Präsident Hanns-Jörg Westendorf über die erhoffte Drittliga-Rückkehr des Südstadt-Klubs und die Planungen für nächste Saison.
Fortuna Köln„Ich erwarte, dass wir es schaffen“

Die Spieler des SC Fortuna lassen sich von ihren Fans feiern.
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Herr Westendorf, wie ist Ihre Gefühlslage nach Fortuna Kölns Niederlage in Paderborn vom Sonntag? Ein Sieg hätte die Drittliga-Rückkehr vorzeitig gesichert.
Als ich nach Hause gekommen bin am Abend, war ich schon sehr enttäuscht. Und heute Morgen nach dem Aufwachen auch noch. Aber wir müssen jetzt nach vorne gucken. Wir haben ja nicht alle Chancen verspielt durch die eine Niederlage. Wir haben immer noch vier Matchbälle. Unsere beiden eigenen gegen Siegen und Lotte, dazu die beiden, die Oberhausen noch vergeben kann. Wir hätten den Aufstieg gerne am Sonntag perfekt gemacht. Aber wir haben weiter eine exzellente Ausgangsposition.
Was waren die Gründe für die Niederlage? Hat die Mannschaft den Druck gespürt?
Jeder, der da oben steht und so ein Ziel vor Augen hat, spürt Druck. Damit muss man umgehen, sicher hat das eine Rolle gespielt. Dann sind noch ein paar Kleinigkeiten gegen uns gelaufen, in der ersten Halbzeit hätte es einen Platzverweis gegen Paderborn geben müssen. Dazu haben wir zwei, drei Großchancen, wo wir einfach in Führung gehen müssen. Dann verteidigen wir zwei Konter schlecht. Der Anschluss kommt erst in der Nachspielzeit, so verlierst du das Spiel.
Hatten Sie Kontakt zum Trainer?
Ich habe heute Morgen mit Matthias Mink telefoniert. Im Kernpunkt sind wir einer Meinung: Die Ausgangslage ist exzellent. Und nun gilt es, die zu nutzen. Wie Matthias es immer sagt: Wir müssen uns gegen Siegen wehrhaft zeigen.
Sind Sie zuversichtlich, dass in den kommenden Tagen keine erhöhte Nervosität aufkommt?
Bei mir ist sie schon hoch genug, ich weiß nicht, wie sie noch höher werden soll. Der Adrenalinspiegel wird bis Samstag mit Sicherheit bei allen noch weiter ansteigen. Der Heimbereich im Südstadion wird voraussichtlich ausverkauft sein, wir rechnen mit 7500 Zuschauern.
Die Fortuna könnte vor eigenem Publikum aufsteigen. Das klingt doch besser als in Paderborn.
Ja, das hört sich schön an. Aber wir werden nichts an Feierlichkeiten rund ums Stadion planen, dazu bin ich zu abergläubisch. Es wird keine Musik oder sowas bestellt, wenn wir nicht wissen, ob wir wirklich etwas zu feiern haben. Das würden wir dann alles spontan machen, das kriegen wir hin. Und wenn ich am Ende selbst singe.

Hanns-Jörg Westendorf (M.), Präsident des SC Fortuna Köln
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Was erwarten Sie von der Mannschaft bei ihrem zweiten Matchball-Spiel?
Ich erwarte, dass wir es schaffen. Die Jungs wollen hoch, allesamt. Sie sind heiß. Die Mannschaft war letzte Woche in großen Teilen beim Oberhausener Nachholspiel in Bonn, am Samstag haben wir hier im Vereinsheim das Spiel von RWO in Bochum geguckt. Der Großteil des Teams hat Verträge für die Dritte Liga. Da ist niemand, dem irgendwie die Motivation fehlt.
Gibt es eine Aufstiegsprämie?
Ja, ich nenne keine Zahl, aber die ist stattlich. Letztlich ist es aber eine Fußballmannschaft, da erwarte ich vor allem eine intrinsische Motivation.
Im Aufstiegsfall ist der Plan, einem Großteil der Meister-Mannschaft die Chance auf die Dritte Liga zu geben?
Ja, so wollen wir es angehen. Mit Sicherheit wird es Verstärkungen geben. Aber nur punktuell in den einzelnen Mannschaftsteilen, das wird kein großer Umbruch wie in den vergangenen Jahren.
Was erhoffen Sie sich am Samstag von den Fans?
Dass sie für die richtige Atmosphäre sorgen. Schon nach Paderborn haben uns fast 1000 Fans begleitet, das war der Wahnsinn. Nach dem Spiel gab es keine Pfiffe und keine Vorwürfe an die Mannschaft. Alle verfolgen ein Ziel, das ist sensationell.
Wie sieht es mit der Lizensierung für die Dritte Liga aus?
Da bin ich sehr zuversichtlich, dass wir eine positive Rückmeldung erhalten werden. Es ging vor allem um eine Frage der finanziellen Sicherheiten und die Modernisierung des Fluchtlichts. Es wird unterschieden zwischen Auflagen, die du im Laufe der Saison angehen kannst. Und Bedingungen, die im Vorfeld zu erfüllen sind. Und die Bedingungen haben wir aus meiner Sicht allesamt erfüllt. An den Auflagen arbeiten wir. Zum Thema Flutlicht und Finanzierung haben wir in der nächsten Woche einen Termin mit den Verantwortlichen der Stadt Köln. Daran wird es nicht scheitern.
Die Fortuna plant seit einiger Zeit eine Überdachung der Gegengeraden des Südstadions in Eigenregie. Hängt das Vorhaben mit dem Aufstieg zusammen?
Nein, eigentlich nicht. Aber wir wollten jetzt zuerst den Aufstieg und die Lizensierung in trockenen Tüchern haben, bevor es mit der Planung weitergeht und Aufträge ausgeschrieben werden. Darum ist es unrealistisch, dass die Überdachung schon zur neuen Saison steht. Aber wir wollen es in einer Modular-Bauweise errichten. Die einzelnen Teile werden vormontiert und mit einem großen Kran angeliefert. Dann steht das Dach binnen zwei Wochen – man könnte es also theoretisch in der Winterpause angehen. Hoffentlich können wir uns nächste Woche detailliert damit beschäftigen.
Ein Sieg fehlt…
Wenn man die Saison als einen Marathon betrachtet, dann machst du dir zur Halbzeit noch nicht viele Gedanken über die letzten Meter. Jetzt sind wir aber als Führender kurz vor der Ziellinie. Und der Vorsprung auf den ersten Verfolger ist immer relativ konstant geblieben. Eigentlich kann dich jetzt nur noch ein Beinbruch oder so stoppen – darüber macht man sich Gedanken. Aber noch einmal: Die Ausgangslage ist exzellent.


