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Restaurierung nötigStadt Köln soll bis zur 2000-Jahr-Feier die Schätze aus der Römerzeit retten

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Der begehbare römische Abwasserkanal unter der Großen Budengasse

Der begehbare römische Abwasserkanal unter der Großen Budengasse

Im Jahr 2050 wird die Stadt Köln ihr großes Jubiläum feiern. Bis dahin will die Politik die wichtigsten Denkmäler aus römischer Zeit sanieren.

Köln erhielt am 8. Juli im Jahr 50 nach Christus von Kaiser Claudius die Stadtrechte verliehen – auf Wunsch seiner Ehefrau Agrippina der Jüngeren entstand die Colonia Claudia Ara Agrippinensium (CCAA). Die Stadt wird also im Jahr 2050 ihr 2000-jähriges Bestehen feiern und auf ihr römisches Erbe zurückblicken. Doch seit vielen Jahren steht der lieblose Umgang damit in der Diskussion, denn viele Denkmäler aus dieser Zeit befinden sich in einem miserablen Zustand.

Bedeutende Rolle Kölns in der Antike

Das soll sich in den nächsten 24 Jahren ändern, wenngleich angesichts einer schwierigen Haushaltslage kaum Geld dafür zur Verfügung steht. Die Fraktionen von Grünen, CDU, Linke, Volt und FDP/KSG wollen in der nächsten Sitzung des Kulturausschusses einen Vorstoß unternehmen, um sich einen Überblick zu verschaffen. Denn so ganz klar ist es nicht, wie viel es insgesamt kosten würde, die Denkmäler zu sanieren, und wie dringend solche Instandsetzungen nötig sind.

Klarheit schaffen soll eine tabellarische Aufstellung sämtlicher Außen- und Bodendenkmäler mit Angaben zur Zugänglichkeit, zum Restaurierungsbedarf und zu dessen Dringlichkeit. Wie viel Geld es kosten würde, ein Denkmal instandzusetzen, soll das Kulturdezernat in drei Kategorien einordnen: Hoch (mehr als eine Million Euro), mittel (zwischen 100.000 Euro und eine Million Euro) und gering (weniger als 100.000 Euro). 

Die fünf Fraktionen begründen ihren Antrag mit der bevorstehenden 2000-Jahr-Feier und der bedeutenden Rolle Kölns bereits während der Antike. „Zur Vorbereitung dieses großen Jubiläums ist es wichtig, die Schätze aus der Römerzeit und ihren baulichen Zustand zu kennen“, heißt es in dem Schriftstück. 

Zustand lässt zu wünschen übrig

Der aktuelle Zustand vieler Denkmäler aus der römischen Zeit in Köln lässt jedoch zu wünschen übrig. So ist das Römisch-Germanische Museum (RGM) am Roncalliplatz seit 2019 aufgrund einer umfangreichen Sanierung geschlossen – seitdem ist im Ausweichquartier im Belgischen Haus in der Nähe des Neumarkts nur noch ein kleiner Ausschnitt der Exponate zu sehen. Weltberühmte Exponate wie das Dionysos-Mosaik (um welches das RGM herumgebaut wurde) und das Poblicius-Denkmal sind seitdem nicht mehr zugänglich, weil sie während der Sanierung abgedeckt vor Ort verblieben.

Die römische Hafenstraße neben dem RGM fristet ein Schattendasein und dient einigen Menschen eher als Ort, um Abfall auf den Boden zu werfen. Wäre die Historische Mitte wie zunächst geplant gebaut worden, wäre die Hafenstraße eindrucksvoll inszeniert worden. Mit der Entscheidung der Stadt das Projekt nach dem Rückzug der Hohen Domkirche als Baupartner aufzugeben, verlor auch die römische Straße ihre Perspektive. Ähnlich geht es dem Römischen Hafentor am benachbarten Kurt-Hackenberg-Platz. Es soll zwar für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, passiert ist das aber noch immer nicht.

Und auch ein 113 Meter langer, gut erhaltener und vollständig begehbarer römischer Abwasserkanal unterhalb der Großen Budengasse fristet ein Dasein im Verborgenen, weil der Brandschutz nicht den aktuellen Vorschriften entspricht. „Der archäologische Wert ist nicht hoch genug einzuschätzen“, sagte Marcus Trier, Direktor des Römisch-Germanischen Museums. Den zehn Meter unter der Straße liegenden Kanal für Touristen und Kölner wieder sichtbar und erlebbar zu machen, wäre aus seiner Sicht ein großer Gewinn. Dass nun untersucht wird, wie sich der Kanal sanieren ließe, ist der Fördergesellschaft LVR-Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln zu verdanken. Der Stadt Köln fehlte auch dafür das Geld.

Es bleibt in den kommenden 24 Jahren also noch viel zu tun, damit Köln das römische Erbe und 2000 Jahre Stadtrechte auch tatsächlich würdevoll feiern kann.