Der 36. Schlebuscher Schull- un Veedelszoch wurde durch eine mögliche Wolfssichtung unterbrochen – kam aber mit ganz viel Liebe ins Ziel.
Mit BildergalerieWolfssichtung in Schlebusch – Karnevalszug wird unterbrochen

Motto perfekt umgesetzt: „Alaaf you Schlebusch“.
Copyright: Stefanie Schmidt
Noch nie ist so viel Liebe durch den selbsternannten Stadtteil mit Herz gelaufen. Daran ist nicht nur der Valentinstag schuld, sondern vor allem das diesjährige Motto der Schlebuscher Karnevalssession: „Alaaf you Schliebesch – Levve wie de bes“.
Einige Unsicherheiten hatte es im Vorfeld des 36. Schlebuscher Zugs gegeben. Wegen der verschärften Sicherheitsauflagen und der damit verbundenen Kosten stand lange auf der Kippe, ob der Zug überhaupt gehen könne. Das wurde dann mit vereinten Kräften sichergestellt – allerdings auf einem verkürzten Zugweg. Das allerdings bringt neue Sorgen: Rund 40.000 Menschen kommen normalerweise zu Leverkusens größtem Zug. „Die Sorge war, dass es in der Fußgängerzone zu eng wird“, sagt Zugleiter Andreas Beljan. Die Stadt schlug daher ein Wurfverbot für die Fußgängerzone vor, um diese für Zuschauer weniger attraktiv zu machen. Das Herz des Zugweges ohne Kamelle? Das war der KG Grün-Weiß Schlebusch als Veranstalter zu radikal – man einigte sich schließlich auf einen kleinen Kamelle-freien Korridor am Eingang der Fußgängerzone um den Jugend-Hotspot am Lindenplatz.

Das Kamelle-Verbot zeigt Wirkung: Kurz bevor der Zug eintrifft, ist es in der Fußgängerzone ungewöhnlich leer.
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Das eher diffus-defensiv kommunizierte Kamelle-Verbot allerdings zeigt Wirkung: Noch kurz bevor der pünktlich gestartete Zug die Fußgängerzone erreicht, ist diese ungewöhnlich leer. Dafür stehen am Zugbeginn auf der Mülheimer Straße die Zuschauer teilweise in dichten Reihen hintereinander. „Wir stehen jedes Jahr genau hier“, sagt ein Vater, der versucht, eine bunt verkleidete Kinderschar zu platzieren. „Aber dieses Jahr ist es extrem voll.“ Das gilt auch für die „Familiemeile“, in der Gezelinallee, auch hier stehen deutlich mehr Kamelle-Jäger als in den Vorjahren.
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Die Freundinnen Luna und Mathilda haben Kamelle-Fänger gebastelt.
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Und dann auch noch das: Laut WDR-Berichten musste der Zug zwischenzeitlich gestoppt werden, weil in der Nähe ein mutmaßlicher Wolf gesichtet wurde. Eine Augenzeugin will ihn sogar in der Fußgängerzone gesehen haben – und nein, es soll sich nicht um eine Verkleidung gehandelt haben. Auf der Seite der Dogman-Tierrettung werden spätere Sichtungen in Wiesdorf gemeldet.
Letztlich kommt der Tross mit rund 1300 Zugteilnehmern in 34 Gruppen aber ohne weitere Probleme ins Ziel. Dass er in diesem Jahr etwas kleiner ausfallen würde, hat auch eine Freundesgruppe um Eileen Hay mitbekommen. „Wir haben gehört, dass dieses Jahr einige abgesprungen sind“, erzählt Thomas Wiedenhöfer. Für die 30-köpfige Gruppe aus Freunden und Familie war das Ansporn genug, sich spontan noch anzumelden – als Fußgruppe und sogar mit einem von Bekannten geliehenen Wagen unter dem Motto „All you need is love“. Viel Aufwand? „Ach was, wir hatten vier Wochen Vorbereitungszeit, das hat gereicht“, sagt Wiedenhöfer lachend. Neon-Kleidung, Herzchen auf dem Kopf und jede Menge gute Stimmung bringen die Freunde auf den Zugweg.

Die Freundesgruppe „All you need is love“
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Traditionell stark vertreten sind die Schlebuscher Schulen. Dabei hat die GGS Morsbroicher Straße die Waldschule erstmals als größte Gruppe abgelöst. „Zwei Teilnehmer mehr“, sagt Schulleiterin Martina Klumpe-Engelmann lachend im Kamellewurf. Gelungen ist das, weil erstmals auch ein paar Familien der zum eigentlichen Standort benachbarten Kita Morsbroicher Straße sich der Schule angeschlossen haben. „Das ist ganz toll“, freuen sich die engagierten Eltern. „Die Kleinen machen ganz toll mit.“ Gemeinsam gebastelt haben sie in wochenlanger Vorbereitung Kostüme in Gestalt von Piñatas – mit Süßigkeiten gefüllte, bunte Pappmaché-Figuren.

Mini-Piñata in der Gruppe der Morsbroicher Straße
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„Flowerpower“ ist das Motto der 121 Teilnehmer starken Gruppe der Waldschule – die besonders durch die vielen mit Helium gefüllten Luftballons auffällt, die sich fröhlich in Rosa und Lila gegen den grauen Himmel abzeichnen. Mit 102 Jecken ist die KGS Gezelinschule unterwegs – als Spielkarten „mit Hätz und Trick“. Ein besonders großes Herz und passendes Strahlen führen die Schlibier Brauchtumsfründe mit sich: „Love is in the Jeck“ ist das Motto. Die Gesichter strahlen mit den leuchtend pinken Perücken auf den Köpfen und den goldglänzenden Amor-Flügeln um die Wette.

Heimspiel für Prinz Rogério I.
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Der letzte Wagen, Startnummer 34, ist wie immer ein Gesellschaftswagen der KG Grün-Weiß Schlebusch. In diesem Jahr ist er zum inoffiziellen Prinzenwagen umdekoriert: Ein großes Transparent verkündet weiß auf schwarz, dass hier Prinz Rogério I. durch sein Schlebusch reist, mit seinem Gefolge und Oberbürgermeister Stefan Hebbel an Bord.
Auf offiziellem Prinzenwagen fährt die Leverkusener Tollität nur in den vom FLK organisierten Zügen in Wiesdorf und Opladen mit. Aber sein Heimspiel lässt der Prinz aus den Reihen der Schlebuscher Clowns sich natürlich nicht nehmen. Das Highlight der Session? „Nein, das kann ich nicht sagen“, sagt Rogério vor dem Start. „Die ganze Session ist ein einziges Highlight, wie ich es mir schöner nicht hätte erträumen können.“ Und so ist auch die Liebe des Prinzen dem Stadtteil mit Herz sicher.

