Blaue-Funken-Präsident Björn Griesemann feiert seinen 50. Geburtstag. Erst im Veedel, dann im Zoch.
Ein Zoch voller ÜberraschungenPräsidenten-Wecken, Flashmob, Tränen und ein Abschied mit Konfetti-Kanonen

Prinz Niklas I passiert die Severinstorburg.
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Der Zoch kütt – an diesem Rosenmontag bereits um 7.30 Uhr – und das in der Siebengebirgsallee. Während am Chlodwigplatz noch Ruhe herrscht, geht in Klettenberg schon „et Trömmelche“. Ein Anwohner, der aus dem Schlaf gerissen wurde, formuliert es später drastischer: „De han wie jeck op de Trumm jeklopp!“ Der Spielmannszug der Blauen Funken ist vor das Haus ihres Präsidenten gezogen, um ihm gleich mehrere kölsche Lieder zu kredenzen: Björn Griesemann feiert seinen 50. Geburtstag. Erst im Veedel, dann im Zoch.

Der scheidende Präsident des Kölner Festkomitees, Christoph Kuckelkorn, wird von den Blauen Funken mit einem Banner geehrt.
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Der soll um 10 Uhr an der Severinstorburg starten, doch die Jecken am Zugrand werden von einem Flashmob überrascht. Ein großer „Ehrenamtschor“ hebt noch einmal das Motto „Alaaf – mer dun et för Kölle“ hervor, das die Session mit geprägt hat. Die nächste Überraschung folgt kurz darauf: Vier Blaue Funken stellen sich mit einem Banner mit der Aufschrift „Chris, mer freuen uns op Dich!“ und einer großen Funkenfigur in den Weg. Dann regnete es Konfetti in Blau von der Torburg, als Christoph Kuckelkorn mit seinem Wagen startete. Nach der Session tritt er bekanntlich als Festkomitee-Präsident ab. Seine Gesellschaft, die Blauen Funken, sorgen jedoch dafür, dass nicht nur die ersten Meter zu einem Triumphzug werden: Auch am Ende des Zochs gibt es Konfetti en masse für den scheidenden Oberjecken, der sichtlich gerührt wirkt.
Solidarität mit Düsseldorfer Wagenbauer Jacques Tilly
Es entwickelt sich ein Rosenmontagszug der Überraschungen und Emotionen. Hatte es im Vorfeld Kritik am Festkomitee gegeben, da keine Reaktion auf den Prozess in Russland gegen Düsseldorfs Wagenbauer Jacques Tilly erfolgt war, marschiert nun der Hilfsverein für die Ukraine, das Blau-Gelbe Kreuz, mit. Die Fußgruppe präsentiert frühere Satiremotive von Tilly und den Kritzelköpp, die die Kölner Wagen entwerfen, und bekommt lautstarken Beifall.
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Karnevalisten des Blau-Gelben Kreuzes tragen ein Schild eines früheren Satiremotivs von Jacques Tilly.
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Auch auf dem Präsidenten-Wagen Kuckelkorns wird die Solidarität der Kölner Karnevalisten mit dem Düsseldorfer Wagenbauer dokumentiert: Die Aufschrift „Mer all sin Tilly“ ist nicht zu übersehen. Der Bildhauer muss sich bekanntlich wegen Verunglimpfung der russischen Staatsorgane verantworten, dazu gehören neben der russischen Armee auch Präsident Wladimir Putin.
Hunderte Helferinnen und Helfer begleiten den Zug
In den Reigen der Überraschungen reiht sich das Wetter ein. Auf die Schneereste des Vortags prasseln kurzzeitige Regenschauer, aber auch „et Sönnche“ kommt hier und da heraus – als wolle schon der April grüßen. Der zunehmende Wind lässt bei der Einsatz-Leitstelle Vorsicht walten: Sicherheitshalber werden Planen am Zugweg zusammengerollt. Als später noch ein Gewitter droht, werden Pferde und Kutschen an den Auslassstellen aus dem Zug geleitet. Der Stimmung kann das nichts anhaben. Im Gegenteil: Bei diesem Menschenschlag schlägt das jecke Gen voll durch.

Wind und Regen können der Stimmung nichts anhaben.
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Beispiel Aykol. Der 62-Jährige ist einer von Dutzenden AWB-Mitarbeitenden und einer von Hunderten Helferinnen und Helfern, die den Zoch begleiten – und er ist nicht zu überhören: Aykols Instrument ist die Trillerpfeife. Eine Melodie gelingt ihm damit nicht, dafür aber großartige Stimmung, als er tanzend durch das Spalier der Zuschauer zieht. Die sind nach ersten Eindrücken so zahlreich entlang der Strecke, dass von der Einsatz-Leitstelle wie im Vorjahr spontan Umleitungen angeordnet werden müssen. So ist am Mittag der Bereich zwischen Heumarkt und Alter Markt zu voll, auch sollen Besucher den Bereich um den voll gefüllten Wallrafplatz meiden.
Technische Defekte lassen Zug ins Stocken geraten
Sängerin Marita Köllner, an Weiberfastnacht gestürzt, wird von so vielen Zuschauern entlang des Zugwegs bejubelt, dass sie ihre Tränen nicht zurückhalten kann. Außergewöhnlich verläuft der Zoch auch für Ingrid Kühne, die bei der Großen Kölner Karnevalsgesellschaft mitfährt: Die Rednerin kehrt dem Kölner Karneval nach der Session den Rücken – auch sie wird gefeiert.

Marita Köllner ist wieder auf dem Posten.
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Mit Überraschungen der anderen Art werden gleich mehrere Treckerfahrer konfrontiert: Technische Defekte sorgen dafür, dass der Zug immer wieder ins Stocken gerät. Das Fahrzeug der Schwazze Kääls fällt im Bereich Blaubach aus, ein Ersatztraktor muss her. Die grün-gelbe Bimmelbahn, die für die Luftflotte im Einsatz ist, muss auf der Schildergasse von den Gesellschaftsmitgliedern Richtung Neumarkt geschoben werden. Auch die Goldenen Jungs haben mit ihrem Gefährt kurzzeitig Probleme.
Weil Rosenmontag in diesem Jahr früher liegt als im vergangenen und es dementsprechend früher dunkel wird, ist der Zug kürzer – 21 Persiflagewagen, 74 Festwagen, 60 Kapellen, 11.500 Teilnehmende. Und doch ist klar, als Prinz Niklas gegen 15.15 Uhr in den Zoch startet: Seine Tollität sowie Bauer Clemens und Jungfrau Aenne werden das Ziel nicht mehr im Hellen erreichen. Das ist schon vielen Regenten vor ihnen so ergangen. Aber auch im Dunkeln ist gut schunkeln.

