Bis alle 62 Fahrzeuge für das Niederflurnetz durch Köln fahren, könnte das Jahr 2033 erreicht sein.
Erster Zug kommt im Herbst 2027Stadtbahn-Hersteller Alstom liefert mit vier Jahren Verspätung

Jetzt heißt es Durchhalten: Die ersten Züge der neuen Stadtbahnen für die Linie 1 werden frühestens im Sommer 2028 durch Köln fahren. Foto: Uwe Weiser
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Mit vier Jahren Verspätung wird die erste neue Stadtbahn für das Niederflurnetz der Kölner Verkehrs-Betriebe, zu dem die Linien 1, 7, 9, 12 und 15 gehören, das Alstom-Herstellerwerk in Barcelona verlassen. Das hat das Unternehmen auf Anfrage unserer Redaktion mitgeteilt.
Die Fertigung soll noch in diesem Monat beginnen, die erste der 60 Meter-Bahnen im zweiten Halbjahr 2027 und zu Testfahrten in Köln eintreffen. „Der Weg für die Produktion der 62 neuen Straßenbahnen für Köln ist frei. Alstom und die KVB haben alle offenen Fragen einvernehmlich geklärt“, sagt ein Alstom-Sprecher. Die Fahrgastbetrieb soll im Sommer 2028 starten, die Lieferung der Züge schrittweise erfolgen. „Alstom bedauert die verspätete Auslieferung.“
Mit 60 Metern die längsten Bahnen der Welt
Laut Lieferplan wird rund die Hälfte der 62 Fahrzeuge im Jahr 2030 einsatzbereit sein. Nach jetzigem Stand wird es sich aber bis ins Jahr 2033 hinziehen, ehe der Auftrag abgeschlossen ist. „Alstom setzt jedoch alles daran, die Lieferung in den kommenden Jahren zu beschleunigen. Generell ist das Ziel, so schnell wie möglich so viele Fahrzeuge wie möglich nach Köln zu liefern“, sagte der Sprecher weiter.
Als Gründe für die Verspätung führt das Unternehmen vor allem die Komplexität des Projekts an. „Mit einer Länge von 60 Metern werden die Fahrzeuge zu den längsten Straßenbahnen der Welt gehören. Zudem konnten offene Konstruktionsfragen erst Ende vergangenen Jahres abschließend geklärt werden“, so der Alstom-Sprecher. Zusätzlich habe es Probleme mit den Zulieferern und „andere Themen“ gegeben.

Die Sitze für die neuen Stadtbahnen von Alstom sind seit Juli 2022 schon da - und stehen im Straßenbahnmuseum in Thielenbruch.
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Dass zwischen der Produktion und der Lieferung des ersten Fahrzeugs knapp eineinhalb Jahre liegen, begründet Alstom mit der Sicherheit. „Die ersten Fahrzeuge müssen umfangreiche Tests durchlaufen, im Stand und dynamisch auf der Strecke in unserem Werksgelände. Das Fahrzeug wird dann in der Wiener Klimakammer und letztlich im Kölner Netz auf Herz und Nieren geprüft. Erst nach Abschluss aller Tests kann die Zulassung beantragt werden. Für die behördliche Zulassungsprüfung müssen auch mehrere Monate eingeplant werden“, sagte der Sprecher.
Der Auftrag, im November 2020 vergeben, hat ein Volumen von 363 Millionen Euro. Die 60 Meter langen einteiligen Züge sollen einen Teil der 124 Bahnen der Baureihe K 4000 ersetzen, deren älteste Exemplare bereits seit 1995 in Betrieb sind.
KVB muss alte Züge für 48 Millionen Euro sanieren
Bei der Bestellung war vereinbart worden, dass die beiden ersten Test-Bahnen ab September 2023 geliefert und im Alltagsbetrieb auf ihre Tauglichkeit getestet werden. Je nach Ausbau des Streckennetzes haben die KVB und Alstom die Lieferung von weiteren elf Lang- und 25 Kurzzügen vereinbart. Diese zusätzlichen Fahrzeuge für die Ost-West-Achse zwischen Bensberg und Weiden-West sind aber nur hinterlegt, also noch nicht bestellt.
Wegen der Verzögerungen von vier Jahren musste die KVB im vergangenen Sommer rund 48 Millionen Euro ausgeben, um 40 Altfahrzeuge einer Generalsanierung zu unterziehen, damit sie länger fahren können. Die Bahnen, größtenteils 30 Jahre alt, sollten eigentlich im Laufe des Jahres 2024 nach und nach ausgemustert und durch 62 neue Züge des Bahnherstellers Alstom ersetzt werden. Bis heute hat das Unternehmen aber keinen einzigen geliefert. Die Züge werden vor allem für den Betrieb der Linie 1 zwischen Weiden-West und Bensberg dringend gebraucht.
Die KVB erwartet, dass Alstom neben der Vertragsstrafe für die verspätete Lieferung auch alle Kosten für das Auffrischen der alten Züge übernehmen muss. „Die Vertragsstrafe ist vertraglich geregelt und wird vollumfänglich geltend gemacht“, sagte ein KVB-Sprecher im August 2025. Bei der Sanierung aller alten Züge wären das allein 148 Millionen Euro – das sind knapp 40,8 Prozent des Auftragsvolumens für die neue Flotte.
Ursprünglich war man davon ausgegangen, dass die Instandsetzung der 40 alten Züge rund 20 Millionen Euro kostet und hatte für diesen Fall im Haushalt des vergangenen Jahres Rückstellungen in Höhe von rund 28 Millionen Euro gebildet. „Dieser Betrag war ein Schätzwert“, so der KVB-Sprecher damals. „Bei genauer Überprüfung der Fahrzeuge hat sich herausgestellt, dass eine wesentlich umfangreichere Sanierung erforderlich ist als angenommen.“
Bereits im November 2024 hatte Alstom auch eingeräumt, dass man mit dem Bau der einteiligen Langzüge, wie die KVB sie bestellt hat, keine Erfahrung habe und es „konstruktionstechnische Probleme“ gebe. Der Auftrag sei vergleichbar mit einer Sonderbestellung. „60 Meter lange Fahrzeuge mit einer Achslast von zehn Tonnen und einer Breite von 2,65 Meter sind für uns eine technische Herausforderung“, sagte ein Mitarbeiter damals.
Kurz vor ihrem Ausscheiden Ende März hatte die ehemalige KVB-Chefin Stefanie Haaks zum Alstom-Desaster noch einmal eindeutig Stellung bezogen: „Zehn Jahre Vorlaufzeit muss ich bei einer Neubeschaffung locker einplanen. Wenn aber selbst das nicht reicht, und das passiert bei uns ja gerade mit einem Weltkonzern, der einfach nicht liefert, obwohl die ersten Bahnen schon im September 2023 kommen sollten, kann man nur noch den Mangel verwalten.“

