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Eintritt für den Dom bewegt die StadtVerliert Köln ein Stück seiner Weltoffenheit?

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05.03.2026, Nordrhein-Westfalen, Köln: Touristen fotografieren den Kölner Dom. Der Kölner Dom wird Touristen in Zukunft Eintritt kosten. Damit sollen die gestiegenen Kosten für Pflege, Schutz und den laufenden Betrieb des Doms gedeckt werden, wie das Domkapitel auf einer Pressekonferenz mitteilte Foto: Henning Kaiser/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Touristen fotografieren den Kölner Dom. Der Besuch der Kathedrale wird in Zukunft Eintritt kosten. Damit sollen die gestiegenen Kosten für Pflege, Schutz und den laufenden Betrieb des Doms gedeckt werden.

Eine Gebühr für den Dom-Besuch wird sich laut Köln-Tourismus kaum negativ auf die Touristenzahlen auswirken. So reagieren der Kölner Psychologe Stephan Grünewald und Lokalpolitiker.

Der geplante Eintritt für den Dom ist das Stadtgespräch und weitaus emotionaler als die wirtschaftliche Notwendigkeit, die das Domkapitel dazu veranlasst, diesen historischen Einschnitt noch in diesem Jahr vorzunehmen.

Den Besucherzahlen, jährlich strömen sechs Millionen Menschen in die Kathedrale, wird das nach der Einschätzung von Köln-Tourismus wohl keinen Abbruch tun. „Der Dom bleibt allein durch seine Architektur, seine Geschichte und seine zentrale Lage ein Anziehungspunkt. Natürlich werden einzelne Gäste abwägen, ob sie die Innenbesichtigung in Anspruch nehmen möchten“, sagt Geschäftsführer Jürgen Amann. „Bei einem moderaten Preis gehen wir jedoch nicht von spürbaren Rückgängen aus, zumal Eintrittsgebühren für bedeutende Sakralbauten international vielerorts üblich sind.“

Entscheidend sei „eine klare Trennung zwischen kostenfreiem Zugang für Gebet, Gottesdienst und seelsorgerische Anliegen und einem Ticket für die touristische Besichtigung“, so Amann. Das sei am einfachsten umsetzbar und biete die Möglichkeit, die Touristenströme durch das Ticketing besser zu lenken. „Die Ausgestaltung liegt beim Domkapitel. Wichtig ist Transparenz und eine Lösung, die den Charakter des Doms als offener Ort des Glaubens wahrt.“

Der Dom muss ein offener Ort für Gebet und Gottesdienst bleiben
Torsten Burmester, Oberbürgermeister

Das sagt OB Burmester zum Dom-Eintritt

Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) legt großen Wert darauf, dass kein Besucher der Kathedrale aus finanziellen Gründen vom Besuch ausgeschlossen wird. „Der Dom ist nicht nur ein weltberühmtes Wahrzeichen unserer Stadt, sondern vor allem ein Ort des Glaubens, der Begegnung und der Kultur. Jahr für Jahr kommen Millionen Menschen aus Köln, Deutschland und der ganzen Welt hierher – viele von ihnen besuchen den Dom mit großem Respekt und Interesse.“

Angesichts der enormen Kosten für Erhalt, Pflege und Sicherheit eines Bauwerks dieser Größe könne er gut nachvollziehen, dass das Domkapitel darüber nachdenke, neue Wege der Finanzierung zu gehen. „Wichtig ist dabei, dass der Dom weiterhin ein offener Ort für Gebet und Gottesdienst bleibt.“

Für Köln-Touristen gehört der Besuch des Doms, hier am Freitag (07.08.1998) , der in diesem sein 750jähriges Bestehen feiert, zum Muß. Mit Empfängen und Gottesdiensten feiern Kirche und Stadt das Jubiläum. dpa (zu Korr. dpa/lnw zum Jubiläum) COLOR +++ dpa-Bildfunk +++

Touristen beim Besuch der Kathedrale: Sechs Millionen Menschen strömen pro Jahr in den Dom.

„Der Dom ist mehr als ein Gotteshaus. Es ist für Kölner und für viele Nicht-Kölner ein Heimatsymbol“, sagt der Psychologe Stephan Grünewald. „Plötzlich hat man das Gefühl, die Heimat verschließt sich einem.“ Das gelte auch für Menschen, die „alle Jubeljahre“ vielleicht mal in den Dom gehen. „Allein das Gefühl, ich kann jederzeit ins Herz der Stadt vordringen, habe dort meinen Platz und mein Auskommen, wird empfindlich gestört.“ Ob die Kölner Weltoffenheit bei gleichzeitiger „Dom-Geschlossenheit“ funktioniere, sei zumindest fraglich.

