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Henns GeschmackssacheWarum das „Crevette Rosé“ eine besondere Entdeckung in Ehrenfeld ist

4 min
Bar und Tische des Lokals sind zu sehen.

Erst Restaurant, dann spätabends Bar: „Crevette Rosé“ bietet seinen Gästen Erfreuliches.

Gestartet als „Bar Zwei“ wurde aus diesem Lokal Schritt für Schritt ein Restaurant - und was für eins, sagt unser Gastro-Kritiker.

Verpuppungen gehen in der Tierwelt zumeist leise vonstatten – bei Restaurants läuft es manchmal ähnlich geräuschlos. Das „Crevette Rosé“ in Ehrenfeld startetet als Bar Zwei, verwandelte sich aber peu à peu in ein vollwertiges Restaurant. Sucht man im Internet eine Speisekarte, so sieht diese sehr übersichtlich aus: Drei Vorspeisen, zwei Hauptgänge, zudem allerlei aus dem Meer wie Austern oder eine Seafood-Platter, dazu zwei Desserts. Also à la Hafenbistro in der Bretagne.

Carsten Henn

Carsten Henn

Carsten Henn, geboren 1973 in Köln, besitzt einen Weinberg an der Terrassen-Mosel, hält Hühner und Bienen und teilt sein Leben mit Katzen. Er arbeitete nach seinem Studium (unter anderem Weinbau) als ...

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Vor Ort wird dann eine große Tafel an den Tisch gestellt mit neun weiteren Speisen, größtenteils französische Bistroküche. Zur Begrüßung kommen dicke Brotscheiben mit dicken Röststreifen auf den Tisch – erfreulicherweise ohne dass man dafür extra bezahlen muss. Eine Unsitte, die leider immer mehr um sich greift.

Hier wird man atmosphärisch nach Frankreich gebeamt

Man sieht dem schlauchförmigen Restaurant an, dass es eigentlich als Bar gedacht ist, mit seiner großen Theke und dem kühlen, grauen Interieur (im Sommer verschwindet die Glasfront zur Straße, und draußen gibt es dann auch ein paar Plätze). Aber sobald der Laden sich füllt, der Geräuschpegel steigt und man die französische Musik aus den Boxen kaum noch hören kann, fühlt man sich nach Frankreich gebeamt.

Crevettes rosés mit Cocktailsauce sind zu sehen.

Die namensgebenden Crevettes rosés mit Cocktailsauce - klassisch auf Eis serviert.

Klassischerweise beginnt man hier natürlich mit den namensgebenden Crevettes rosés. Die Garnelen (100 Gramm) sind von guter Qualität, schon geschält und werden klassisch auf Eis in einem hohen Glas serviert, dazu gibt es eine recht süß abgeschmeckte Cocktail-Sauce, sowie – und das ist ein schöner, rheinischer Kniff – ein 4711-Erfrischungstuch für die Hände.

Eine handbeschriebene Tafel ist zu sehen, davor brennende Kerzen.

Statt Karte: die Tafel mit größtenteils französischer Bistroküche

Eine weitere Spezialität des Hauses (um mal den Begriff Signature Dish zu vemeiden) ist die Soupe de Poisson à la Maison mit Fischfilet, Garnelen, Muscheln, Gemüse, Pastis, und dazu Rouille, Käse und Röstbrot, die man sowohl in Vorspeisengröße wie als Hauptgang bestellen kann. Serviert wird sie in einer großen Kugel, die am Gast zu einer Halbkugel geöffnet wird.

An der Einlage wird nicht gespart, die Suppe ist sehr cremig, allerdings mangelt es an pikanter Schärfe. Auch die Rouille bietet diese nicht, weist dagegen feine Bitternoten auf. Eine andere Vorspeise bringt (etwas zu kalte) Burrata mit Tomate und einer angenehm fruchtigen Himbeervinaigrette zusammen, welche die Tomate ordentlich pusht. Schöne Kombi. Auch Croustillant de Camembert überzeugt, mit fein knusprigem Käse. Safranbirne und Radicchio setzen als Begleiter unterschiedliche Akzente. Schlicht und gut.

