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Weibersturm SchlebuschBesser ein Kölsch in der Hand als Kaffee zum alten Preis

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Am Schlebuscher Weiberzug 2026 beteiligten sich trotz widriger Umstände 100 Frauen.

Am Schlebuscher Weiberzug 2026 beteiligten sich trotz widriger Umstände 100 Frauen.

Der Weibersturm durch Schlebusch hat eine lange Tradition.

Auf die Schlebuscher Frauen ist Verlass: Knapp 100 versammelten sich am Donnerstag zum traditionellen Weibersturm durch die Fußgängerzone. Das trotz widrigster Umstände: Erstens regnete es zeitweise wie aus Kübeln, sodass manche fürchteten, dass gleich die Fußgängerzone wieder unter Wasser stehen könnte. Und dann konnten die Schlebuscher Clowns dieses Mal nur mit kleiner Besetzung kommen: Ein Teil der Gruppe, darunter die Mutter der Kompanie, Elke Masurowski, musste ihren Prinzen Rogério in Wiesdorf beim Rathaussturm im Einkaufscenter unterstützen.

Bei gutem Wetter kann es etwas dauern, bis die Schliebijer Wiever im Festzelt am Haus Ferger eintreffen, dieses Mal lief der Zug der Frauen etwas beschleunigt ab.

Am Schlebuscher Weiberzug 2026 beteiligten sich trotz widriger Umstände 100 Frauen. Bild: Ralf Krieger

Käsewürfel mit Helau vom „Kaas-Koning“ aus Düsseldorf.

Auf dem Markt stehen auch die Bauern, und dort bekommen die Frauen normalerweise mindestens den ersten Schnaps. Der Schnapsstand vom Burscheider Mönchhof ist dieses Mal nicht da – die kurze Enttäuschung weicht aber, denn der „Kaas-Koning“ gibt ein Tablett mit Käsewürfeln aus. Verkäufer Andreas Stoffels ist Düsseldorfer und fordert die Frauen zu einem dreifachen Helau auf, den Schlebuscherinnen kommt aber erst nach zwei Alaaf ein halbwegs verdruckstes Helau raus. Dabei regnet es schwer.

Am Schlebuscher Weiberzug 2026 beteiligten sich trotz widriger Umstände 100 Frauen. Bild: Ralf Krieger

Am Schlebuscher Weiberzug 2026 beteiligten sich trotz widriger Umstände 100 Frauen.

Passenderweise zieht die bunt gekleidete Gesellschaft zum Lied „Drink doch eine mit“ in der Volksbank ein. Chef Udo Totzke, bekannt geworden als Prinz Udo I., zapft im Akkord aus zwei Fässern, gemeinsam mit mehreren Bankkauffrauen, ein Kölsch nach dem anderen. Die Belegschaft selbst sei „natürlich alkoholfrei im Dienst“, sagt er auf Nachfrage, worauf eine seiner Kolleginnen den Kopf zur Seite wendet und mal kurz lachen muss.

Leverkusen: Grüner Schnaps und Kaffee zum alten Preis

Wieder draußen, geht es an Alt Schlebusch vorbei, der berühmtesten Baulücke der Stadt aller Zeiten. Vier Bauarbeiter stehen vorm Bauzaun im Regen und gucken. Nächste Weiberfastnacht soll hier ein Haus stehen. Mit der bemerkenswerten Werbetafel „Kaffee nur noch wenige Tage zum alten Preis“ will ein Kaffee-Geschäft den Umsatz ankurbeln, mit einem Kölsch in der Hand ziehen die Frauen in Richtung Festzelt.

Am Schlebuscher Weiberzug 2026 beteiligten sich trotz widriger Umstände 100 Frauen. Bild: Ralf Krieger

Ein bemerkenswertes Angebot: Kaffee zum alten Preis, aber Kölsch wurde bevorzugt.

Beim Optiker Heicken stehen die Verkäuferinnen verlockend mit Tabletts mit Schnaps darauf in der Tür. Der Schnaps ist quietschgrün, man muss sich trauen, ihn zu trinken. Ganz sicher wird man aber nicht blind davon, schließlich kommt er vom Optiker, der auch künftig Brillen verkaufen will, also findet er seine Abnehmer. Karl Recht trinkt ihn mit Bedacht, wie Arznei, in kleinen Schlucken. „Waldmeister“, sagt er, das erklärt die Farbe. Er sei hier, weil er seine Frau begleitet habe.

Am Schlebuscher Weiberzug 2026 beteiligten sich trotz widriger Umstände 100 Frauen. Bild: Ralf Krieger

Beim Optiker gab es grünen Schnaps für die Frauen und ihre Begleiter.

Einzug ins Festzelt. Hildegard Savary ist mit ihren 88 Jahren immer dabei; ihr Mann, der zuletzt noch im Grün-Weiß-Schal im Rollstuhl teilgenommen hat, bleibt in diesem Jahr zu Hause.

Im Festzelt ist die Stimmung groß, Frauen feiern und tanzen. Aber es ist weniger voll als sonst. Die Abordnung der Schlebuscher Clowns mit dem Prinzen fehlt noch, die kommen später, heißt es. In diesem Jahr sind auch die Clowns von der Telegrafenklause nicht dabei, das fällt sofort auf. Früher gab es nur eine Schlebuscher Clowngruppe, bis ein Streit zur Spaltung führte. Die Clowns-Kolleginnen von der Telegrafenklause sollen sich in diesem Jahr in der Lachenden Kölnarena vergnügen, statt durchs Dorf zu ziehen, sagt Bärbel Röhling, sie hat noch einen Kontakt zur anderen Truppe.

Am Schlebuscher Weiberzug 2026 beteiligten sich trotz widriger Umstände 100 Frauen. Bild: Ralf Krieger

Im Festzelt ist die Stimmung groß.

Punkt 12 Uhr Mittag wird das „Veedel“-Lied von Bläck Fööss gespielt und das ganze Zelt singt mit. Das Schlebuscher Fest nimmt seinen Lauf.