Bezalel Smotrich geht auf Kanzler Merz los – wenig später verurteilt Israels Botschafter die Worte des rechtsextremen Ministers.
„Haupt neigen und entschuldigen“Israelischer Minister sorgt mit Frontalattacke auf Merz für Eklat

Israels rechtsextremer Finanzminister Bezalel Smotrich hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) attackiert. (Archivbild)
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Israels rechtsextremer Finanzminister Bezalel Smotrich hat Kritik an Israels Vorgehen im Westjordanland von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) unter Verweis auf den Holocaust mit scharfen Worten zurückgewiesen.
„Am Vorabend des Holocaust-Gedenktags sollte der deutsche Bundeskanzler sein Haupt neigen und sich tausendmal im Namen Deutschlands entschuldigen, anstatt es zu wagen, uns Moralpredigten darüber zu halten, wie wir uns gegenüber den Nazis unserer Generation verhalten sollen“, schrieb Smotrich auf der Plattform X zu einem Beitrag des Bundeskanzlers.
Rechtsextremer israelischer Minister wählt scharfe Worte für Merz
Mit „Nazis unserer Generation“ dürfte der rechtsextreme israelische Minister wohl alle Palästinenser gemeint haben, denen er im Kollektiv das „schlimmste Massaker am jüdischen Volk seit dem Holocaust“ vorwarf, womit der Angriff der Hamas auf Israel vom 7. Oktober 2023 gemeint ist.
Merz hatte zuvor in einem Telefonat mit dem israelischen Regierungschef Benjamin Netanjahu „seine große Sorge über die Entwicklungen in den palästinensischen Gebieten“ bekundet, teilte Regierungssprecher Stefan Kornelius am Montag mit. Im Westjordanland leben neben rund drei Millionen Palästinensern mehr als 500.000 Israelis in Siedlungen und Außenposten, die nach internationalem Recht illegal sind.
„Sie werden uns nicht erneut in Ghettos zwingen“
Auf X veröffentlichte der Kanzler seine Kritik schließlich auch auf Englisch. „In meinem Telefonat mit Ministerpräsident Netanyahu habe ich deutlich gemacht: Es darf keine De-facto-Annexion des Westjordanlands geben“, bekräftigte Merz seine Forderung in dem sozialen Netzwerk – und zog damit die Wut von Smotrich auf sich.
„Die Zeiten, in denen Deutsche den Juden vorschrieben, wo sie leben durften und wo nicht, sind vorbei und werden nicht wiederkehren“, schrieb Smotrich dazu und fügte an Merz gerichtet hinzu: „Sie werden uns nicht erneut in Ghettos zwingen, schon gar nicht in unserem eigenen Land.“
Friedrich Merz kritisiert Lage im Westjordanland
Das Westjordanland bezeichnete der Minister der Netanjahu-Regierung unterdessen als „biblische und historische Heimat“ des jüdischen Volkes. Für die Rückkehr dorthin „entschuldigen wir uns keinen einzigen Moment lang“, hieß es weiter.
Das Westjordanland wird seit 1967 von Israel besetzt. Besonders seit dem Überfall der Hamas auf Israel im Oktober 2023 und dem darauffolgenden Gazakrieg kommt es dort Menschenrechtsgruppen zufolge verstärkt zu Landnahmen und Gewalt gegen die dort lebenden Palästinenser durch radikale Siedler. Seit dem Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar hat die Anzahl von Gewalttaten durch radikale Siedler in dem Palästinensergebiet erneut zugenommen.
Israels Botschafter in Deutschland verurteilt Smotrichs Angriff auf Merz
Friedrich Merz und die Bundesregierung haben unterdessen bisher nicht auf die Frontalattacke aus Israel reagiert. Israels Botschafter in Deutschland, Ron Prosor, verurteilte Smotrichs Angriff auf den Bundeskanzler indes am Dienstag, wie israelische Medien berichteten.
Die Worte des Ministers untergraben die Erinnerung an den Holocaust und stellen sie in einem „völlig verzerrten Licht“ dar, erklärte Prosor demnach im Gespräch mit Kan Radio. „Es ist vollkommen möglich und legitim, mit den Deutschen zu streiten“, zitierte die „Times of Israel“ den Botschafter weiter. „Politische Meinungsverschiedenheiten gibt es ständig, aber Deutschland ist ein großer Freund Israels.“
Zwar tue Deutschland auch „viele Dinge, die für uns nicht akzeptalel sind“, andersherum sei es jedoch genauso, betonte Prosor. Deutschland habe „insbesondere inmitten all der Kritik an Israel in Europa, bewiesen, dass es unser Freund Nummer eins ist“, fügte der Botschafter hinzu. (mit afp)