Burrata als weiße Kugel sitzt auf großen Tomatenscheiben

Schöne Kombi: Burrata mit Tomate und einer fruchtigen Himbeervinaigrette

Souverän geht es mit einem Coq au Vin vom Maishähnchen weiter, das Fleisch saftig, das Kartoffelpüree großzügig buttrig, die Sauce mit prägnanter Rotwein-Note. Der statt des üblichen Burgunders verwendete Bordeaux irritiert ein wenig, aber noch mehr, dass dazu dann kein Bordeaux empfohlen wird. Aber: Petitessen.

Die Küche macht Parmesannocken zu Stars

Dass das Spargel-Risotto zum Loup de Mer zu weich ist, fällt dagegen unter vermeidbare Fehler, zudem mangelt es dem Gericht an Salz. Der Fisch allerdings ist routiniert gegart, und der Béarnaise-Schaum sogar famos abgeschmeckt. Beim ebenfalls korrekt gegarten Steinbeißer sind die fluffigen Parmesannocken mit mega intensivem Bärlauch-Pesto die Stars, da kann das etwas spannungslose Auberginentatar nicht mithalten. Das Kotelett vom Duroc ist etwas zu gut durch, beim Kartoffelgratin ist wieder wunderbar viel Butter im Spiel, und die Spitzkohlroulade beweist sich als ebenso bodenständiger wie aromatisch kluger Begleiter.

Die beiden Männer stehen vor der Bar und lachen in die Kamera.

Tobias Mintert und David Safanda in ihrem Restaurant, in dem man an sechs Abenden die Woche dinieren kann.

Das ist alles sehr, sehr erfreulich, und viel mehr als man bei einer Bar erwartet, die an sechs Abendenden die Woche Abendessen anbietet (bevor sie ab 22 Uhr wieder zur Bar wird).

Sogar beim Nachtisch, einer lehrbuchmäßigen Tarte Tatin auf einem Carpaccio von Apfelscheiben, getoppt von einer Nocke Vanilleeis stimmt alles. Hatte ich eigentlich schon gesagt, dass hier alles auch noch hübsch angerichtet ist? Der dazu empfohlene 2023er Porié von Eric Bordelet ist famos, passt aber in der Süße nicht ganz.

Wasser und Wein - einfach selbst nachschenken

Die Hälfte der französischen Weinkarte - auf der die Jahrgänge fehlen - ist übrigens mit Flaschen der großartigen Weinhandlung des „Le Moissonnier“ bestückt. Manchmal dauert es allerdings bis der freundliche (und duzende) Service den Wein bringt, den man sich, wie auch das Wasser, einfach selber nachschenkt. 

Die Auswahl an Cocktails ist groß und sehr empfehlenswert. Kein Wunder, betreibt Eigentümer Tobias Mintert im Belgischen Viertel doch auch die Barracuda Bar sowie die Forelle Blau und kennt sich rund um Alkoholika gut aus.

Fazit: Ein französisches Kleinod auf der Venloer. Nicht nur für Freunde von Crevetten!

Bewertung: 5 von 6

Crevette Rosé, Venloer Straße 437, 50825 Köln, Di – So ab 17 Uhr (Küche bis 22 Uhr, danach Bar-Betrieb), Tel. 01523-3625749

Die Außenansicht zeigt Tische und Stühle auf dem Trottoir.

Fürs Sommerfeeling schon mal an draußen denken: Crevette Rosé und Bar Zwei

Henns Auswahl:

Croustillant de Camembert / 10 Euro

Crevettes Roses mit Cocktailsauce / 14 Euro

Soupe de Poisson a la Maison / 18 Euro (klein) 28 Euro (groß)

Coq au Vin / 29 Euro

Burrata / Tomate / 13 Euro

Loup de Mer / 33 Euro

Steinbeißer-Filet / 35 Euro

Kotelett vom Duroc / 32 Euro

Tarte Tatin mit Vanilleeis / 10 Euro