In einer neuen, noch nicht veröffentlichten Studie des Rheingold-Instituts hat Grünewald untersucht, wie Köln als Wirtschaftsstandort gesehen wird. Danach punktet Köln vor allem mit seinen geselligen, versorgenden und unbeschwerten Qualitäten. „Die Stadt strahlt eine große Fürsorglichkeit und Geborgenheit aus. Wenn man für den Dom jetzt Eintritt nimmt, wird damit eine Wirtschaftsdominanz spürbar, aber am falschen Ort. Wir haben schon eine Krise der fehlenden Verbundenheit und das Gefühl, in unserem eigenen Land nicht mehr willkommen zu sein. Da war Köln bisher Vorbild.“ Unabhängig von der Höhe des Preises passe ein durch Eintrittsgeld versperrter Zugang nicht.

Damit verliert Köln ein bisschen von seinem liebenswerten Charme
Stephan Grünewald, Psychologe

Kölner Psychologe Stephan Grünewald zum Dom-Eintritt

„Damit verliert Köln ein bisschen von seinem liebenswerten Charme. Man stolpert vom Bahnhof in den Dom, in einen Ort des Trostes und der Bestärkung und spürt sofort, wir kommen in eine offene und zugewandte Stadt. Das sollte in Zukunft auch so bleiben“, sagt Grünewald.

Günter Wallraff, Schriftsteller und Enthüllungsjournalist, sieht das ähnlich. „Ich gehe manchmal spontan in den Dom, um innezuhalten. Ich mache alles zu Fuß und wenn ich dann in der Innenstadt bin, mache ich Halt und nehme die Atmosphäre in mir auf. Manchmal gehe ich auch mit meinen Kindern in den Dom oder mit Freunden von auswärts. Das ist dann kein klassisch touristischer Besuch, aber es ist auch kein Beten im strengen Sinne“, so Wallraff. Insofern stelle sich ihm die Frage, wie man da die Grenze ziehen wolle: „Wo fängt Beten an?“

Er sehe ein, dass der Unterhalt des riesigen Denkmals viel Geld koste. „Und ich betrachte es auch als problematisch, wenn da Touristen reinschneien wie in jede andere Attraktion, zum Beispiel ins Schokoladen-Museum oder Disneyland.“

Der Eintritt schafft eine große Barriere
Günter Wallraff, Schriftsteller

Der 83-Jährige betonte: „Der Dom hat schon eine andere Bedeutung. Aber der Eintritt schafft eine große Barriere.“ Er selbst würde niemals sagen: „Ich will beten, darf ich umsonst rein?“ Deshalb werde er in Zukunft immer etwas zahlen. „Das allein wird den Charakter des Dombesuchs für mich verändern.“

Stimmen aus der Kölner Lokalpolitik zum Dom-Eintritt

Bernd Petelkau, Fraktionsvorsitzender der CDU im Stadtrat, findet es „sehr bedauerlich“, dass die finanzielle Belastung für den Erhalt der Kathedrale dazu führe, von Besuchern Eintrittsgelder zu verlangen. Dennoch könne er die Argumentation des Domkapitels „gut nachvollziehen“. Für Christian Joisten, Fraktionschef der SPD, darf der Eintritt für alle Kölnerinnen und Kölner auch in Zukunft nichts kosten. Schließlich sei der Dom für alle Menschen in Köln ein „emotionales Identifikationssymbol. Wenn für Touristen eine Gebühr verlangt wird, sollte diese so ausgestaltet sein, dass sich das alle Besucherinnen und Besucher auch leisten können.“

Aus Sicht von Christiane Martin, Fraktionsvorsitzende der Grünen, unterliegt „auch die Finanzierung Doms wirtschaftlichen Realitäten. Wenn also Unterhalt und Erhalt mit den bisherigen Mitteln nicht mehr zu tragen sind, ist die Einführung einer Besichtigungsgebühr nachvollziehbar. Wichtig ist, dass der Dom als spiritueller Ort für Gebet und Gottesdienste weiterhin frei zugänglich bleibt.“

Eine moderate Eintrittsgebühr hält Sergen Belen, Fraktionsvize von Volt, für vertretbar. „Wichtig ist uns, dass es beispielsweise Ausnahmen für Schulklassen sowie für Menschen mit geringem Einkommen gibt. Die religiöse Nutzung sollte jederzeit kostenfrei möglich bleiben.“

NRW-Europaminister Nathanael Liminski (CDU) hat Glück – er kommt auch weiterhin kostenlos in den Dom. Liminski ist Mitglied im Dombauverein und damit vom geplanten Eintrittsgeld ausgenommen. Im Podcast „Apokalypse und Filterkaffee“ scherzte Liminski: „Es muss ja auch irgendwas Gutes haben, wenn man bekanntermaßen katholisch ist.“

Zumindest habe seine Kirche dazugelernt, sagte Liminski. „Mit dem Ablasshandel hat man seinerzeit den Bau des Petersdoms gefördert. Heute ist man ehrlich, kürzt das ab und sagt: Wir brauchen das, um den Dom zu erhalten.“ Spannend finde er die Regelung, dass Gottesdienstbesucher und Betende ebenfalls vom Eintritt ausgenommen werden sollen: „Das gibt mir Hoffnung, dass die Besuchszahlen bei Gottesdiensten im Dom rasant steigen werden.“ (mit dpa)