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Stadt sammelt IdeenSo stellen sich die Euskirchener den Klostergarten der Zukunft vor

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Das Bild zeigt einen Blick in den Klostergarten. Auf einer Sitzgelegenheit aus Holz haben zwei Frauen Platz genommen.

Die aufgestellten Sitzgelegenheiten im Klostergarten wurden und werden im Klostergarten gut angenommen.

Viele Bürger beteiligten sich am Reallabor der und lieferten erste Ideen für die künftige Gestaltung der Fläche. Auch ein Biergarten wird sich gewünscht.

Der Klostergarten wird zum Experimentierfeld: Mit einem sogenannten Reallabor erprobt die Stadt noch bis Mitte Mai neue Nutzungsmöglichkeiten für die zentrale Grünfläche in Euskirchen und bezieht dabei die Bürgerinnen und Bürger aktiv in die Planung ein.

Den Auftakt bildet eine temporäre Umgestaltung des Areals. Mobile Sitzmöbel, Spielangebote und Pflanzkübel laden dazu ein, den Klostergarten neu zu erleben und aktiv zu nutzen. Jene Fläche, auf der bis vor ziemlich genau zwei Jahren das City-Forum stand. Nach einem massiven Flutschaden musste es abgerissen werden und soll in der City-Süd neu gebaut werden.

Euskirchen können über ihren „Central Park“ mitbestimmen

Wie der Klostergarten, der aktuell wie der Central Park in Euskirchener Dimension daherkommt, künftig genutzt wird, können die Euskirchener mitbestimmen. Die Stadt setzt nämlich auf die Beteiligung derer, die das Areal nutzen wollen. Deshalb wurden nun in einem Workshop, den die Verwaltung „Reallabor“ nennt, schon zahlreiche Ideen gesammelt. Auf den bunten Klebezetteln standen Wünsche wie „Bäume“, „Schattenspender“, „Spielplatz“, „Biergarten“, „Klettergerüst, Schaukel, Rutsche“ oder auch „Kiosk oder Snackautomaten“.

Auch Sitz- und Aufenthaltsgelegenheiten wurden aufgeschrieben. Wer aber derzeit in den Klostergarten geht, stellt fest, dass bereits zahlreiche Sitzgelegenheiten – in den unterschiedlichsten Varianten – aufgestellt worden sind. Und sie werden genutzt. Nicht nur am Tag des Reallabors am Freitag. Ein Anwohner hatte sein Homeoffice beim frühlingshaften Wetter spontan in ein Klostergarten-Office verwandelt. „Es werden auch Mittagspausen hier verbracht“, berichtete Omar Elfeki. Er arbeitet für „Rmpsl Landschaftsarchitekten“.

Verschiedene Büros entwickeln Konzept mit den Bürgern gemeinsam

Die Experten kooperieren in Euskirchen mit dem Büro Stadtkontraste und haben sich des Klostergartens angenommen. „Die Gespräche mit den Menschen vor Ort sind zielführend. Das hilft uns, ein Gespür für den Platz und die Wünsche zu entwickeln“, so Elfeki. Ziel sei es, etwas zu schaffen, das Generationen verbinde, die auf der Fläche miteinander, aber auch nebeneinander ihre Freizeit verbringen könnten, sagte der Landschaftsarchitekt.

Dass die Menschen Lust auf den Platz haben, wurde am ersten Tag des Reallabors schnell deutlich – und das liegt nicht nur an den vielen bunten Klebezetteln. „Wichtig ist, dass der Platz auch mit Hunden genutzt werden kann. Aber ich kann verstehen, wenn auf den Spielflächen keine Hunde erlaubt sind“, sagte ein Anwohner. Wichtig sei aber auch, dass die Hundebesitzer „mitspielen“. „Sie müssen natürlich die Hinterlassenschaften ihres Hundes mitnehmen“, so der Euskirchener, der am Entenpfuhl lebt.

Das Bild zeigt einige junge Erwachsene, die auf Holz eine Sitzgelegenheit bauen.

Im Bau-Workshop im Klostergarten konnten Sitzgelegenheiten hergestellt werden.

Das Bild zeigt viele farbige Klebezettel. Euskirchener haben ihre Wünsche und Ideen darauf verewigt.

Zahlreiche Wünsche und Ideen wurden auf bunten Klebezetteln gesammelt. Sie sollen in das Gesamtkonzept einfließen.

