Die Fertigstellung von unter anderem einer neuen Kinderklinik, einer Frauenklinik und eines hochmodernen Notfallzentrums ist für 2031 geplant.
Klinikzusammenlegung in MerheimSo soll der neue Kölner Gesundheitscampus aussehen

So soll der geplante Gesundheitscampus Merheim aus der Vogelperspektive betrachtet aussehen.
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Die Kliniken der Stadt Köln haben am Freitag erstmals konkrete Visualisierungen veröffentlicht, die zeigen, wie der Gesundheitscampus Merheim einmal aussehen soll. Bisher habe es nur „visualisierte Versionen“ gegeben, sagte Axel Goßmann, Geschäftsführer der Kölner Kliniken und Ärztlicher Direktor in Merheim.
Inzwischen lägen jedoch exakte Architekten-Zeichnungen vor. Laufe alles weiterhin nach Plan, will das Unternehmen im kommenden Jahr den Grundstein legen. 2031 könnte der neue Klinikkomplex stehen, der unter anderem eine Kinderklinik, eine Frauenklinik und ein hochmodernes Notfallzentrum enthalten soll. Wir fassen die wichtigsten Fragen und Antworten zu dem Projekt zusammen.
Die Kliniken der Stadt Köln machen seit Jahren Millionenverluste, und doch wird nun für viel Geld neu gebaut. Warum?
Die städtischen Kölner Kliniken, das sind die Krankenhäuser Merheim und Holweide sowie die Kinderklinik Amsterdamer Straße, verfügen aktuell über rund 900 Betten, im neuen Komplex sollen etwa 1100 zur Verfügung stehen. Die 1400 sogenannten „Planbetten“ seien angesichts baulicher und personeller Engpässe schon länger keine reale Größe mehr, erklärte Goßmann zuletzt. Und in der Tat machen die Kliniken seit rund 15 Jahren beständig Verluste. Diese werden mittlerweile Jahr für Jahr über Betriebskostenzuschüsse der Stadt Köln ausgeglichen. 2023 lag das Minus bei 89,1 Millionen Euro, 2024 waren es 98,4 Millionen Euro. Kämmerin Dörte Diemert benennt die Kliniken häufig als einen Faktor für die Haushaltskrise.
Der Rat der Stadt Köln hat sich dennoch gegen eine Privatisierung entschieden und setzt stattdessen auf mehr Effizienz durch Zusammenlegung. 2023 beschloss der Stadtrat, alle Abteilungen der Kliniken auf einem modernisierten und ausgebauten Campus in Merheim zu bündeln. Die Neubauten sollen neben dem bestehende Krankenhaus auf dem Gelände eines ehemaligen Fliegerhorstes entstehen. Geschäftsführer Goßmann ist überzeugt, dass die finanziellen Probleme und damit zumindest diese enormen Belastungen für den städtischen Haushalt so in den Griff zu bekommen sind, da Ressourcen gemeinsam genutzt und Strukturen verschlankt werden können. Er sagte dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ im Dezember: „Mit Inbetriebnahme des Neubaus sollen die nötigen Zuschüsse durch die Stadt gegen Null gehen.“
Was kostet der neue Gesundheitscampus?
Den Kliniken stehen für den Um- und Neubau 840 Millionen Euro zur Verfügung. 590 Millionen Euro zahlt die Stadt Köln, das Land NRW beteiligt sich im Rahmen seiner Krankenhausreform mit einem Zuschuss von 250 Millionen Euro.
Wird das reichen?
Das ist ungewiss. Kliniken-Geschäftsführer Daniel Dellmann formulierte am Mittwoch vage: „Unser Eindruck ist schon, dass wir im Moment fähig sind, das Projekt auch so umzusetzen.“ Es sei aber noch „ein bisschen zu früh“, um verlässlich sagen zu können, ob das Geld „reicht oder nicht oder zu viel ist“. Bei der aktuell laufenden Sanierung des Bettenhauses in Merheim, die Teil des Gesamtprojekts ist, hatten die Kliniken Ende des vergangenen Jahres bereits eine Kostensteigerung um 15 Prozent gegenüber der ursprünglichen Schätzung eingeräumt, ohne eine genaue Summe zu nennen. Es hieß, man könne die Mehrkosten durch „Sicherheitspositionen im Gesamtbudget der Maßnahme“ decken.

