Ohne Zuwanderung würde Köln nicht wachsen. Vor welchen demografischen Herausforderungen die Stadt steht.
Neue Statistik zur BevölkerungKöln hat jetzt 1,1 Millionen Einwohner

In Köln leben mittlerweile 1,1 Millionen Menschen (Symbolbild).
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1,1 Millionen Einwohner zählt Köln seit dem Jahreswechsel, so viele wie noch nie. Aus der neuen Bevölkerungsstatistik der Stadt geht hervor: Zum Stichtag 31. Dezember 2025 waren in Köln 1.100.076 Menschen gemeldet. Das sind 2557 mehr als im Vorjahr. Die Stadt ist damit um 0,2 Prozent weitergewachsen. Das ist typisch für eine Großstadt, wenn auch etwa München schneller wächst (plus 0,5 Prozent).
Dass die Einwohnerzahl Kölns zunimmt, hat nichts mit der Geburtenzahl zu tun: Die sogenannte natürliche Bevölkerungsentwicklung ist seit 2022 negativ. Das heißt, mehr Menschen sterben als neu geboren werden.

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Während des Babybooms in den 1960er wurden mehr als 16.000 Babys pro Jahr in Köln geboren. Später sank die Zahl in den 80ern zunächst, worauf in den 2010er Jahren ein Anstieg auf jährlich mehr als 10.000 Geburten folgte. Dieser Trend ist nun wieder rückläufig. Auch 2025 gab es wieder weniger Neugeborene als im Vorjahr: 9059 Babys kamen in Köln zur Welt. Ein Niveau, das zu niedrig ist, um die Bevölkerung aus sich heraus zu erhalten. Zugleich sind 10.123 Kölner gestorben – das ergibt einen Negativsaldo von 1064.
Kölns Wachstum hängt im dritten Jahr in Folge allein von der Zuwanderung ab. 56.321 Menschen kamen 2025 in die Stadt, 53.280 sind fortgezogen. Das reicht knapp, um die negative natürliche Bevölkerungsentwicklung auszugleichen, und ergibt ein Plus von 3041.
Zuwanderung
Wer nach Köln zieht, kommt vor allem aus dem Ausland. Schaut man sich nur die Bewegungen aus anderen deutschen Städten nach Köln an, ergibt sich ein Plus von 2853. Rechnet man Zuzüge aus dem Ausland und Wegzüge gegeneinander, ergibt sich ein Plus von 7085 Menschen. Ähnlich war es schon in den Vorjahren, da lag es aber noch deutlich höher (Durchschnitt vorige zehn Jahre: +11.500). Das liegt zum Beispiel daran, dass 2015 und 2016 besonders viele Menschen im Zuge der Migrationswelle nach Köln kamen. 2022 wuchs Köln wegen des Angriffskriegs Russlands, der allein in dem Jahr 11.539 Ukrainer nach Köln trieb. Insgesamt wurden 2025 weniger Bewegungen über die Kölner Stadtgrenze verzeichnet als im Vorjahr.
2025 kamen die meisten Zugezogenen aus der Türkei (1489), danach gefolgt von der Ukraine (1439). Dass Kölns Einwohnerzahl stark von der Zuwanderung abhängt, macht es für die Stadt wenig berechenbar, wie stark sie in einem bestimmten Jahr wachsen oder schrumpfen wird. Bricht die Zuwanderung etwa durch wirtschaftliche Krisen ein, droht Köln zu schrumpfen, weil ihr eigenes demografisches Fundament, die Geburten, als Puffer ausbleiben.
Heißt: Ohne die Zuwanderung aus dem Ausland würde Köln also in ihrer Einwohnerzahl sinken. Mehr Einwohner bedeuten aber mehr Arbeitskräfte, ein Wirtschaftswachstum durch mehr Konsum und mehr Steuereinnahmen, kulturelle Vielfalt durch die Internationalisierung der Stadt und eine demografische Verjüngung. Denn Zuwanderer sind oft jünger als der Bevölkerungsschnitt.
Andererseits bedeutet eine wachsende Bevölkerung auch: Wohnraum wird knapper, Mieten und Immobilienpreise steigen, der Druck auf Schulen und Krankenhäuser nimmt zu, Familien ziehen ins Umland, weil sie dort mehr bezahlbaren Wohnraum finden. Auch das ist in Köln zu beobachten. Das endet in einem Kreislauf, der noch weniger Geburten für Köln nach sich zieht.
Migrationshintergrund