Aktuell sei ihr der Platz zu kahl, sagte eine Euskirchenerin, die mit ihrer Tochter in den Klostergarten gekommen war. Spielgeräte seien wünschenswert, vor allem aber Bäume und Schattenspender. Und es müsse ein Ort werden, an dem man sich gerne aufhalte. Auch als Frau, auch als Seniorin. „Das subjektive Sicherheitsgefühl muss an solchen Orten hoch sein, sonst haben sie keine Chance“, sagt die 30-Jährige.

Euskirchens Bürgermeister Sacha Reichelt sagt: „Wir wollen kein Konzept überstülpen. Wir wollen, dass die Menschen den Platz gestalten und wir das Konzept unterstützen.“ Ob es ein bis ins Letzte ausgearbeitetes Konzept geben werde, das jeden Baumstandort auf den Zentimeter vorgibt und von der Politik verabschiedet werde, sei offen. Es könne sich auch um ein Grobkonzept handeln, weil sich der Platz mit der Zeit weiterentwickele, so der Verwaltungschef: „Das ist ein tolles Projekt für die Stadt.“

Wir suchen gezielt das Gespräch mit den Besucherinnen und Besuchern, um Wünsche und Anregungen aufzunehmen. Ziel ist es, aus dem realen Verhalten belastbare Erkenntnisse für die weitere Planung zu gewinnen.
Omar Elfeki

Während des Stadtfestes werde das Nutzungsverhalten des Klostergartens weiter beobachtet. Wie bewegen sich die Menschen durch den Raum? Welche Angebote werden angenommen, welche weniger? „Wir suchen gezielt das Gespräch mit den Besucherinnen und Besuchern, um Wünsche und Anregungen aufzunehmen. Ziel ist es, aus dem realen Verhalten belastbare Erkenntnisse für die weitere Planung zu gewinnen“, erklärt Elfeki.

Diese systematische Auswertung bildet die Grundlage für den nächsten Schritt: die dauerhafte Neugestaltung des Klostergartens. Ab Mai fließen die gesammelten Erfahrungen direkt in die langfristige Planung ein. Die Ideen und Bedürfnisse der Bürgerschaft sollen sich im zukünftigen Stadtgarten widerspiegeln. Geplant ist ein vielseitiger, generationenübergreifender Raum mit hoher Aufenthaltsqualität – ein Ort, der sowohl funktional als auch identitätsstiftend für die Stadtgesellschaft ist.

Neuer Klostergarten soll Begegnunsstätte für alle Generationen werden

Am Ende des Prozesses steht nach Angaben der Stadtverwaltung die bauliche Realisierung der entwickelten Planung. Ziel sei ein barrierefreier, inklusiver und offener Ort für alle. Der neue Klostergarten soll nicht nur Raum für Erholung und Begegnung bieten, sondern auch als Beispiel für moderne, bürgernahe Stadtentwicklung dienen. Laut Maximilian Vogt, Stadtplaner bei der Stadt Euskirchen, muss bis September eine Kostenkalkulation vorliegen.

Dieser Zeitrahmen ergibt sich, weil die Stadt auf Fördermittel von bis zu 70 Prozent hofft. Bis dann wirklich der neue „Central Park“ von Euskirchen Gestalt annimmt, wird aber noch mindestens ein Jahr vergehen. So, wie der Klostergarten allerdings jetzt schon genutzt wird, ist davon auszugehen, dass das Areal unter Beteiligung der Euskirchener auch eine Art Eigendynamik annehmen wird.

So berichtete eine Anwohnerin, dass sich nun schon Familien bis in die Abendstunden im Klostergarten aufhalten. Dadurch sei ein Verdrängungseffekt entstanden. Die Klientel, die dem Klostergarten zu City-Forum-Zeiten aufgrund der vielen dunklen Ecken einen eher zweifelhaften Ruf verschafft hatte, sei aktuell deutlich weniger geworden, so die Anwohnerin. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass sich genau dieses Publikum aktuell gerne im hinteren Bereich des Ruhrparks im Bereich der Nahestraße aufhält – so zumindest am Freitagabend.

Für kommenden Donnerstag, 23. April, sind zwischen 10 und 12 Uhr explizit die Senioren aufgerufen, in den Klostergarten zu kommen, um am Reallabor teilzunehmen. Auch einen Tag für die Kinder und Jugendlichen soll es geben. Das Datum steht aber noch nicht fest. Die Stadt will darüber auf ihren Informationskanälen informieren.