Das Dom-Hotel soll nach der Eröffnung wieder eine Zufahrt über den Roncalliplatz erhalten. Doch benötigt es dauerhaft eine Autoauffahrt?
Pro und ContraEine Autozufahrt für das Dom-Hotel – Sicherheit wichtiger als Glamour?

Visualisierungen des Dom-Hotel in Köln
Copyright: Cadman/Althoff Hotels
Das Dom-Hotel soll nach der Eröffnung wieder eine Zufahrt über den Roncalliplatz zum Haupteingang erhalten – allerdings nur vorübergehend, bis die städtische Tiefgarage darunter saniert ist. Das hat die Frage aufgeworfen, ob das Luxushotel auch dauerhaft eine Autoauffahrt für die Gäste benötigt. Unsere Autoren Peter Berger und Tiim Attenberger kommentieren.
Pro: Ein wenig Glamour für das Millionendorf Kölle
Willkommen in Köln, dem Millionendorf Köln, das sich wahlweise auf Augenhöhe mit Berlin, München und Hamburg wähnt oder mittendrin im Herzen Europas. Und sich eine Provinzposse nach der anderen erlaubt. Das Dom-Hotel ist fast fertig. Endlich. Nach einem quälend langen Jahrzehnt und einer denkmalgeschützten Fassade, die am Ende von dem 1893 eröffneten und im Zweiten Weltkrieg zum Teil zerstörten Fassade übrigblieb. Das Luxushotel wird den Roncalliplatz mit dem dahinsiechenden Sanierungsfall des Römisch-Germanischen Museums und den anderen noch zu erwartenden Großbaustellen in seiner unmittelbaren Umgebung dermaßen aufwerten, dass selbst die Hohe Domkirche aufatmen dürfte, wenn sie es könnte, weil sie endlich wieder einen adäquaten Nachbarn an ihrer Seite weiß. Und nicht mehr nur Bauzäune und den Eingang zu einer Einkaufsstraße, die von der Rückkehr in die erste Liga Jahre entfernt ist.
Doch was macht der Kölner, anstatt seiner Freude Ausdruck zu verleihen? Er krittelt herum und gräbt so lange in Verwaltungsvorschriften und Verkehrsausschuss-Unterlagen, bis er im Jahr 2013 fündig wird. Da ist von der Umwidmung des Roncalliplatzes die Rede und davon, dass dieser nur in Ausnahmefällen befahren und beparkt werden darf. Aus Gründen des öffentlichen Wohles sei die Benutzung der Flächen rund um den Dom auf Fußgänger zu beschränken. Und auf Pflastermaler, mobile Toiletten, Konzertbesucher und Fahrzeuge jeglicher Art, solange sie nur Baumaterial transportieren. Luxusautos, deren Besitzer es nicht nur gewohnt sind, sondern es auch genießen möchten, standesgemäß vor einem Luxushotel vorfahren zu können oder sich gar chauffieren zu lassen, passen da nicht ins Bild.
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Sie gehören in die Tiefgarage – also auf die Flächen, die noch nicht vom Zusammenbruch bedroht sind. Damit den Gästen gleich klar wird: Wir sind hier nicht in Paris, Mailand oder Rom. Nicht einmal in Düsseldorf. Wir sind in Kölle, dem Millionendorf, in der ein solcher Sachverhalt rauf und runter diskutiert wird wie in einem Kleingartenverein. Wenn das alles nicht hilft, um die Zufahrt zu verhindern, bleibt immer noch das Thema Sicherheit. Als ob die Geschäftsleitung eines Fünf-Sterne-Hauses bei der Kundschaft das nicht auf dem Schirm hätte und entsprechende Vorkehrungen träfe. Als ob man sich mit Polizei und Stadt nicht über Sicherheitsstandards und die Kosten dafür einigen könnte. Es geht um Glamour, Glanz, ein bisschen große Welt. Das könnte Köln nicht schaden.
Contra: Sicherheit am Kölner Dom ist wichtiger
Dass die bereits vor mehr als einem Jahrzehnt beendete Diskussion um eine Autozufahrt für das Dom-Hotel auf dem Roncalliplatz derzeit wieder aufbrandet, muss für Verwunderung sorgen. Denn ein gewichtiges Argument dafür, dass die Hotelgäste nicht mit ihrem Auto auf der Domplatte herumfahren dürfen, ist die Sicherheit. Der damalige Polizeipräsident Uwe Jacob hatte im Sommer 2017 von einer hohen abstrakten Anschlagsgefahr am Dom gesprochen. Die Stadt Köln investierte damals 250.000 Euro, um die Domplatte in ein Bollwerk gegen Anschläge zu verwandeln, indem sie rund um die Kathedrale 100 Stahlpoller aufstellen ließ.
An der Situation hat sich grundsätzlich nichts geändert. Dass Attentäter bei Anschlägen Kraftfahrzeuge als Waffe einsetzen, kommt weiterhin regelmäßig vor. So gab es etwa im vergangenen Jahr Vorfälle dieser Art in Mannheim und München. Die abstrakte Gefahrenlage besteht also nach wie vor. Insofern wäre es doch allzu einfach, wenn jemand lediglich ein Hotelzimmer buchen müsste, um mit einem Auto ungehindert auf die Domplatte zu gelangen. Natürlich ließe sich eine Auffahrt zum Hoteleingang ebenfalls abpollern, damit ein Autofahrer sie nicht ohne Weiteres verlassen kann. Bleibt die Frage, wie das aussehen würde, soll und muss das Umfeld des Kölner Doms doch städtebaulich möglichst hochwertig anmuten.
Darüber hinaus hatte die Stadtverwaltung im städtischen Amtsblatt vom 7. August 2013 angekündigt, dass die Stadt „beabsichtigt“, die Benutzung von Flächen rund um den Dom auf Fußgänger zu beschränken. „Ein Befahren der Platzflächen durch den Anlieferverkehr sowie die Zu- und Abfahrt des Dom-Hotels sind künftig nicht mehr möglich“, hieß es damals. Das Dom-Hotel beziehungsweise der Eigentümer verzichtete auf eine Einwendung dagegen.
Und nicht zuletzt hätte es weitere Alternativen für eine Autozufahrt gegeben. Die Stadtverwaltung hatte angeboten, eine solche an der Straße Am Hof einzurichten. Der Haupteingang hätte sich im Zuge der jahrelangen Sanierung problemlos dorthin verlegen lassen, die Eigentümer verzichteten auf diese Option. Zudem wäre es möglich gewesen, einen repräsentativen Zugang unter den Kolonnaden zu bauen, so dass Gäste von der Straße Am Hof aus im Trockenen in das Hotel hätten gelangen können. Stattdessen befinden sich dort nun Ladenlokale. Nichts spricht dagegen, in der Tiefgarage unter der Domplatte einen Zugang zu bauen, der etwas hermacht. Im Jahr 2026 müssen vor dem Weltkulturerbe Kölner Dom keine Autos mehr herumfahren.



