Der Meister kommt, der Favorit ist klar – und Bayer 04 hofft trotzdem auf einen magischen Abend. Was sich die Werkself vorgenommen hat.
Pokal-Halbfinale gegen BayernLeverkusens letzte Chance auf einen Titel

Leverkusens Aleix García jubelte über seinen Führungstreffer gegen die Bayern im März.
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Bei aller berechtigten Kritik an den Leistungen von Bayer 04 muss festgehalten werden: Es ist Mitte April und Leverkusen hat noch immer die Chance auf einen Titelgewinn. Die nächste Hürde auf dem Weg dorthin könnte jedoch kaum größer sein. Am Mittwochabend gibt sich der FC Bayern die Ehre in der BayArena zum Halbfinale im DFB-Pokal. Die Münchner haben gerade erst ihre erste Trophäe der Saison gesichert und wurden am Sonntag, vier Spieltage vor Ende der Spielzeit, Deutscher Meister.
Doch nach der Pflicht kommt die Kür: Leverkusen im Pokal, Paris St. Germain im Halbfinale der Champions League. Bayer 04 hofft auf einen magischen Abend, um den Favoriten in die Knie zu zwingen. „Wir brauchen unser Stadion. Wir brauchen eine Top-Leistung – individuell und als Mannschaft –, ein bisschen Glück und wir müssen Gas geben“, sagt Leverkusens Coach Kasper Hjulmand: „Fußball ist manchmal etwas Besonderes. In einem Spiel kann alles passieren, in einem Pokalspiel erst recht. Es gibt immer Möglichkeiten für so einen Abend.“
Dass dieses Spiel auch Einfluss auf die Beurteilung Hjulmands in der Saisonanalyse haben wird, lässt den Coach kalt. „Wir haben morgen ein großes Spiel, und ich mache alles – von morgens bis manchmal auch in der Nacht – für diese Mannschaft, um ihr zu helfen. Das ist meine Aufgabe. Ich gehe völlig konzentriert diese Aufgabe an, und das ist es.“ Tritt man einen Schritt zurück, fällt die Bilanz der Leverkusener zumindest in den Pokalwettbewerben durchaus positiv aus. In der Champions League erreichte die Werkself – wenn auch über die Playoffs – das Achtelfinale und scheiterte am Premier-League-Spitzenreiter FC Arsenal. Im DFB-Pokal wäre das Aus im Halbfinale gegen die Über-Bayern sicher keine Schande.
27 Punkte Rückstand auf die Bayern
Doch die Bundesliga trübt den Eindruck. Das Erreichen der Champions League hat Bayer nicht mehr in den eigenen Händen, der Rückstand auf die Bayern, die sie 2024 bezwangen und 2025 lange ärgerten, beträgt 27 Punkte. Die Favoritenrolle ist eindeutig geregelt. Hoffnung macht das bislang letzte Duell beider Teams im März in der Liga. Die Werkself hatte den Sieg in Überzahl auf dem Silbertablett – und verschluderte ihn. Am Ende hieß es 1:1. Dass die Bayern noch einmal so weit von ihrer Bestform entfernt auftreten, ist aus Leverkusener Sicht mehr Wunsch als Realität. „Wir müssen unbedingt ein super Spiel machen“, betont Hjulmand: „Im letzten Spiel war es sehr, sehr eng. Wir hatten unterschiedliche Pressinghöhen, waren kompakt und haben auch sehr, sehr hoch gepresst – das ist eine Möglichkeit. Aber auch mit dem Ball zu spielen, ist wichtig. Sie sind sehr, sehr aggressiv im Pressing. Natürlich gibt es Möglichkeiten, aber wir müssen sehr, sehr präzise und scharf sein, um diese Möglichkeiten zu nutzen.“
Die Chancenverwertung war beim 1:2 gegen Augsburg das große Problem: Von 36 Schüssen fand nur einer den Weg ins Tor. Diese Nachlässigkeiten im Abschluss wären gegen die Bayern fatal. „Das Pokalfinale in Berlin ist ein großes Spiel, eines der größten Spiele Europas, finde ich“, sagt Hjulmand: „Das wissen wir natürlich, das ist eine große Motivation. Es ist ein großes Spiel morgen, wir haben Vorfreude. Es ist eine große Herausforderung gegen eine der besten Mannschaften der Welt.“ Beim Doublegewinn vor zwei Jahren stand Leverkusen zuletzt im Berliner Endspiel. Neun Spieler aus dem aktuellen Kader waren dabei – sie können der Mannschaft bei der Motivation helfen.
Die größte personelle Frage stellt sich für Hjulmand in der Abwehr. Vier Spieler streiten sich um die Positionen in der Dreierkette. Bei der Partie gegen Augsburg musste Kapitän Robert Andrich auf die Bank. Schwer vorstellbar, dass der Nationalspieler noch einmal zuschauen muss. Doch der Coach lässt sich – wie immer – nicht in die Karten schauen: „Es war nicht einfach, unseren Kapitän im vergangenen Spiel auf die Bank zu setzen. Aber eine Konkurrenzsituation ist gut. Ich bin sehr, sehr froh und zufrieden mit den Möglichkeiten. Es ist in dieser Phase gut, diese Optionen zu haben.“
Selbst bei der Torwartfrage will Hjulmand den Bayern keinen Hinweis geben. Mark Flekken hatte nach seiner Verletzung in der Liga wieder den Vorzug vor seinem starken Vertreter Janis Blaswich erhalten. Ob der nun im Pokal seine Chance erhält? „Das sehen wir“, sagt der Däne.
Eine Abordnung der Ultras hatte die Leverkusener Spieler bereits am Samstag direkt nach dem Abpfiff noch auf dem Rasen auf die Bedeutung dieser Woche eingeschworen. Auf das Pokalspiel folgt das Derby beim 1. FC Köln am Samstag (15.30 Uhr). Auch am Mittwoch wollen die Fans ihren Teil zu einem magischen Abend beitragen: Ab 18.45 Uhr ist ein Bus-Empfang der Mannschaft auf der Bismarckstraße an der BayArena geplant.
Leverkusen: Flekken – Quansah, Andrich, Tapsoba – Culbreath, Palacios, García, Grimaldo – Maza, Tella – Kofane; München: Neuer - Stanisic, Upamecano, Tah, Laimer - Kimmich, Pavlovic - Olise, Musiala, Luis Diaz - Kane; Schiedsrichter: Zwayer (Berlin).


