Zwischen Kardinal Rainer Woelki und dem Festkomitee (FK) Kölner Karneval herrscht Eiszeit.
Eiszeit zwischen Kardinal und KarnevalKölner Dreigestirn lässt Besuch beim Erzbischof erneut ausfallen

Das amtierende Kölner Dreigestirn wird dem Erzbischof keinen Besuch abstatten.
Copyright: Daniela Decker
Das Kölner Dreigestirn lässt auch in diesem Jahr den traditionellen Besuch beim Erzbischof ausfallen, wie FK-Sprecher Michael Kramp auf Anfrage mitteilte. Jahrelang war die Visite des Trifoliums samt FK-Vorstand im erzbischöflichen Haus gelebter Brauch. Dem Vernehmen nach gab es dafür nie eine formelle Einladung, sondern beide Seiten verabredeten einen passenden Termin.
Legendär die Besuche beim inzwischen verstorbenen Kardinal Joachim Meisner, der sich mit sichtlichem Vergnügen den Hut des Bauern anstelle der Mitra aufsetzte und mit dem Dreschflegel als Insignie des Bauern so gekonnt hantierte wie mit dem Bischofsstab. Alles Vergangenheit. Zuletzt fand der Kirche-Karneval-Gipfel im Jahr 2020 statt.
Kölner Dreigestirn: Kein Besuch im erzbischöflichen Haus
„Nach zwei Jahren Corona und der Übernahme der Amtsgeschäfte durch den Apostolischen Administrator haben wir diese Besuche nicht wieder aufleben lassen“, sagt Kramp – mit Anspielung auf Woelkis vom Papst angeordnete mehrmonatige Auszeit, die in die Session 2021/22 fiel. Als oberste Ansprechpartner der beiden christlichen Konfessionen besuche das Dreigestirn seitdem den katholischen Stadtdechanten Robert Kleine und den evangelischen Stadtsuperintendenten Bernhard Seiger. „Sie zelebrieren den Domgottesdienst für Karnevalisten und sind auch bei der Proklamation des Kölner Dreigestirns unsere Gäste“, so Kramp weiter. In diesem Jahr hielt Kleine sogar die Festrede. Begründung des Festkomitees: „Er ist den Menschen zugewandt, überaus beliebt bei den Leuten und vor allem ein Vollblut-Karnevalist.“
Alles zum Thema Erzbistum Köln
- Eiszeit zwischen Kardinal und Karneval Kölner Dreigestirn lässt Besuch beim Erzbischof erneut ausfallen
- Karneval Barbarossa ritt bei Prunksitzung in Reichshof-Wildberg auf Holzpferd in die Halle
- Mundart Biesfelder Schwank strapaziert die Lachmuskeln
- Forschungsprojekt Sexuelle Gewalt in der Pfadfinderschaft St. Georg
- Gastbeitrag zur katholischen Kirche Die Diskriminierung der Frauen durch machtgeile Männer ist nicht akzeptabel
- Auftakt zu neuer Schulungsreihe Stadt Köln und Vereine informieren über ehrenamtliche Vormundschaft
- Bilanz In Bergneustadt polarisierte 2025 vor allem die Kommunalwahl
Grundsätzlich gehöre die Kirche zum Karneval und seiner Historie dazu. Das werde sich auch nicht ändern, betont Kramp. Aber: „Einen Automatismus, wen wir zu unseren Veranstaltungen einladen oder wen das Dreigestirn besucht, gibt es nicht.“
Bruch zwischen Festkomitee und Kardinal
Der „Kölner Stadt-Anzeiger“ hat bei Woelki um eine Stellungnahme gebeten. Doch der Kardinal reagierte weder auf diese Bitte, noch beantwortete er die Fragen, ob er versucht habe, das Dreigestirn nach der mehrjährigen Pause wieder ins erzbischöfliche Haus einzuladen, und welche Veranstaltungen im Kölner Karneval er in der laufenden Session besucht habe oder noch besuchen werde.
Der Bruch zwischen Festkomitee und Kardinal wurde bereits im Januar 2022 sichtbar, als Woelki wegen seines Umgangs mit dem Missbrauchsskandal im Erzbistum nicht zur Prinzenproklamation geladen war. Seitdem gab es keine Einladung mehr in den Gürzenich. 2023 kritisierte das FK als Dachverband für mehr als 140 Karnevalsgesellschaften und Vereine den Kardinal offen in den sozialen Medien, nachdem Woelki den Pfarrer von Mettmann abgemahnt hatte. Dieser hatte bei einem Gottesdienst auch gleichgeschlechtliche Paare gesegnet. FK-Präsident Christoph Kuckelkorn stellte damals klar: „Bei uns ist Platz für jeden Jeck, egal wen er liebt.“ Im vorigen Jahr warf Woelkis Amtsleiter Frank Hüppelshäuser dem Kölner Karneval wegen eines Mottowagens im Rosenmontagszug eine Verunglimpfung Jesu Christi vor.

