Der 50-jährige Beschuldigte äußerte sich beim Prozessauftakt im Kölner Landgericht.
Nach ExplosionGastronom vor Gericht – Sohn gilt als Schlüsselfigur im „Kölner Drogenkrieg“

Im Juni 2025 kam es zu einer Explosion in einem Restaurant in Deutz.
Copyright: Arton Krasniqi
Ein Kölner Restaurantbetreiber muss sich seit Mittwoch wegen des Vorwurfs der Geldwäsche und der Beihilfe zu möglichen Drogengeschäften vor dem Kölner Landgericht verantworten. Der 50-Jährige soll seinen Sohn im Oktober bei der Abwicklung von illegalen Geschäften geholfen haben, obwohl dieser bereits in Untersuchungshaft saß. Das macht den Fall brisant: Bei dem Sohn handelt es sich um Sermet A., den mutmaßlichen Bandenboss und die Schlüsselfigur im eskalierten „Kölner Drogenkrieg“.
Köln: Aus der Haft heraus mit dem Vater telefoniert
Im Oktober 2024 wurde Sermet A. auf der geplanten Durchreise von Dubai in Paris festgenommen. Trotzdem soll er in seiner Auslieferungszelle in Frankreich über mehrere Handys verfügt und unter anderem mit seinem Vater telefoniert haben. Die Gespräche, die die Behörden überwachten, sollen den Vater schwer belasten. Die Aufzeichnungen sollen nächste Woche im Gerichtssaal abgespielt und übersetzt werden – sie wurden in einem speziellen Dialekt aus dem nordirakischen Raum geführt.

Der Angeklagte wird von einem Wachtmeister in den Kölner Gerichtssaal geführt.
Copyright: Arton Krasniqi
Konkret wird dem Angeklagten vorgeworfen, von seinem Sohn über Handlanger insgesamt 317.000 Euro Bargeld entgegengenommen und weitergeleitet zu haben. Dabei sei ihm bewusst gewesen, dass das Geld aus Drogengeschäften stammte und der Abwicklung von Geschäften aus dem Bereich der Schwerstkriminalität diente, so führte es der Staatsanwalt aus. Der Restaurantbetreiber habe schon vorher gewusst, dass sein Sohn Sermet A. seinen Lebensunterhalt mit Drogengeschäften bestreite.
Alles zum Thema Amts- und Landgericht Köln
- Nach Explosion Gastronom vor Gericht – Sohn gilt als Schlüsselfigur im „Kölner Drogenkrieg“
- Prozess um Autorennen Angeklagte machten nach tödlichem Unfall bei Wesseling im Schockraum Selfies
- Tatort Köln-Mülheim Mildere Strafe nach Kopfschuss-Mord? Richter äußert klare Meinung
- Betrugsvorwürfe Verfahren gegen Rhein-Bergs ehemaligen JU-Vorsitzenden eingestellt
- Georgische Familie Mutter fürchtet Abschiebung aus Lohmar und Tod des Sohns
Ferner wirft die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten vor, sein Restaurant in Deutz für eine Einbestellung von Mitgliedern der Drogenbande genutzt zu haben. Er habe die Männer zu einem Drogenraub befragt – Sermet A. waren aus einer Lagerhalle in Hürth 350 Kilogramm Marihuana abhandengekommen und er verdächtigte laut Ermittlern seine eigenen Leute. Diese seien kurzzeitig gefesselt worden. Man habe gedroht, sie „mitzunehmen“ und damit laut Anklage Folter suggeriert.
Köln: Angeklagter will sich später zu den Vorwürfen äußern
Die Verteidiger Carsten Heinen und Gabor Subai kündigten eine Einlassung des Mandanten für einen späteren Zeitpunkt an. Zunächst müssten alle in der Akte aufgeführten Telefonüberwachungen übersetzt und gesichtet werden. Diese könnten laut des Mandanten auch entlastend sein. Auch Sohn Sermet A. ließ über Verteidiger Wolf Bonn seine grundsätzliche Bereitschaft zur Aussage mitteilen. Allerdings hat der 24-Jährige auch in seinem eigenen Prozess bisher zu den Vorwürfen geschwiegen.
Zu seinem Werdegang berichtete der Restaurantbesitzer dem Vorsitzenden Richter Wolfgang Schorn jedoch ausführlich. Er habe im Irak zunächst Jura studiert und sei Teil der Nationalmannschaft im Kickboxen gewesen. Geflüchtet sei er im Jahr 1999 vor dem Regime. Nach seiner Aussage habe zu dieser Zeit der Sohn des damaligen Machthabers Saddam Hussein als eine Art Sportminister fungiert und Sportlern gedroht, sie bei schlechten Ergebnissen bei Wettkämpfen ins Gefängnis zu stecken.
Köln: Restaurantbesitzer berichtet von Explosion in Deutz
Auf den Ringen habe der Angeklagte einen Döner-Imbiss eröffnet, später folgten zwei Restaurants. Zwischenzeitlich habe er im Nordirak eine Granatapfelplantage betrieben und in diverse Immobilien investiert. Bis zuletzt habe er sehr hohe Gewinne abgeschöpft. Richter Schorn sagte, dass es wichtig sei, im Prozess die finanziellen Verhältnisse des 50-Jährigen zu klären. Um zu sehen, ob ein Anreiz für die Entgegennahme illegaler Gelder bestanden habe. Laut dessen Angaben offenbar nicht.
Einen Wendepunkt habe die Inhaftierung seines Sohnes dargestellt, sagte der Angeklagte aus. Es sei ständig Polizei in seinem Lokal in Deutz aufgetaucht. Und dann sei es ja im Juni vergangenen Jahres zur Explosion gekommen – offenbar ein Vergeltungsschlag. Danach habe er die faktische Führung des Restaurants an einen Mitarbeiter abgegeben, auch der Name wurde leicht abgeändert. Maßnahmen, um nicht noch mehr Gäste zu verlieren, erklärte der Angeklagte. Der Prozess wird fortgesetzt.

