute zu Minute ließ der Favorit den Außenseiter stärker werden – und das Publikum lauter. Eine Flanke von der Außenlinie wurde nicht verteidigt, segelte durch den Strafraum und wurde von Hennes Behrens ins lange Eck abgefälscht. Spätestens jetzt glaubten die Hausherren wieder daran, gegen das verunsicherte Leverkusen noch zurückzukommen.
Bayer 04 half weiter kräftig mit. Kapitän Robert Andrich verschätzte sich bei einem langen Ball, lief Marvin Pieringer bis in den Strafraum hinterher und foulte ihn so tollpatschig, dass Schiedsrichter Robin Braun auf den Punkt zeigen musste – Pieringer übernahm: 2:2. „Das sind natürlich sehr einprägsame Situationen, die spielentscheidend sind. Die dürfen mir so nicht passieren“, sagte Andrich, der auch beim 1:1 gegen den FC Bayern in der Vorwoche bereits schwer gepatzt hatte. „Grundsätzlich würde ich schon von mir behaupten, dass ich es hinbekomme, wenig bis gar keine spielentscheidenden Fehler zu machen. Aber wenn man es jetzt stumpf so betrachtet, kann man von einer unglücklichen Woche sprechen – natürlich.“
Dass Bayer 04 die anschließende 3:2-Führung – Schicks zweiter Kopfballtreffer nach Grimaldos zweitem Assist per Ecke – nicht eine Viertelstunde über die Zeit brachte, passte ins Bild einer verunsicherten Werkself. „Das ist einfach nur peinlich. Wenn man auswärts drei Tore schießt, sollte es eigentlich reichen, um zu gewinnen“, sagte Tillman. „Wir haben in der ersten Hälfte sehr gut angefangen, in der zweiten haben wir alles verloren, vor allem die entscheidenden Zweikämpfe. Wir haben das Spiel hergegeben und den Gegner kommen lassen.“ Auch Andrich fand deutliche Worte: „Egal gegen wen in der Bundesliga – egal ob abgeschlagen, egal ob Meister – kannst du gegen keine Mannschaft einfach so einen Schongang spielen. Das funktioniert nicht.“
Die Hauptverantwortung für das Team trägt Hjulmand. Der frühere dänische Nationaltrainer ist in und nach der Länderspielpause gefordert, die Mannschaft zu stabilisieren – und Ergebnisse zu liefern. Andernfalls könnte es noch während der Saison zum zweiten Trainerwechsel kommen. Dass es mit Hjulmand trotz Vertrags bis 2027 über den Sommer hinausgeht, ist nach der Partie in Heidenheim zweifelhafter denn je.

