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LiteraturJunge Autorin bietet im Agnesviertel „Gedichte to go“

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Eine junge Frau mit lockigem Haar sitzt an einem kleinen gelben Tisch vor einer Buchhandlung. Sie schreibt auf einer grünen Schreibmaschine.

Die 18-jährige Ludmilla de Grussa sitzt samstags mit ihrer Schreibmaschine vor der Agnes-Buchhandlung.

Die 18-jährige Ludmilla de Grussa bietet samstags vor der Agnes-Buchhandlung ihre Dichter-Dienste an. Gegen eine Spende schreibt sie  Gedichte für jeden Anlass.

Die Inspirationen für ihre Gedichte bekommt Ludmilla de Grussa schnell zusammen. „Die Leute kommen zu mir, erzählen mir von bestimmten Erfahrungen, Interessen und Hobbys der Personen, für die das Gedicht bestimmt ist“, erläutert sie. „Ich versuche dann, eine Verbindung zwischen den Stichworten der Personen und meiner eigenen Interpretationen dieser Worte herzustellen, um das Gedicht zu verfassen. Pro Gedicht brauche ich normalerweise fünf bis 20 Minuten Zeit.“ Vom Umfang her ist ihre Lyrik sehr unterschiedlich. „Mal sind es vier Verse, mal werden es 40.“

Für die 18-jährige begeisterte Schreiberin und Oberstufen-Schülerin des Humboldt-Gymnasiums ist es eine liebgewonnene Wochenend-Routine geworden: Wenn sie Zeit hat, sitzt sie samstags mit ihrer nostalgischen, aber gut erhaltenen grünen Olympia-Schreibmaschine vor der Agnes-Buchhandlung an der Neusser Straße 63. Gegen eine freiwillige Spende bringt sie im Auftrag von Passanten Gedichte zu Papier, etwa als persönliches Geburtstagsgeschenk oder zu anderen Anlässen – oder auch einfach mal so. Häufig bleiben Leute stehen, werfen einen neugierigen Blick auf die Szenerie oder kommen miteinander vor dem Laden ins Gespräch.

Das ganz eigene Flair der Schreibmaschine

Zu ihrem kleinen Nebenjob kam sie durch eine Buchhändlerin der Agnes-Buchhandlung, die sie bei einem Hofflohmarkt tippend an der Schreibmaschine sah. Damals bot sie ihr an, dass sie auch mal in der Buchhandlung Gedichte schreiben kann. „Ich mag es, Dinge selbst auszulegen und zu gestalten“, so die Schülerin, die in ihrer Schule Leistungskurse in Deutsch und Kunst belegt. „Ich finde es viel schöner, auf einer Maschine zu schreiben, als per Hand oder auf dem Computer. Das Schreiben auf der Schreibmaschine hat etwas Persönlicheres, als auf dem Laptop zu tippen, und zugleich gegenüber der Handschrift ein bisschen Distanz.“ Außerdem mag sie das Rattern der Tasten und das schreibmaschinen-typische „Ping“ beim Zeilenumbruch. Das Maschinenschreiben lernte sie schon recht früh, an einer alten Schreibmaschine des Windecker Restaurants „Bergischer Hof“ – jenes Gerät war ihr persönlich aber dann doch ein wenig zu laut.

Auch für sich privat schreibt sie Gedichte. „Ich beobachte gerne die Menschen und die Natur um mich herum, arbeite viel mit Metaphern – so wie ich die Welt wahrnehme.“ Zu ihren literarischen Vorbildern zählt sie die Lyrikerin Sirka Elspaß sowie den norwegischen Autor Jon Fosse. Unter anderem trat sie bereits auf dem Kölner Buchfest, dem internationalen Elk-Literaturfestival in Kalk, in der Comedia, auf dem Flohmarkt am Ebertplatz sowie auf diversen Hofflohmärkten auf. Über Kontakte von Freunden und ihrer Familie ergeben sich weitere Auftrittsmöglichkeiten für sie. Wer also samstags über die Neusser Straße bummelt, kann mal schauen, ob die Jung-Lyrikerin vor dem Buchladen präsent ist – und vielleicht ein persönliches Gedicht mitnehmen. Auch per E-Mail ist sie erreichbar.

milladeg@icloud.com