In Nordrhein-Westfalen wurden 2025 so wenige neue Ausbildungsverträge abgeschlossen wie seit den 1970er‑Jahren nicht mehr. Auch in Köln melden Betriebe weniger Stellen.
Unter 100.000Zahl der Ausbildungsverträge in NRW fällt auf historischen Tiefststand

Weniger Nachwuchs: Die Zahl neuer Ausbildungsverträge ist in NRW weiter gesunken.
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Die Zahl neu abgeschlossener Ausbildungsverträge in Nordrhein-Westfalen ist 2025 erstmals unter 100.000 gefallen. Sie hat damit den niedrigsten Stand seit Beginn der Berufsbildungsstatistik in den 1970er-Jahren erreicht, teilte das Statistische Landesamt IT.NRW am Mittwoch, 1. April, mit. Abgeschlossen wurden 99.246 Ausbildungsverträge, im Vorjahr waren es 104.922 – ein Rückgang um 5,4 Prozent. Besonders stark waren die Rückgänge im Bereich Industrie und Handel mit minus 7,5 Prozent. Im Handwerk sank die Zahl der Vertragsabschlüsse um 2,2 Prozent.
Auch für den Ausbildungsmarkt in Köln meldet die Arbeitsagentur deutliche Rückgänge bei den gemeldeten Stellen. Im verarbeitenden Gewerbe sind es 243 weniger zu 2024, im Baugewerbe 100 weniger zum Vorjahr. Im Handel sowie in der Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen gab es ein Minus von 384 Stellen. Zuwächse gab es nur in der Öffentlichen Verwaltung, Verteidigung und Sozialversicherung mit 74 zusätzlichen Stellen.
Unversorgte Bewerberinnen und Bewerber gibt es in Köln aktuell 3.014, 37 mehr als im Vorjahr. „Auch in diesem Jahr haben wir wieder weniger Ausbildungsstellen zur Verfügung – und das, obwohl mehr junge Menschen eine Berufsausbildung absolvieren wollen“, sagt Stephanie Lewejohann, Geschäftsführerin Operativ der Agentur für Arbeit Köln. Sie rät Jugendlichen, sich früh zu orientieren und zu bewerben. Gleichzeitig appelliert sie an die Betriebe, mehr auszubilden: „Bei dieser Marktlage stehen die Chancen für Unternehmen so gut wie lange nicht mehr, passende Auszubildende zu finden.“
Die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen ist nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit derzeit zu niedrig angegeben. Hintergrund sind veränderte Prozesse in den Fachverfahren. Bundesweit lag die tatsächliche Zahl gemeldeter Ausbildungsstellen im Februar 2026 schätzungsweise rund sechs Prozent über dem ausgewiesenen Wert. Diese Nachmeldungen sollen bis zum Sommer in die Statistik eingearbeitet werden. Zu beachten sei, dass im Langzeitvergleich nicht nur die Zahl der Auszubildenden, sondern auch die Zahl der Schulabgänger in NRW insgesamt zurückgegangen ist.
Fast genauso viele Anfänger im Studium wie in der Ausbildung
Parallel entscheiden sich weiterhin viele junge Menschen für ein Studium, laut der Statistik des Statistischen Landesamts IT.NRW. Vor 20 Jahren habe es noch deutlich mehr neue Auszubildende als Studienanfänger gegeben, so das Statistische Landesamt. 2013 war die Zahl der Studierenden erstmals höher als die der neuen Azubis. Seitdem haben sich beide Linien weiter angenähert.
Insgesamt befanden sich Ende 2025 laut IT.NRW rund 263.500 Menschen in NRW in einem dualen Ausbildungsverhältnis – 3,1 Prozent weniger als im Vorjahr.
Die Agentur für Arbeit bietet weiterhin verschiedene Förderprogramme im Ausbildungsbereich an, darunter die Assistierte Ausbildung für Jugendliche mit schwierigeren Startbedingungen. Unternehmen können Unterstützung bei der Vermittlung von Auszubildenden sowie bei organisatorischen Fragen rund um die Ausbildung erhalten. Praktika gelten aus Sicht der Behörde weiterhin als wichtiger Einstieg in eine Ausbildung.

