Einmal mehr ist die Zukunft der Kölner Traditionshäuser ungewiss. Nun wagt Galeria eine neue Art der Kommunikation.
Zwei Filialen gefährdetModell Warenhaus hat ausgedient – Schließungen in Köln wären dennoch tragisch


Blick auf die ehemalige Firmenzentrale von Galeria in Essen. Inzwischen sitzt der Warenhauskonzern in Düsseldorf.
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Acht Galeria-Filialen stehen auf der Kippe, zwei davon in der Kölner Innenstadt. Langjährige Beobachter des Unternehmens dürfte diese Ankündigung wenig überraschen, dafür umso mehr die Art der Kommunikation. Die ist nämlich vorsorglicher Natur, damit alle schon mal gehört haben, dass es womöglich bald schlechte Nachrichten aus Düsseldorf geben könnte. Eine Art Werkstattbericht sozusagen.
Der Warenhauskonzern verhandelt in den kommenden Wochen mit Vermietern über Konditionen – wenn sich beide Parteien nicht auf ein wirtschaftlich tragfähiges Konstrukt einigen können, ist Schluss. So zumindest die Drohung seitens Galeria. Alles nur ein Bluff, um den Druck zu erhöhen? Oder woher kommt der kommunikative Sinneswandel?
Galeria spielt nicht mit offenen Karten
Nun ist das mit Transparenz so eine Sache. Galeria ist für vieles bekannt – aber mitnichten dafür, mit offenen Karten zu spielen. Presseanfragen werden meist mit generischen Statements beantwortet, konkrete Fragen ignoriert. Auch die Filialleiter wissen oft nur das, was sie für ihre tägliche Arbeit unbedingt wissen müssen. Informationen preisgeben dürfen sie ohnehin nicht.
Und die Mitarbeiter? Nun, die erfahren Botschaften meist als letzte. So wie im Sommer 2024 auf der Breite Straße: Die Filiale sollte eigentlich geschlossen werden, doch dann kam der späte Turnaround. Die Mitarbeiter bekamen die Nachricht per Lautsprecheransage mitgeteilt, wenige Minuten bevor die Presse zur offiziellen Verkündung eintraf. Dass Galeria mit vorsorglichen Verhandlungen über Interessenausgleich und Sozialplan für Transparenz und Planungssicherheit für die Mitarbeitenden sorgen will, dürfte den meisten also nur ein müdes Lächeln ins Gesicht zaubern. Man werde auch im weiteren Prozess die Beschäftigten eng begleiten und über die nächsten Schritte informieren.
Was die ungewöhnlich offene Ankündigung allerdings zeigt: Galeria steht unter finanziellem Druck, wie so oft in den vergangenen Jahren. Drei Insolvenzen seit 2020, drei neue Eigentümer, keiner hat es hinbekommen. Man kann einen Konzern nicht endlos „gesundschrumpfen“, Filialen schließen und Mitarbeiter entlassen. Am Ende muss das Geschäftsmodell stimmen – und das Modell Warenhaus hat inzwischen seit Jahren ausgedient.
Für Städte wie Köln wäre es ein tragischer Verlust, wenn die Traditionshäuser Kaufhof und Karstadt verschwinden. Zur traurigen Wahrheit gehört aber auch: Acht Filialen weniger oder wohlwollende Vermieter werden Galeria nicht aus chronischen Finanznöten retten können.

