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PreissteigerungenWird Köln Deutschlands teuerste Taxi-Stadt?

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Das Bild zeigt Taxis am Breslauer Platz. (Symbolbild)

Im Oktober 2024 wurde eine Erhöhung der Kölner Taxitarife noch vom Rat abgelehnt. Nun könnte eine Erhöhung kommen. (Symbolbild)

Wegen der Mindestlohnerhöhungen hat die Verwaltung eine Vorlage entworfen, die gestaffelte Preissteigerungen vorsieht. Der Rat kann die Beschlussvorlage jedoch ablehnen.

Am Freitag war in Köln wieder Taxitag. Die Kölner Verkehrs-Betriebe streikten, da sind die hell-elfenbeinlackierten Wagen für viele Betroffene die Lösung, um von A nach B zu kommen. Natürlich geht das ins Geld. Bald könnte Taxifahren in Köln jedoch noch teurer, und Köln zur teuersten Taxistadt Deutschlands werden.

Die Stadtverwaltung schlägt dem Stadtrat vor, den Kilometerpreis ab 1. Juni 2026 von 2,60 Euro auf 2,90 Euro zu erhöhen. Das entspricht einer Kostensteigerung um rund 11,5 Prozent. Die Wartezeitkosten sollen zudem von 50 auf 60 Cent pro Minute (Steigerung um 20 Prozent) und der Zuschlag für Großraumtaxis von sechs auf sieben Euro (Steigerung um etwa 16,7 Prozent) erhöht werden. Die Grundgebühr soll unverändert bei 4,90 Euro bleiben. Ob diese Preisveränderungen wirklich so kommen, ist noch nicht sicher: Der Rat der Stadt Köln soll in der nächsten Sitzung am 19. März über die höheren Preise diskutieren und kann sie auch ablehnen.

Die Änderungen wurden durch die Kölner Interessenvertretung „Taxi 17“ beantragt. Das ist ein gewöhnlicher Prozess, da das Taxiwesen zum Kölner ÖPNV gehört und der Rat somit für die Taxitarife zuständig ist. „Die Erhöhung ist eine wirtschaftliche Notwendigkeit“, sagt Alexander Tritschkow, Geschäftsführer von „Taxi 17“ dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Im Taxigewerbe würden 60 Prozent der Kosten im Personalbereich anfallen – Tendenz steigend wegen der Mindestlohnerhöhungen.

Weitere Erhöhungen für 2027 geplant

Auch die Verwaltung begründet die Erhöhung der Preise mit den gestiegenen Personal- und Betriebskosten, die demnach insbesondere durch die Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns verursacht werden. Bereits im September 2024 hatte die Stadtverwaltung eine Beschlussvorlage entworfen, die eine Anpassung des Taxitarifs wegen der damaligen Mindestlohnerhöhungen vorgesehen hätte. Doch damals lehnte der Rat die Erhöhung ab. Deshalb gelten aktuell noch immer die Grund- und Kilometerpreise von 2022. Inzwischen hat es drei Mindestlohnerhöhungen gegeben.

Die einzige Änderung, die im Oktober 2024 am Taxitarif von 2022 beschlossen wurde, war die Einführung eines „Tarifkorridors“. Danach sind Festpreise per vorheriger Bestellung in einer App oder telefonisch erlaubt. Allerdings darf der Festpreis maximal 20 Prozent höher oder fünf Prozent unter dem gültigen Beförderungsentgelt liegen. Der „Tarifkorridor“ habe jedoch keine wirtschaftlichen Verbesserungen herbeigeführt, so Tritschkow. Er verweist auch auf die KVB, die ebenfalls zum Kölner ÖPNV gehören: „In der Zeit, in der sich unsere Preise nicht erhöht haben, hat die KVB zwei Preissteigerungen umgesetzt.“

Die Grund- und Kilometerpreise von 2022 waren an den damaligen Mindestlohn angepasst. Der ist inzwischen von zwölf Euro (2022) auf 13,90 Euro (2026) gestiegen und soll zum 1. Januar 2027 erneut auf dann 14,60 Euro erhöht werden. Dann könnte es abermals zu einer Anhebung der Taxipreise kommen.

Die aktuelle Vorlage sieht nämlich eine zweistufige Anpassung vor: Die Grundgebühr soll demnach ab 1. März 2027 von 4,90 Euro auf fünf Euro und der Kilometerpreis von 2,90 Euro auf drei Euro erhöht werden. Das wäre eine Steigerung um rund drei Prozent verglichen mit dem Kilometerpreis ab Juni 2026 – sowie eine Steigerung um rund 15,4 Prozent verglichen mit dem aktuellen Kilometerpreis.

Welche Auswirkungen auf den Gesamtpreis einer Taxifahrt die einzelnen Preiserhöhungen hätten, verdeutlicht ein Beispiel: Während im Jahr 2022 eine sieben Kilometer lange Taxifahrt bei einer Wartezeit von vier Minuten 25,10 Euro gekostet hat, wären es ab Juni 2026 insgesamt 27,60 Euro und ab März 2027 schon 28,40 Euro. Das wären Erhöhungen um zehn (2026) beziehungsweise 13,1 (2027) Prozent.

Köln im bundesweiten Vergleich am teuersten

Sollte der Stadtrat den höheren Preisen zustimmen, wäre der Taxitarif in Köln der teuerste unter den deutschen Großstädten. Für die oben genannte Beispielstrecke zahlt ein Taxifahrer in Frankfurt (Main) aktuell 23,33 Euro, in Hamburg 25,93 Euro, in Berlin 26,50 Euro und in München 27,40 Euro.

Allerdings betont die Verwaltung der Stadt Köln, dass die Taxitarife der anderen Städte die Erhöhung der Mindestlöhne ab 1. Januar 2026 noch nicht einberechnen. Daher geht die Verwaltung davon aus, dass auch die anderen Städte ihre Taxitarife noch erhöhen werden und Köln dann möglicherweise nicht mehr die höchsten Preise hätte.

Uneinigkeit in der Taxibranche

Innerhalb der Kölner Taxibranche ist die Forderung nach höheren Taxikosten umstritten. Während Interessensvertretung „Taxi 17“ sich klar dafür ausspricht, befürchtet „Taxi Ruf“, eine andere Interessenvertretung von Kölner Taxifahrern, dass die Tariferhöhung die wirtschaftliche Notlage verschlimmert. Alexandar Dragicevic, Vorstand von „Taxi Ruf“, sagt im Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“: „Solange die Politik die Dumping-Preise bei Anbietern wie ‚Uber‘ zulässt, sind wir wirtschaftlich gezwungen, auf eine Erhöhung der Tarife zu verzichten.

Der Mindestpreis ist jetzt schon zu hoch. Wenn er noch höher wird, verlieren wir noch mehr Kunden.“ Dragicevic fordert einen „fairen Wettbewerb, in dem sich der Beste durchsetzt“.“ Solange Mietwagenbetriebe wie „Uber“ nicht ebenfalls vom Mindestpreis betroffen wären, könne es keinen freien und gerechten Wettbewerb geben.

Viele Taxiunternehmen verzeichnen seit Jahren erhebliche Umsatzrückgänge. Laut Branchen-Experten ist die Zahl der Taxis in den meisten deutschen Städten deutlich zurückgegangen, Lizenzen würden zurückgegeben und das Einkommen der Fahrer schrumpfe. Zahlreiche Betriebe hielten sich beispielsweise mit Krankentransporten über Wasser, doch auch die Krankenkassen wissen inzwischen, dass andere Fahrdienstleister günstigere Preise anbieten.