Am neuen Haupteingang zum Gesundheitscampus Merheim soll es eine eigene KVB-Haltestelle geben.
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Wie ist der aktuelle Stand des Projekts?
Es läuft die Kernsanierung im sogenannten „A-Strang“ des Bettenhauses 20, das ab 1976 gebaut worden ist und 1983 in Betrieb genommen wurde. Die Arbeiten auf sieben Etagen im laufenden Betrieb bezeichnete Goßmann am Mittwoch als „Operation am offenen Herzen“. Diese Baumaßnahme habe eine „bemerkenswerte Größe“ und sei bereits „sehr weit fortgeschritten“. Man habe Zusammenlegungen im restlichen Gebäude und Verlegungen nach Holweide vornehmen müssen. „Die Baumaßnahmen laufen exzellent“, sagte Goßmann: „Nach jetzigem Stand können wir 2026 schon erste Stationen in Betrieb nehmen und werden die Sanierung des A-Strangs 2027 abschließen. “
Wie geht es weiter?
Das Grundstück östlich des Bettenhauses in Merheim gehört inzwischen den Kliniken der Stadt Köln, dort sollen noch in diesem Jahr alte Bestandsgebäude abgerissen werden. Wann genau die Grundsteinlegung im kommenden Jahr erfolgen kann, hängt davon ab, wie schnell der noch einzureichende Bauantrag genehmigt wird. Dellmann ist optimistisch: „Wir haben ja naturgemäß ein ganz gutes Verhältnis zur Stadt Köln, die unsere Gesellschafterin ist.“ Die Stadt hat sich zuletzt bei ihren Bauprojekten allerdings nicht mit Ruhm bekleckert, vor allem die Oper und die Mülheimer Brücke sind Beispiele für enorme Kostensteigerung und Zeitverzögerung. Es beim Gesundheitscampus besser zu machen, sei „unser Anspruch“, sagte Goßmann.

Über eine zentrale Magistrale soll am Gesundheitscampus Merheim der Zugang in alle Bereiche erfolgen.
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Welche Besonderheiten wird es bei dem neuen Klinikkomplex geben?
Das neue Kinderkrankenhaus (in der Visualisierung mit rötlicher Fassade) und der Erweiterungsbau für die Erwachsenenmedizin direkt daneben werden den neuesten medizinischen Standards entsprechen, Goßmann ist die Begeisterung anzuhören, wenn er die verschiedenen Bereiche erklärt. Kinderklinik, Frauenklinik und Perinatalzentrum werden unmittelbar miteinander verbunden sein, risikoreiche Verlegungen zwischen Holweide und der Amsterdamer Straße fallen damit weg.
Auf dem Dach des Kinderkrankenhauses seien Sportflächen und möglicherweise ein kleiner Streichelzoo vorgesehen, wie Goßmann ausführte. Herzstück zwischen Kinderklinik und Erwachsenenbereich wird ein Integriertes Notfallzentrum sein als zentrale Anlaufstelle für alle Notfallpatientinnen und -patienten, sowohl liegend als auch gehend. Zudem wird es von außen anfahrbare Isolationsräume und eine Infektionsstation mit separatem Eingang geben. „Da haben wir aus der Corona-Zeit gelernt“, sagte Goßmann.
Ist nicht auch ein unterirdisches Krisenzentrum geplant?
Die Idee gibt es, und auch eine Kostenschätzung: rund 40 Millionen Euro würde das kosten (wir berichteten). Das Geld haben die Kliniken nicht, deshalb ist aktuell nur eine zweigeschossige Tiefgarage geplant, die allerdings direkt an das Notfallzentrum angrenzt. Die beiden Geschäftsführer, Goßmann und Dellmann, haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben, die Summe für ein Krisenzentrum doch noch irgendwie aufzutreiben. „Krisen werden natürlich häufig mit Krieg assoziiert“, sagte Goßmann: „Aber Krisen sind nicht nur kritische Auseinandersetzungen, das können auch Naturkatastrophen sein, ich erinnere an das Ahrtal, es können Terroranschläge sein, Verkehrs- oder Chemieunfälle.“ Medizinisch betrachtet gehe es in einer Krise darum, einem Massenanfall von Verletzten gerecht zu werden. „Und wir haben hier die wirklich einmalige Chance, ein hochmodernes Krisenzentrum in eine Klinik zu integrieren.“
Warum findet sich dafür kein Geldgeber?
Es gebe in der Politik und in der Gesellschaft eine große Zustimmung, sagte Goßmann, die Sinnhaftigkeit eines solchen Krisenzentrums stehe außer Frage und auch der Standort. „Es gibt ja kaum ein zweites Mal in Deutschland eine solche Neubausituation mit Kinder- und Erwachsenenmedizin in einem Ballungsgebiet, einer Industrieregion, an einem Verkehrsknotenpunkt.“
Das Problem seien die unterschiedlichen Zuständigkeiten: für Katastrophen ist das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe zuständig, für Terror das Innenministerium, für kriegerische Auseinandersetzungen etwa im Bündnisfall das Verteidigungsministerium, für Pandemien das Gesundheitsministerium. „Es fehlt im Moment eine bundesweit einheitliche Struktur“, sagte Goßmann. Er rechne damit, dass es da in den nächsten Jahren Veränderungen geben werde, das Förder-Fonds für ein solchen Projekt aufgestellt werden. „Aber dann ist es für uns zu spät. “