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Die Zuwanderung, vor allem aus dem Ausland, wirkt sich auch auf eine weitere Kölner Statistik aus: In Köln leben immer mehr Menschen mit einem Migrationshintergrund. 2025 stieg der Prozentsatz auf 43,1 an. Dazu zählt die Stadtverwaltung nichtdeutsche Staatsangehörige, eingebürgerte Deutsche, Aussiedlerinnen und Aussiedler und deutsche Kinder unter 16 Jahren mit mindestens einem Elternteil mit Migrationshintergrund im Haushalt. Vor zehn Jahren waren es noch rund 38 Prozent.
Köln ist jung

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Wer nach Köln zieht, ist häufig jung. In der Altersgruppe der 18- bis 30-Jährigen hat Köln im Vorjahr 9449 neue Einwohner gewonnen, die Zu- und Fortzüge in dieser Spanne schon gegengerechnet. Studierende und junge Berufstätige suchen traditionell die Anbindung an die lebendige Großstadt und ihre Infrastruktur. In Köln sind 100.000 Menschen an einer der 24 Hochschulen eingeschrieben. Das sind zehn Prozent der Bevölkerung und belegt einmal mehr, dass die Stadt ein Wissenschafts- und Forschungsstandort ist. Entsprechend ist der Durchschnitts-Kölner 2025 mit 42,7 Jahren zwei Jahre jünger als der Durchschnitts-Deutsche (44,9 Jahre, jüngste Daten aus 2024).
Wegzug von Familien
In allen anderen Altersspannen haben mehr Menschen Köln verlassen als zugezogen sind: die Unter-18-Jährigen, vor allem die 30- bis 60-Jährigen und auch Senioren. Dass gerade Familien wegziehen, lässt sich darüber hinaus auch an der sinkenden Zahl der Haushalte mit Kindern ablesen. 2025 waren das 101.926 und damit 606 weniger als im Vorjahr. Gründe für die Suburbanisierung, also den Wegzug ins Umland einer Großstadt, sind typischerweise hohe Immobilienpreise und ein angespannter Mietmarkt. Mit beidem wartet auch Köln auf. Die Kreise um Köln herum gewinnen entsprechend mehr Bewohner durch innerdeutsche Zuzüge dazu, als sie durch Wegzüge verlieren.
Demografischer Wandel
Insgesamt altert die deutsche Bevölkerung. Und: Jede Generation ist kleiner als die vorherige. Statt 2,1 Kinder, die es für eine stabile Bevölkerung bräuchte, bekommt eine Frau im Schnitt nur 1,4 Kinder. Der demografische Wandel heißt auch, dass die Gesellschaft mehr ältere Menschen hat, die versorgt werden müssen – die Babyboomer gehen jetzt in Rente. Also fehlen Arbeitskräfte, und der Pflegebedarf steigt. Auch in Köln ist ein Viertel der Bevölkerung älter als 60 Jahre.
Das stellt die Stadt vor Herausforderungen, etwa genügend Pflegeeinrichtungen für die Kölner zu schaffen. Deshalb entschieden Verwaltung und Rat sich im Vorjahr schon dafür, Pflege in der Stadtplanung zu priorisieren: Bei einem neuen Bebauungsplan sollen solche Einrichtungen vorrangig mitgedacht werden.
Mehr Senioren leben allein
In Köln gibt es insgesamt 575.992 Haushalte, auch diese Zahl ist 2025 erneut gestiegen. 51,9 Prozent davon sind Single-Haushalte (298.905). Auch das ist typisch für eine Großstadt. In den Stadtstaaten liegt die Quote bei circa 50 Prozent, in ganz Deutschland aber nur bei 41 Prozent. Gründe sind die vielen Studierenden in der Stadt, eine hohe Fluktuation durch zugezogene junge Menschen und das Problem von Familien, in der Stadt größere, bezahlbare Wohnungen zu finden.

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Auch unter den Seniorenhaushalten ist die Quote der Wohnungen, in denen nur eine Person lebt, hoch. Per Definition handelt es sich um einen Seniorenhaushalt, wenn die jüngste Person mindestens 60 Jahre alt ist. Von den 146.634 Seniorenhaushalten sind 96.716 nur von einer Person bewohnt. Das sind 2208 Single-Seniorenhaushalte mehr als 2024. Es wohnen also viele ältere Kölnerinnen und Kölner allein.

