Ab Samstag wird Biener am Kölner Schauspiel in Sachen Umweltverschmutzung im Rhein ermitteln. Es ist in dieser Saison bereits die fünfte Rolle der 26-Jährigen.
Schauspielerin Rebekka BienerKöln als richtiger Ort zur richtigen Zeit

In vier Stücken war Rebekka Biener in dieser Spielzeit am Kölner Schauspiel zu sehen.
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In vier Stücken war Rebekka Biener in dieser Spielzeit am Schauspiel zu sehen. Am Samstag folgt mit „Dat Wasser vun Kölle is jot“ das fünfte, Nummer sechs, „Vergeltung“, feiert im April Premiere. Das Publikum hatte also schon reichlich Gelegenheit, die Neu-Kölnerin kennenzulernen.
Wenn es sie denn erkannt hat: In der stummen Eröffnungspremiere „Imagine“ musste man sich Dutzende neue Ensemble-Gesichter merken, da übernahm schnell die reine Schaulust. In „Du musst Dich entscheiden“ ist sie in verschiedensten Verkleidungen zu sehen, unter anderem als tanzende Schneeflocke. Beim Depot-2-Kammerspiel „Eifersucht/Die Nacht der Lesben“ hat sie schon sehr viel mehr Text zu schultern, rückt am Ende August Strindberg mit der Axt zu Leibe, aber da agiert sie hinter einer Pappmaché-Maske mit riesigen Glubschaugen.
„In ‚Eifersucht‘ ging es vor allem um die Pausen, um den Rhythmus der Sprache“, sagt die Schauspielerin. Ganz ähnlich in Jon Fosses wortkargen Drama „Der Name“, in dem sie die Hauptrolle einer hochschwangeren Studentin spielt, die ins ungeliebte Elternhaus heimkehrt, mit kaum unterdrückter, raumgreifender Wut.
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Weg zur Bühne begann in der Schulzeit
Ein „großes Geschenk“, sagt die 26-Jährige, seien diese völlig unterschiedlichen Regieansätze. Und erinnert sich an ihren letzten Parforceritt durchs Repertoire, ein verlängertes Wochenende, an dem sie alle vier Produktionen hintereinander spielen musste. So gerate sie wenigstens nicht in Versuchung, zweimal dasselbe zu machen, im Gegenteil, „die Rollen laden sich gegenseitig auf, profitieren voneinander“.
Rebekka Bieners Weg zur Bühne begann schon in der Schulzeit, führte von der Theater-AG zum Jugendclub des Theaters in ihrer Heimatstadt Ulm. „Eine Freundin hatte mir davon erzählt. Wir hatten das Glück, eine coole Theaterpädagogin zu haben, die uns total mitgenommen hat.“ So durfte die Schülerin bald auch in großen Produktionen auf der Bühne des Stadttheaters stehen. „Da habe ich erst gecheckt, dass man das auch beruflich machen kann.“
Schauspielstudium in Graz
Nach dem Abitur – sie war gerade mal 17 – fuhr sie mit einer Hartnäckigkeit durchs Land, die man sonst bei Menschen beobachtet, die eine Ausbildung im Hochleistungssport anstreben: 14 Vorsprechen, einmal quer durch die Republik und darüber hinaus. „Ich hatte Eile“, sagt sie. Mit 19 begann sie ihr Schauspielstudium an der Kunstuniversität Graz. Ganz zufällig sei sie in der Steiermark gelandet, aber, wie sie betont: „Ich war sehr froh.“ Graz sei wie ein Märchenwald gewesen. Mit dem großen Uhrturm auf dem Schlossberg mitten in der Stadt, mit der Mur, die sich wie ein meergrüner Muskel durch die Stadt zieht.
Die Dimensionen sind viel größer in Köln, auch der Möglichkeitsraum. Und die Aufmerksamkeit: Ich habe noch nie so viel Rückmeldungen bekommen.
