Ist der Frustzaun an der Oper eine gute Idee? Unser Autor sagt: Ja. Denn: Weggesäuselt wird hier nichts.
„Frustzaun“Eine gute Idee mit Sinn für Selbstironie der Kölner Bühnen


In einer künstlerischen Aktion soll der „Frustzaun“ jetzt umgestaltet werden.
Copyright: Arton Krasniqi
Boah, Bühnen! Da verpulvern sie Hunderte Millionen Euro, reißen jahrelang die Zeitpläne und machen sich dann auch noch mit einem „Frustzaun“ darüber lustig. Geht’s noch?
Ein vergleichbarer Entrüstungssturm der Schlechtgelaunten brach los, als Anke Engelke mit ihren „Boah, Bahn!“-Spots Verspätungen und anderes DB-Desaster auf die Schippe nahm. Bezahlt von der Bahn natürlich. Klar, das ist Marketing. Und klar, das ist der Versuch, in einem – berechtigten – Dauerkatastrophenlamento mal einen anderen Ton anzuschlagen. Vielleicht ist das in der Kommunikation die berühmte „letzte Patrone“ für Akteure, die es grandios versemmelt haben, die aber – um das auch mal zu sagen – auch nicht an allem schuld sind, worüber sich die Menschen aufregen.
Geistreiche, gute Idee
Der Bauzaun mit Negativ-Schlagzeilen der vergangenen Jahre ist eine geistreiche, gute Idee: Da wird nichts beschönigt oder in fluffigem PR-Sprech weggesäuselt. Wer Sinn für Selbstironie hat, kommt auf seine Kosten. Und selbst Sarkasten gibt der Frustzaun Gelegenheit, sich rechtschaffen daran zu reiben.
Wenige Monate vor der Eröffnung der Oper (an die ich übrigens erst zu den ersten Tönen der Ouvertüre aus dem Orchestergraben glaube) braucht es dringend eine Kampagne, die Lust macht auf das neue alte Haus, das jetzt noch hinter Brettern liegt, die wahrlich nicht die Welt bedeuten. Ob es das richtige Symbol ist, den Frustzaun einfach zu überpinseln – das sei einmal dahingestellt. Mit der naheliegenden Assoziation des „Übertünchens“ wäre dem Anliegen ein denkbar schlechter Dienst erwiesen.
Umgekehrt: Wem hilft ein rückwärtsgewandtes Bremsen, das unentwegt und vielleicht sogar genüsslich das Versagen aus der Vergangenheit herbetet? Als ob die Verantwortlichen das auch nicht selbst wüssten. Ihnen zu unterstellen, sie wollten das alles einfach nur vergessen machen, überschätzt die Wirkmacht von Werbung und unterschätzt die Gedächtnisleistung der Steuern zahlenden Öffentlichkeit.
Am Ende ist es doch so: Wenn bis September nicht der Frustzaun fällt, war die Sanierung tatsächlich nur ein Milliardengrab. Das wäre doppelt schade um das ganze schöne Geld.



