Katarina Witt und ihre Trainerin Jutta Müller waren eines der schillerndsten Eiskunstlauf-Duos überhaupt. Ein Ausstellungsstück erinnert daran.
Olympischer MomentUnscheinbare Medaille mit viel Geschichte

Das Deutsche Sport & Olympia Museum in Köln.
Copyright: Alexander Schwaiger
Das Holzkästchen mit einer Erinnerungsmedaille von den Winterspielen 1994 in Lillehammer, die alle teilnehmenden Sportler und Trainer bekamen, sieht unscheinbar aus, doch darin steckt große deutsche Sportgeschichte. Die schwarze Unterschrift auf dem Holzdeckel ist in schwungvollen Lettern gesetzt, sie lautet: Jutta Müller. Ein Name, der zwangsläufig zu einem zweiten führt: Katarina Witt. Denn Müller und Witt bildeten eines der schillerndsten Eiskunstlauf-Duos, die es je gab.
Müller war ab 1977 immer an der Seite von Witt, die gestrenge, stets tadellos gestylte Trainerin führte die Eiskunstläuferin zu DDR-Zeiten zu zwei Olympiasiegen (1984 und 1988) und vier WM-Titeln (1984, 1985, 1987, 1988). Müller galt als unnachgiebig und knallhart, sie forderte absolute Disziplin. „Über eine einzige Praline zu viel konnte man den größten Ärger mit ihr kriegen“, sagte Witt mal über Müller. Nach deren Tod im November 2023 bezeichnete Witt ihre ehemalige Trainerin auf Facebook als „würdevolle und außergewöhnliche Frau, einzigartige Trainerin und Grand Dame der internationalen Eislauf-Welt“.

Erinnerungsmedaille von den Winterspielen 1994 in Lillehammer mit der Unterschrift von Eiskunstlauf-Trainerin Jutta Müller.
Copyright: Alexander Schwaiger
Als es auf die Winterspiele in Lillehammer zuging, hatte Witt ihre Karriere längst beendet und tanzte als Profi in großen Eis-Shows. Jutta Müller war nach der Wiedervereinigung als Trainerin aussortiert worden. Eine Demütigung, die sie laut Witt nie verwunden habe. Doch vor Lillehammer fand sich das legendäre Eiskunstlauf-Duo noch einmal zusammen, denn Witt entschied sich für ein Comeback in der ersten gesamtdeutschen Winter-Olympiamannschaft. Die inzwischen erlaubte Teilnahme von Profis machte es möglich.
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Man habe ihr unterstellt, öffentliche Aufmerksamkeit zu brauchen und deshalb ein Comeback angekündigt zu haben, schreibt Witt auf ihrer Homepage. Sie werde sicher kurz vor den Spielen noch aussteigen, hätten damals viele gedacht. Doch es sei ihr „Herzenswunsch“ gewesen, „dass ich zehn Jahre nach meiner ersten Goldmedaille in Sarajevo diese Weltbühne Olympische Spiele nutzen wollte, um zu zeigen, wir sollten Sarajevo bitte nicht vergessen. Dort wütete seit 1992 ein grausamer Bürgerkrieg“.
Witt wurde in Lillehammer dann Siebte, ihre Kür gelang ihr nicht wie gewünscht. Zufrieden war sie dennoch, wie sie schreibt: Die Anteilnahme der Menschen an ihrem Comeback, gerade in Deutschland, habe dazu geführt, „dass ich mit meinen dritten Olympischen Spielen 1994 endlich auch im vereinten Deutschland ankomme“.
Anlässlich der Winterspiele Milano Cortina 2026 blicken wir mit der Serie „Olympischer Moment“ in die Historie: 17 Tage lang geht es um Ausstellungsstücke, die im Deutschen Sport & Olympia Museum in Köln in der aktuellen Sonderausstellung „Höher, schneller, kälter!“ zu sehen sind. www.sportmuseum.de

