Der neue Job bei Visit Berlin soll am 1. Juni beginnen. Der bisherige Vertrag in Köln läuft allerdings noch bis zum 31. Januar 2027.
Nachfolgesuche läuftKöln-Tourismus-Chef Jürgen Amann will vorzeitig nach Berlin wechseln

Der Geschäftsführer von Köln-Tourismus, Dr. Jürgen Amann
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Der Geschäftsführer von Köln-Tourismus, Jürgen Amann, wird seinen Job in Köln aufgeben und nach Berlin wechseln, um dort Geschäftsführer der Tourismusorganisation Visit Berlin zu werden. Seinen neuen Job soll er laut einer Pressemitteilung bereits am 1. Juni dieses Jahres antreten, sein Vertrag in Köln läuft allerdings noch bis zum 31. Januar 2027. Ein vorzeitiger Wechsel sollte allerdings möglich sein, da der Aufsichtsrat von Köln-Tourismus die Position des Geschäftsführers ohnehin neu besetzen wollte. Nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ sollen mehrere Aufsichtsratsmitglieder die Arbeit des promovierten Wirtschaftsgeographen zuvor kritisiert haben.
Keine Zukunft in Köln
Wie zu erfahren war, wollte Amann seinen Anfang 2025 auslaufenden Vertrag ursprünglich um fünf Jahre bis Anfang 2030 verlängern. Der Aufsichtsrat der Stadttochter Köln-Tourismus verwehrte ihm das jedoch und entschied, den gebürtigen Oberbayer nur für zwei Jahre weiterzubeschäftigen. Und damit nicht genug: Die Aufsichtsratsmitglieder beschlossen, für die Zeit ab 2027 eine Nachfolge zu suchen. Damit signalisierten sie Amann deutlich, dass es für ihn in Köln keine Zukunft mehr geben würde. In der Folge bewarb sich der Geschäftsführer in Berlin und bekam eine Zusage.
Doch warum wollte der Aufsichtsrat Amann nicht länger halten? Der 53-Jährige hatte die Geschäftsführung der offiziellen Tourismusorganisation der Stadt Köln im Februar 2020 und somit unmittelbar vor Beginn der Corona-Pandemie übernommen – also in einer Zeit, die für den Tourismus besonders schwierig war. Nach der Pandemie ging es für die Branche in Köln rasant bergauf. Im Jahr 2024 kamen so viele Touristen in die Stadt wie noch niemals zuvor: Es gab 7,1 Millionen Übernachtungen und 4,2 Millionen Gäste. Das klingt nach einer Erfolgsgeschichte, die einen Wechsel an der Spitze der Tourismusorganisation eher unverständlich erscheinen lässt. Im Rathaus gibt es dementsprechend auch Stimmen, die Amann eine hohe Fachkompetenz bescheinigen.
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Gäste mit hoher Kaufkraft im Visier
Dem Vernehmen nach sollen die Schwierigkeiten vielmehr betriebsintern aufgetreten sein. Amann bemühte sich demnach darum, das etwas angestaubte Unternehmen umzukrempeln und neu auszurichten. Dabei stieß er offenbar in der Belegschaft auf Widerstände, was zu Streitigkeiten geführt haben soll. Darüber hinaus bei einigen im Rathaus die Strategie nicht gut angekommen sein, vor allem Menschen mit überdurchschnittlicher Kaufkraft sowie digital affine und kulturell interessierte Gäste nach Köln locken zu wollen. Man habe sich stattdessen gewünscht, ein etwas breiteres Publikum anzusprechen, ist zu hören.
Max Derichsweiler, Aufsichtsratschef von Köln-Tourismus und bis voriges Jahr Ratsmitglied der Grünen, sagte am Montag, dass zurzeit „konstruktive Gespräche über eine vorzeitige Vertragsbeendigung“ laufen. Doch noch läuft laut Derichsweiler der Prozess, eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger zu finden. Man sei auf einem „guten Weg“. Dem Vernehmen nach wird der Aufsichtsrat bereits bei einer Sitzung am Mittwoch eine Entscheidung treffen, ob Amann das Unternehmen vorzeitig verlassen darf.
Derichsweiler wollte die Pressemitteilung von Berlin Visit nicht kommentieren, in der das Unternehmen bereits am 16. Dezember Amanns Wechsel verkündet hatte – und damals auch schon den 1. Juni als Einstiegsdatum nannte, obwohl kein Aufhebungsvertrag in Köln vereinbart war. Amann habe ihn zuvor informiert, aber „die Kurzfristigkeit hat mich überrascht“. Näher wollte er nicht darauf eingehen.
Zu den Gründen, warum der Aufsichtsrat Amanns Vertrag nur zwei statt der üblichen fünf Jahre bis zum 31. Januar 2027 verlängert hatte, nannte Derichsweiler keine konkreten Gründe. Er sagte: „Der Aufsichtsrat hat sich dazu entschieden, diese Vertragslaufzeit zu wählen, weil das Gremium der Meinung war, dass diese zwei Jahre eine gute Zeit sind, die begonnenen Projekte zu beenden. Und damit die Geschäftsführung eine Übergabe an einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin vorbereiten kann.“ Vor allem der letzte Satz belegt, dass die kurze Vertragslaufzeit ein Signal an Amann gewesen sein dürfte. Amann selbst war am Montag auf einer Konferenz und war daher für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

