Donald Trump reagiert mit harschen Worten auf die ausbleibende europäische Hilfe im Iran-Krieg – und bekommt Gegenwind aus der EU.
„Noch nie so wütend erlebt“Trump attackiert Deutschland – und bekommt Applaus aus Moskau

US-Präsident Donald Trump redet während eines bilateralen Treffens mit dem irischen Premierminister Martin im Weißen Haus.
Copyright: Niall Carson/PA Wire/dpa
US-Präsident Donald Trump hat Deutschland und andere Nato-Länder scharf für die ausbleibende Hilfe bei der Absicherung der Straße von Hormus kritisiert. Die Haltung der Verbündeten sei „ziemlich schockierend“, sagte Trump am Dienstag in Washington. „Ich denke, die Nato macht einen sehr dummen Fehler“, fügte er hinzu. Der Fall sei ein „Test“ für das Bündnis gewesen.
Deutschland habe erklärt, nichts mit dem Iran-Krieg zu tun zu haben und sich deshalb nicht beteiligen zu wollen, kritisierte Trump bei dem Treffen mit dem irischen Regierungschef Micheal Martin weiter. Zugleich finde die Bundesregierung aber, die USA und Israel hätten „etwas Großartiges getan“, weil sie die iranische Führung ausgeschaltet hätten.
Donald Trump kritisiert Deutschland und Friedrich Merz
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte am Montag in Berlin gesagt: „Wir beteiligen uns nicht an diesem Krieg, das haben wir vom ersten Tag an gesagt.“ Dieses Nein gelte auch für eine militärische Absicherung der Straße von Hormus.
Den britischen Premierminister Keir Starmer ging Trump ebenfalls an. Er habe keine Unterstützung angeboten, „und ich halte das für einen großen Fehler“, sagte der US-Präsident im Oval Office. „Ich bin von Keir enttäuscht – ich mag ihn, ich halte ihn für einen netten Mann, aber ich bin enttäuscht.“
Irischer Regierungschef kontert Donald Trump
Der irische Regierungschef Martin nahm Starmer und die anderen Europäer dagegen in Schutz. Starmer sei ein „sehr aufrichtiger, verlässlicher Mensch“, sagte Martin zum US-Präsidenten. Trump sei „bereits früher mit ihm ausgekommen, und Sie sind auch mit anderen europäischen Anführern zurechtgekommen“. Das könne nun auch wieder so sein. Martin verwies darauf, dass alle europäischen Länder Sanktionen gegen den „Schurkenstaat“ Iran verhängt hätten.
Vor dem Empfang für den irischen Regierungschef anlässlich des Sankt-Patricks-Tags hatte Trump in seinem Onlinedienst Truth Social geschrieben, die USA benötigten die Hilfe der Nato-Länder in der Straße von Hormus nicht mehr. „Wir haben sie nie gebraucht!“, fügte er in Großbuchstaben hinzu. Dasselbe gelte für Länder wie Japan, Australien oder Südkorea.
„Sonst wird es kein Europa mehr geben“
Das Treffen mit Martin im Weißen Haus nutzte Trump zudem für weitere Kritik an ganz Europa, das ein anderer Ort geworden sei, wie der US-Präsident erklärte. Er habe viel Zeit in Europa verbracht, sagte Trump, dessen Mutter aus Schottland in die Vereinigten Staaten immigriert war. „Es ist ein anderer Ort. Schlimm.“

Irlands Premierminister Micheal Martin zusammen mit US-Präsident Donald Trump im Oval Office.
Copyright: AFP
„Euch sind Dinge passiert, sehr schlimme Dinge. Und ihr solltet besser etwas gegen die Einwanderung tun, und ihr solltet besser etwas gegen die Energiepolitik tun, sonst wird es kein Europa mehr geben“, fügte Trump an seinen europäischen Gast gewandt hinzu.
Donald Trump drängte auf Unterstützung – und bekam Absagen
Der US-Präsident hatte die NATO-Partner bereits am Sonntag gedrängt, die USA bei der Öffnung der Meerenge für Öltanker zu unterstützen. Ausbleibende Hilfe wäre „sehr schlecht“ für die Zukunft des Verteidigungsbündnisses, drohte der Präsident. Sowohl Deutschland als auch andere NATO-Länder reagierten jedoch einhellig ablehnend auf Trumps Forderung.
Zuletzt hatte der US-Präsident die NATO mit seinen Besitzansprüchen auf Grönland unter Druck gesetzt. Am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos einigte sich Trump im Januar jedoch mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte und schloss ein militärisches Eingreifen der USA aus.
