Entweder du entscheidest dich für Veränderung - oder die Veränderung entscheidet für dich. Doch wie gelingt es leichter, sich auf Neues einzulassen?
Die Job-KolumneWarum fällt es manchen Menschen so viel leichter, sich zu verändern?

Manche Menschen haben weniger Mühe damit, sich weiterzuentwickeln als andere. Das gilt fürs Leben und die Fitness-Ziele genauso wie im Büro.
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Gestern Abend, virtueller Kurs mit Teilnehmern aus der ganzen Welt. Der Trainer, Timothy Clark, Sozialwissenschaftler aus Oxford und Autor von „Epic Change", eröffnete mit einem Satz: „Either you choose change, or change chooses you." Entweder du entscheidest dich für Veränderung - oder die Veränderung entscheidet für dich.
Ich saß an meinem Schreibtisch in Köln und merkte, wie dieser Satz bei mir etwas auslöste. Nicht weil er neu wäre. Sondern weil er so präzise beschreibt, was ich seit Jahren beobachte. Bei Kunden, deren Vorstände seit drei Jahren über Transformation reden, aber nichts verändern. Bei Wettbewerbern, die ihr Geschäftsmodell von 2015 pflegen, als hätte sich die Welt seitdem nicht gedreht. Bei ganzen Branchen, die zuschauen, wie andere an ihnen vorbeiziehen - und dann überrascht tun, wenn es zu spät ist.
Clark stellte im Kurs eine einfache Frage: Was sind die Vorteile, wenn man Veränderung selbst wählt? Die Antworten lagen auf der Hand: Wer selbst entscheidet, definiert die Richtung. Das Tempo. Die Kontrolle. Wer wartet, bis die Veränderung kommt, verliert all diese Dinge. Man wird getrieben statt zu treiben. Man reagiert statt zu gestalten. Diese Dynamik sehe ich überall. In Unternehmen, die heute Stellen abbauen, weil sie jahrelang nicht investiert haben. Bei Menschen, die ihren Job verlieren, weil sie aufgehört haben, sich weiterzuentwickeln. In einer Gesellschaft, die lieber verwaltet als gestaltet - und sich dann wundert, dass andere Länder schneller sind.
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Die Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen, fällt nicht vom Himmel
Warum fällt es manchen Menschen so viel leichter, sich zu verändern? Ich glaube, es hat mit Erfahrung zu tun. Meine Eltern flohen mit uns aus dem Iran. Ich war vier Jahre alt. Neues Land, neue Sprache, neue Regeln - alles gleichzeitig. Veränderung war für mich nie ein Konzept aus einem Managementbuch. Sie war Alltag. Wer früh lernt, dass nichts bleibt, wie es ist, für den wird Anpassung kein Stress, sondern Kompetenz.
Nun muss niemand sein Heimatland verlieren, um diese Kompetenz zu entwickeln. Aber die Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen, fällt nicht vom Himmel. Sie entsteht durch Übung. Jede kleine Entscheidung, etwas anders zu machen als gestern, senkt die Schwelle für die nächste. Wer hingegen jede Veränderung aufschiebt, dem wird selbst der kleinste Schritt irgendwann zur Überwindung.
Das Problem ist selten, dass Menschen Veränderung nicht können. Das Problem ist, dass sie zu lange warten. Sie warten auf den perfekten Moment, auf klare Anweisungen, auf Sicherheit. Doch Sicherheit gibt es nicht. Es gibt nur den Unterschied zwischen denen, die handeln, und denen, die reagieren. Zwischen denen, die gestalten, und denen, die andere für sich gestalten lassen.
Clark brachte es im Kurs auf eine zweite Formel: Führung bedeute, den Status quo herauszufordern und den Weg zum nächsten Gleichgewicht zu gestalten. Damit ist - laut Clark - Change Management eine Kernkompetenz. Das gilt nicht nur für Führungskräfte mit Titel. Es gilt für jeden Einzelnen. Für den Mitarbeiter, der spürt, dass seine Fähigkeiten nicht mehr reichen - und trotzdem nichts lernt. Für die Abteilung, die weiß, dass ihr Prozess veraltet ist - und trotzdem weitermacht wie bisher.
Fragen Sie sich heute Abend: In welchem Bereich meines Lebens warte ich gerade ab? Wo halte ich am Status quo fest, obwohl ich weiß, dass er nicht haltbar ist? Und was wäre der kleinste Schritt, den ich morgen gehen könnte? Sie müssen nicht alles auf einmal verändern. Aber Sie müssen anfangen zu entscheiden. Denn wer abwartet, verliert die Wahl. Veränderung kommt so oder so. Die einzige Frage ist, ob Sie die Bedingungen festlegen und gestalten, oder andere dies für Sie tun.
Von nichts kommt nichts.
Zur Person und Kolumne

Sohrab Salimi
Copyright: Selda Schretzmann
Sohrab Salimi ist Gründer und CEO der Agile Academy. Er hat über 20 Jahre Berufserfahrung als Trainer für kleine bis sehr große Unternehmen. Sohrab Salimi lebt mit seiner Frau und drei Kindern in Köln. Im „Kölner Stadt-Anzeiger“ schreibt er in seiner Kolumne „Von nichts kommt nichts“ einmal im Monat über Fragen und Themen rund um die Arbeitswelt.



