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„Fünf Euro sind die Grenze“Was Touristen und Kölner vom Dom-Eintritt halten

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Für den Dom soll ab der zweiten Jahreshälfte eine Eintrittsgebühr erhoben werden.

Für den Dom soll ab der zweiten Jahreshälfte eine Eintrittsgebühr erhoben werden. 

Einige der Befragten würden bei einer Gebühr von mehr als fünf Euro vom Dom-Besuch absehen. Andere meinen: Die Kirche hat schon genug Geld.

Es ist ungewöhnlich leer vor und im Dom an diesem Donnerstag, an dem das Domkapitel verkündet hat, künftig Eintritt in noch nicht festgelegter Höhe für die Kathedrale zu nehmen. Eine Entscheidung, die bundesweit auf Interesse stößt. Es sind viele Medienvertreter und Kamerateams unterwegs, um die wenigen Touristen und Einheimischen nach ihrer Meinung zu der grundlegenden Neuerung zu befragen. Dompropst Guido Assmann gibt ein langes TV-Interview. An den Pforten hinter ihm ist es so ruhig, dass die Domschweizer genug Zeit für einen kleinen Plausch mit dem Besuchern haben.

Julian Ülberth und Stefanie Wukovits kommen aus Wien.

Julian Ülberth und Stefanie Wukovits kommen aus Wien.

Stefanie Wukovits und Julian Ülberth kommen schlendernd aus dem Gotteshaus heraus in die Sonne. Sie sind aus Wien angereist. Was sie von dem geplanten Eintritt für Kölns wichtigste Sehenswürdigkeit halten? „Also, wir sind jetzt nur eine Runde durchgegangen. Bei zwei oder drei Euro Eintritt hätten wir wohl verzichtet“, sagt sie. Und er meint grinsend: „Wir sind da ein bisschen Kulturbanausen. Oder besser gesagt Atheisten.“ Ob im Wiener Stephansdom Eintritt verlangt wird? Das wissen sie nicht. Die Recherche ergibt: für den Großteil des Innenraums ja.

Heike Steinmetz (l.) und Alexandra Schumann sind aus dem Westerwald zu Besuch.

Heike Steinmetz (l.) und Alexandra Schumann sind aus dem Westerwald zu Besuch.

Zwei Freundinnen aus dem Westerwald auf Kurztrip streben zum Dom-Eingang, den Blick immer nach oben. „Wenn das Eintrittsgeld wirklich zur Unterhaltung des Doms eingesetzt wird oder für die Domschweizer – die heißen doch so, oder? – dann finde ich das okay. Es darf aber nicht zweckentfremdet werden“, sagt Alexandra Schumann. „Hier gibt es doch sicher auch viel Vandalismus bei so vielen Touristen.“ Die Grenze für die beiden liegt aber bei drei bis fünf Euro. „Das ist halt an Touristenorten so. In London muss man auch alles bezahlen. Aber mit London ist das eigentlich hier nicht zu vergleichen“, sagt Heike Steinmetz.

Claudia Maier (l.) und Ingrid Heinemann aus Düsseldorf

Claudia Maier (l.) und Ingrid Heinemann aus Düsseldorf

Untergehakt spazieren zwei befreundete Nachbarinnen aus Düsseldorf. Sie sind unterschiedlicher Meinung. Ingrid Heinemann ist 90 Jahre alt und empfindet es als gut, dass künftig Eintritt genommen wird – auch wegen der Würde der Kathedrale. Fünf Euro sieht sie als Grenze. „Für Kinder sollte es kostenlos sein.“ Ihre jüngere Begleiterin Claudia Maier sagt jedoch: „Das ist ein wichtiges Kulturgut, und das sollte für alle Menschen zugänglich sein. Und die Kirche ist nicht so arm, dass sie das nötig hat. Ich zahle sehr viel Kirchensteuer.“

Julia Henne (l.) Dominik Eiwen und Stella Starke sind Touristen aus Stuttgart.

Julia Henne (l.) Dominik Eiwen und Stella Starke sind Touristen aus Stuttgart.

Auch drei Freunde aus Stuttgart sind skeptisch. „Der Dom ist eines unserer wichtigsten Ziele. Aber einfach nur um reinzugehen, würde ich eher nicht zahlen“, sagt Stella Starke (22). „Wir haben eine Dachführung gebucht, dafür zahlen wir natürlich gerne.“ Aber bei fünf Euro Eintritt wäre Schluss: „Der Dom sieht ja schon von außen imposant genug aus.“ Und Dominik Eiwen (23) fügt hinzu: „Wir sind ja auch aus dem Schwabenland.“ Dass der Dom durch den Eintrittspreis von Besuchermassen entlastet wird, glauben sie nicht. „Wir waren im Louvre, der ist teuer, aber immer noch wahnsinnig voll“, sagt Julia Henne (22).

Kölner sind am Dom erfahrungsgemäß eher in der Minderheit. Eine Zeitungsleserin im Domforum gibt sich als solche zu erkennen. „Ich finde einen Eintritt nicht gut. Es wird Menschen geben, die das nicht bezahlen können. Zumindest müsste man Staffelungen einführen.“ Andererseits gebe es in anderen Ländern ja durchaus Eintrittsgebühren für Kirchen. „Aber die katholische Kirche kriegt doch so viele Steuergelder. Wir Bürger zahlen doch schon für den Erhalt der Gotteshäuser.“

Innerlich zum Kardinal auf Abstand gegangen

Eine ältere Dame – „Ich bin Imi, 88 Jahre alt und lebe hier seit 40 Jahren“ – meint: „Das muss man wirklich abwägen. Durch den Dom trabt ja wirklich jeder einfach so durch.“ Und die Kirche habe wegen des Rückgangs der Gläubigen tatsächlich viel weniger Geld. „Irgendwo muss es ja herkommen.“ Allerdings sei sie inzwischen innerlich auch „auf Abstand zum Kardinal gegangen“. Das Mitleid halte sich also in Grenzen.

Völlig unbeeindruckt zeigt sich der Saxofonist, dessen Töne vor dem Portal erklingen. Obwohl ihm vielleicht später ein paar Euro fehlen würden, wenn die Besucher schon für den Dom bezahlen müssen.

Einige Touristen suchen wegen des gewohnt starken Luftzugs am Dom vor dem unansehnlichen großen Zaun Schutz, der derzeit den direkten Weg zum Hauptbahnhof versperrt. Einige fragen nach dem Weg oder schauen auf ihrem Handy nach, wie sie ans nächste Ziel gelangen. Eine Gruppe japanischer Studenten macht Selfies. Sie sprechen kaum Englisch (und wir kein Japanisch) und können die Frage nach dem Eintritt deshalb nicht beantworten. Zum Dom aber haben sie eine eindeutige Meinung: alle Daumen hoch.