US-Senator attackiert Europa: „Ich kann diese Wut gut verstehen“
Für seine Schelte für Europa bekam Trump innenpolitische Unterstützung von seinem Parteikollegen Lindsey Graham. Der republikanische Senator sprach in einem Beitrag auf der Plattform X am Dienstag von „Arroganz“ bei den amerikanischen Verbündeten.
„Ich habe ihn noch nie so wütend erlebt“, schrieb Graham zudem mit Blick auf ein Gespräch mit Trump über die Ablehnung aus Europa für eine Beteiligung am amerikanisch-israelischen Krieg gegen den Iran. „Angesichts dessen, was auf dem Spiel steht, kann ich diese Wut gut verstehen“, fügte der als Hardliner bekannte Senator hinzu und drohte mit „weitreichenden und tiefgreifenden“ Folgen.
„Ich bin grundsätzlich ein großer Befürworter von Bündnissen, doch in Zeiten solch einer echten Bewährungsprobe stelle ich deren Wert infrage. Ich bin sicher, dass ich nicht der einzige Senator bin, dem es so geht“, hieß es weiter.
„Dient alles nur als Vorwand, die NATO zu verlassen“
Reaktionen aus Europa ließen nach den harschen Worten aus Washington nicht lange auf sich warten. „Der US-Präsident bedroht NATO-Mitglieder, lässt Europa bei der Ukraine allein, hilft Putin bei jeder Gelegenheit und informiert nicht mal über Iran“, schrieb etwa der CDU-Europapolitiker Dennis Radtke bei X und fügte hinzu: „Und nun um Hilfe bitten? Ich denke, es dient alles nur als Vorwand, die NATO zu verlassen. Das nächste Geschenk an Putin.“
Auch der dänische Politiker Rasmus Jarlov reagierte direkt auf Grahams Worte. „Vor wenigen Wochen haben Sie die Annexion Grönlands unterstützt – einen offenen Angriff auf unser Territorium. Das ist Feindseligkeit wie aus dem Lehrbuch und von einem Verbündeten völlig inakzeptabel“, schrieb Jarlov bei X und fügte hinzu: „Und nun wundern Sie sich, warum Europa Sie in einem Krieg nicht unterstützt, den Sie nicht einmal mit uns besprochen haben, bevor Sie ihn begonnen haben.“
Trump bekommt Unterstützung aus Moskau für Kritik an Europa
Unterstützung für die amerikanischen Attacken auf Europa gab es unterdessen auch aus Moskau. „Jetzt fallen die Masken“, schrieb Moskaus Sondergesandter Kirill Dmitrijew bei X mit Blick auf die ablehnende Haltung der Europäer.
„Die Kriegstreiber in Großbritannien und der EU zeigen, wie tief ihre Anti-Trump-Haltung wirklich ist. Sie haben es lange versucht zu verbergen, aber jetzt ist es für alle sichtbar“, führte Dmitrijew aus. In weiteren Beiträgen sprach der russische Gesandte von einem „Erwachen“ in den USA hinsichtlich der Beziehung zu Europa und stellte den Fortbestand der NATO infrage.
Dass eine europäische Beteiligung am amerikanisch-israelischen Krieg gegen den Iran einen russischen Verbündeten schwächen würde, spielte für Dmitrijew offenbar keine Rolle. Die ukrainische Zeitung „Kyiv Independent“ fasste die merkwürdige Lage schließlich zusammen: „Russland kritisiert ‚EU-Kriegstreiber‘, weil sie Trumps Krieg gegen seinen Verbündeten nicht unterstützen“, titelte die Zeitung auf ihrer Webseite.
Trumps weiterhin vergleichsweise freundlicher Umgang mit Russland, der im Kontrast zu der harschen Kritik an Europa steht, brachte dem US-Präsidenten innenpolitisch auch scharfe Kritik ein.
Trump für Unterstützung für Wladimir Putin in der Kritik
„Die durch Trumps Iran-Krieg verursachten, sprunghaft angestiegenen Ölpreise treffen die Amerikaner hart und liefern ihm einen fadenscheinigen Vorwand, Putin erneut zu unterstützen“, schrieb etwa der demokratische Senator Richard Blumenthal am Dienstag bei X. „Die Aufhebung der Sanktionen gegen Russland ist in der Tat unentschuldbar“, fügte er hinzu.
Die US-Regierung hatte wegen der durch den Krieg gegen den Iran entstandenen Lieferengpässe in der letzten Woche den Kauf russischen Öls erlaubt – bereits für diesen Schritt hatte es deutliche Kritik aus Europa gegeben. (mit dpa/afp)

