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Kölner PantaleonsviertelStadt änderte Kriterien für Suchthilfezentrum – Initiative fordert Aufklärung

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Der Container auf dem Neumarkt dient als Anlaufstelle für die Anwohner.

Der Container auf dem Neumarkt dient als Anlaufstelle für die Anwohner.

Während der Standortsuche änderte die Stadt ihre Kriterien bezüglich der Entfernung zum Neumarkt. Der OB soll sich äußern, fordert die IG Pantaleonsviertel.

Die Bürgerinitiative IG Pantaleonsviertel hat am Montag kritisiert, dass die Stadt Köln die Kriterien für ein neues Suchthilfezentrum in der Kölner Innenstadt im Oktober 2025 während der Suche verändert hat. Es gebe erheblichen zusätzlichen Aufklärungsbedarf gegenüber der Öffentlichkeit und den Politikern im Stadtrat. Wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ berichtete, prüfte die Stadtverwaltung laut interner Unterlagen zunächst lediglich Standorte, die sich maximal einen Kilometer vom Neumarkt entfernt befinden.

Ende Oktober wurde der auf Radius auf den Bereich zwischen einem Kilometer und 1,5 Kilometern geändert. Die letztendlich ausgewählte Fläche zwischen Perlengraben und Wilhelm-Hoßdorf-Straße  im Pantaleonsviertel ist vom Neumarkt 1,2 Kilometer entfernt. In einem  Dokument des Gesundheitsamtes vom 24. Oktober 2025 heißt es: „Der neue Standort soll sich weiter weg vom Neumarkt befinden als zunächst geplant.“ Bereits begonnene Überlegungen, die Ostseite des Neumarkts zu nutzen, auf der sich derzeit ein Container als Anlaufstelle für die Anwohner befindet, wurde verworfen.

Wer traf die Entscheidung?

Die Stadt hatte auf Anfrage bestätigt, den Suchradius im Oktober geändert zu haben. Das sei „auch unter dem Gesichtspunkt eines weiteren perspektivischen linksrheinischen Suchthilfezentrums“ geschehen. Aufgrund der Erkenntnisse aus einem Austausch mit Kollegen aus Zürich und der Prüfung von fußläufigen Wegen sei die Entfernung anschließend auf rund einen Kilometer für die Verlagerung des Drogenkonsumraums vom Neumarkt eingeschränkt worden. „Abgesehen davon wurde auch im Radius von 1,5 Kilometern kein weiterer geeigneter Standort unter den Prüfkriterien gefunden“, teilte eine Stadtsprecherin mit.

„Hier klaffen interne Vorgaben und öffentliche Darstellung deutlich auseinander“, sagt Andreas Zittlau, Vorstandsvorsitzender der IG Pantaeleonsviertel, die sich gegen den von der Stadt ausgewählten Standort für das Suchthilfezentrum engagiert. Es stelle sich nun zwingend die Frage, wer die Änderung der Suchkriterien veranlasste und aus welchen Gründen das geschah. Beides ließ die Stadt Köln am vergangenen Freitag auf Anfrage der Redaktion unbeantwortet.

Entlastung für betroffene Quartiere

Laut Zittlau sei zudem nicht erkennbar, dass innerhalb des neuen Suchrings systematisch weitere Alternativstandorte geprüft worden seien. Man habe sich verwaltungsintern stattdessen innerhalb weniger Tage auf den Spielplatz an der Wilhelm-Hoßdorf-Straße festgelegt. Die IG fordert jetzt eine Erklärung von Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) und eine vollständige Offenlegung des Entscheidungsprozesses. Der Vorgang könne das Vertrauen in die Nachvollziehbarkeit kommunaler Entscheidungsprozesse nachhaltig beeinträchtigen. „Ein objektiver Standortvergleich setzt voraus, dass alle Optionen nach denselben Maßstäben bewertet werden – genau das ist hier aus unserer Sicht nicht erfolgt“, sagt Zittlau.

Die Bürgerinitiative „Südi bleibt solidarisch“ hält es unabhängig von der genauen Ausgestaltung des Suchprozesses weiterhin für zentral, dass zeitnah ein funktionierendes Suchthilfezentrum geschaffen wird. „Der aktuell vorgesehene Standort liegt in einer Entfernung, die nach Einschätzung von Fachleuten grundsätzlich geeignet ist, von der Szene angenommen zu werden“, sagt Sprecher Sebastian Endres. Es sei entscheidend, dass eine Entlastung für die betroffenen Quartiere erreicht wird. „Nachdem kein anderer Standort besser geeignet zu sein scheint, spricht unserer Meinung nach nichts dagegen, das Suchthilfezentrum am Perlengraben zu errichten“, sagt Endres.

Das neue Suchthilfezentrum soll mehr als 2000 Quadratmeter groß sein und über zwei Stockwerke verfügen. Neben einem Drogenkonsumraum soll es Aufenthalts- und Ruheräume nach Zürcher Vorbild geben. Der bisherige Konsumraum im Gesundheitsmarkt am Neumarkt soll im Gegenzug wieder geschlossen werden.

Anlieger am Neumarkt planen unterdessen die Gründung einer Immobilien- und Standortgemeinschaft. „Der Zusammenschluss von Gewerbetreibenden und Eigentümern am Neumarkt, zu denen auch die Kreissparkasse Köln zählt, hat zum Ziel, Projekte und Maßnahmen zu initiieren, die die Aufenthaltsqualität am Neumarkt nachhaltig verbessern sollen“, sagte eine Sprecherin der Kreissparkasse auf Anfrage. Laut einer Pressemitteilung sollen sich durch eine abgestimmte Gestaltung, mehr Sauberkeit und zusätzliche Ordnungskräfte das Stadtbild und das Sicherheitsgefühl verbessern.