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Im Kölner SüdenAutos in Serie beschädigt – Gericht weist Randalierer in Psychiatrie ein

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Der Beschuldigte mit seinem Verteidiger Ingo Lindemann beim Prozessauftakt im Kölner Landgericht

Der Beschuldigte mit seinem Verteidiger Ingo Lindemann beim Prozessauftakt im Kölner Landgericht

In mehreren Straßenzügen hatte der Mann sich an geparkten Autos zu schaffen gemacht. 

Für Vandalismus in Serie muss ein 39-jähriger Kölner für unbestimmte Zeit in die geschlossene Psychiatrie. Der Mann hatte im Kölner Süden immer wieder geparkte Autos beschädigt und gilt als gefährlich für die Allgemeinheit – ein Gutachter wollte zukünftige Angriffe auch auf Menschen nicht ausschließen. Bereits zum Prozessauftakt hatte sich angedeutet, dass der Angeklagte schuldunfähig sein könnte. Verteidiger Ingo Lindemann hatte von einem „Hilferuf“ seines Mandanten gesprochen.

Köln: Formaler Freispruch, aber Einweisung in Psychiatrie

Aufgrund der fehlenden Schuldfähigkeit erging vor dem Landgericht zwar formal ein Freispruch. Durch die gleichzeitig verhängte Einweisung in die forensische Klinik könnte der Mann aber viel länger unter Verschluss bleiben, als dies bei einer zu erwartenden Gefängnisstrafe der Fall gewesen wäre. In einem vergleichbaren Fall mit 406 zerkratzten Autos hatte ein Täter zweieinhalb Jahre Haft erhalten. Nun entscheiden Ärzte, wann und ob der Beschuldigte wieder in die Freiheit entlassen werden kann.

Eines der beschädigten Fahrzeuge aus dem aktuellen Strafverfahren.

Eines der beschädigten Fahrzeuge aus dem aktuellen Strafverfahren.

Die Vandalismusserie nahm im Juni 2024 in der Goltsteinstraße in Bayenthal ihren Anfang, wo bei einem BMW 118i ein Reifen zerstochen wurde. Laut Anklage folgten zahlreiche weitere Taten in schneller Abfolge. Fahrzeuge von Marken wie Audi, Mercedes, Jaguar und VW wurden ebenfalls beschädigt, indem Scheiben eingeschlagen, Reifen aufgeschlitzt oder der Lack zerkratzt wurde.

Nachdem innerhalb von zwei Wochen in den Stadtteilen Bayenthal, Marienburg, Raderthal und Raderberg bereits 60 Fahrzeuge demoliert worden waren, konnte die Polizei einen Verdächtigen ermitteln. Zwei Zeuginnen hatten den Mann gemeldet, als er an zwei Autos die Reifen manipulierte. Der Verdächtige wurde von der Polizei in der Nähe eines Tatorts aufgegriffen.

Köln: Schaden von Vandalismus beträgt 270.000 Euro

Bei der Festnahme fand man bei dem 39-Jährigen ein Klappmesser und einen Schraubendreher, die als wahrscheinliche Tatwerkzeuge gelten. Da der Mann nach seiner Freilassung offenbar weitermachte, wurde er im Oktober 2024 in Untersuchungshaft genommen. Nach einer kurzzeitigen Entlassung soll er laut Staatsanwaltschaft seine Taten fortgesetzt haben.

Der Schaden wurde auf 270.000 Euro beziffert. Solche Vandalismusschäden werden in der Regel nur von Vollkaskoversicherungen übernommen. Verteidiger Lindemann betonte, dass sein mittelloser Mandant für den Schaden ohnehin nicht aufkommen könne.

Köln: Traumatisierter Angeklagter wollte Aufmerksam erregen

Der Verteidiger hatte ausgeführt, sein Mandant habe mit den Zerstörungen lediglich Aufmerksamkeit erregen wollen. Der 39-Jährige sei ein Israeli palästinensischer Herkunft und wolle in seine Heimat zurückkehren, was ihm aufgrund seiner psychischen Verfassung nicht möglich sei. Eine frühere Haft in Israel mit erheblichen Gewalterfahrungen als Jugendlicher habe ihn schwer traumatisiert.

Der Mann leide an einer wahnhaften Störung und verweigere die Einnahme von Medikamenten. Er misstraue Ärzten und Pflegern, denen er unterstellt habe, ihn vergiften zu wollen. Das hatte laut Anwalt zeitweise zu einem Hungerstreik geführt. Aktuell ist der Beschuldigte im Justizvollzugskrankenhaus Fröndenberg untergebracht.