Eine Welt für sich, abgeschlossen gegen wertende Blicke von außen, ideal für junge Eleven, die Gefahr laufen, zu sehr gefallen zu wollen. „Graz hat mich geerdet.“ Das Studium bot Wahlfächer wie Puppenspiel und Luftakrobatik, Kooperationen mit Arnheim und Hamburg. Und im letzten Studienjahr dem Volkstheater in Wien. Frisch renoviert in historistischer Pracht. Und mittendrin das neue Team um Kay Voges, das sich am gediegenen Ambiente rieb. Wien pulsierte, sie pulsierte mit. „Da habe ich viele der Menschen kennengelernt, mit denen ich jetzt in Köln zusammenarbeite.“
Erstes Festengagement in Wuppertal
Ihr erstes Festengagement führte Biener aber nach Wuppertal – eine Art Gegenentwurf zu Wien. Hier das seit 2013 leerstehende Schauspielhaus, an dem sie jeden Tag vorbeifuhr. Dort die runtergesparte Schauspielsparte, die täglich um ihre Existenz ringt. „Die Leute ackern da krass“, sagt Biener, „haben wenig zur Verfügung und machen daraus alles.“ Ein ganz anderes Gemeinschaftsgefühl habe sie in Wuppertal kennengelernt. „Das war total gut für mich. Ich will keinerlei Eitelkeit haben in meinem Beruf.“ Osnabrück danach: „Wenn Wuppertal ein Labor war und Graz ein Märchenwald, dann war Osnabrück ein Mittelalter-Markt.“ Unheimlich wuselig sei die Stadt, wild und feierfreudig die Leute, auf eng geballtem Raum. Auch im Theater, wo sich viele Sparten eine Bühne teilen müssen. Vor allem die junge Sparte habe hier unheimlich viel geleistet, die Schulen stellten das größte Abonnement.
Trotzdem wollte sie sich unbedingt für Köln bewerben, für das neue Ensemble von Kay Voges. Beim Vorsprechen fuhr sie mit dem letzten Zug ein – ein Hochwasser rollte an, was die Bewerbung unerwartet dramatisch gestaltete. Aber es klappte. Und für Biener ist das bis heute ein kleines Wunder. Die Wiederbegegnung mit Freundinnen wie Lavinia Nowak, ebenfalls im Kölner Ensemble. Die Chance, zeigen zu können, wie sie sich weiterentwickelt hatte, wie sie Ängstlichkeit und Ehrfurcht abgelegt, Erfahrungen gewonnen hatte.
Neues Stück über vielleicht doch nicht so sauberen Rhein
„Die Dimensionen sind viel größer in Köln, auch der Möglichkeitsraum. Und die Aufmerksamkeit: Ich habe noch nie so viel Rückmeldungen bekommen“, sagt sie. Am Samstag wird das Kölner Publikum wieder eine neue Rebekka Biener erleben können. In Calle Fuhrs neuem Stück „Dat Wasser vun Kölle es jot“ spielt sie eine Kommissarin, die – wenn alles gut geht – Hauptkommissarin wird. Ein Krimi über den vielleicht doch nicht so sauberen Rhein, mit musikalischen Elementen, mit neuen Fakten vom Recherche-Netzwerk Correctiv, die in die Bühnen-Ermittlungen eingewoben sind. Und Lobliedern auf den Rhein aus dem kölschen Karnevalsliedgut.
Seit Biener vergangenen Mai an den Hansaring gezogen ist, überquert sie täglich den Fluss. Und wenn die Linie 18 mal wieder nicht kommt, übt sie sich in innerer Ruhe – und lernt ihren Text. Köln ist für sie weder Märchenwald noch Labor, sondern schlicht der richtige Ort zur richtigen Zeit.
„Dat Wasser vun Kölle es jut“, ein Rhein-Krimi mit Musik von Calle Fuhr in Kooperation mit Correctiv feiert am 7. Februar Premiere. Die nächsten Termine sind am 9. und 21. Februar (beide ausverkauft) sowie am 5. und 28. März im Depot 2.

