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Köln-Mindener Eisenbahn1845 dampfte der erste Zug durchs heutige Leverkusen

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Die Köln-Mindener Eisenbahn in Wiesdorf und Bürrig Küppersteg.

Die Eisenbahn ist eingezeichnet, aber auf der frühen Karte (Preußische Uraufnahme) fehlt noch der Bahnhof Küppersteg. Offenbar vermaßen die Vermesser die Gegend bei Bürrig vor dem Jahr 1845.

Teil eins unseren neuen Serie: Die erste Eisenbahn durch Leverkusen wurde ungeheuer schnell gebaut.

Als 1868 erstmals eine Eisenbahn über die Strecke zwischen Opladen und dem Manforter Bahnhof fuhr, die gerade saniert wird, waren die Einwohner auf dem heutigen Leverkusener Stadtgebiet schon über 20 Jahre an die zischenden, ratternden und dampfenden Maschinen auf Stahlgleisen gewöhnt. Denn die Strecke, die genau zwischen den Dörfern Wiesdorf, Küppersteg, Bürrig und Rheindorf verlegt wurde, war die erste in dieser Gegend. Das war die Köln-Mindener Eisenbahn.

Erst Jahre später entstand die Trasse der Bergisch-Märkischen Eisenbahn durch Manfort und Opladen. Diese Strecke, von der in einem späteren Artikel die Rede sein wird, wurde 1868 fertig, also viele Jahre, bevor das Unternehmen Bayer ab 1895 erste Produktionsstätten in Wiesdorf in Betrieb nahm. Die wievielte Garnitur neuer Schienen und Streckentechnik seither auf der Trasse zurzeit verlegt wird, wie oft der Schotter getauscht wurde, lässt sich nicht nachhalten.

Bahnhof Opladen, zurzeit ist er gesperrt wegen Gleisbauarbeiten, Generalsanierung   Bild: Ralf Krieger

Die alte Strecke Elberfeld-Köln der Bergisch-Märkischen Eisenbahn wird gerade einer Generalsanierung unterzogen. Eröffnet wurde sie 1867.

Investor und Bauherr der ersten Eisenbahn durchs heutige Leverkusen war die Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft. Die erste Teilstrecke zwischen Köln-Deutz und Düsseldorf wurde 1845 eröffnet. Die Trasse entspricht der heutigen Bahnlinie über die Bahnhöfe Chempark, Leverkusen-Mitte in Wiesdorf, Küppersteg und Rheindorf. Für den einzigen Bahnhof auf dem heutigen Stadtgebiet bestimmte man, dass es eine Station beim Dorf Bürrig sein sollte, die den Namen Küppersteg bekam.

Küppersteg war eigentlich der erste Opladener Bahnhof

1843 schreibt die Düsseldorfer Zeitung: „Mit der ostrheinischen Eisenbahn nach Minden scheint es doch bald ernst zu werden.“ In Düsseldorf diskutierte man noch den Standort für den dortigen Bahnhof. Dass es den Halt Küppersteg bei Bürrig geben sollte, stand dagegen schon fest. Warum dort? Wiesdorf war gegenüber der wichtigen Kreisstadt Opladen noch ziemlich unbedeutend, für eine eigene Station reichte das nicht, das Gleiche gilt für Rheindorf.

Wiesdorf, besser gesagt, das Bayerwerk, bekam seinen Bahnhof erst 1914;  der Bahnhof am Rudolf-Mann-Platz sollte von Anfang an Leverkusen-Wiesdorf heißen. Den Namen Leverkusen hatten erst die Erbauer des Bayerwerks eingeführt, vorher gab es ihn in dieser Gegend nicht. Das historische Bahnhofsgebäude steht noch. Zu der Zeit plante man, dass um den Bahnhof das neue Stadtzentrum entstehen sollte.

Aber die seltsame Leverkusener Bahnhofs-Geschichte war noch nicht beendet: Schier unglaublich erscheint aus heutiger Sicht, dass der Bahnhof Leverkusen-Mitte erst 1979 eingeweiht wurde und erst seither im tatsächlichen Stadtzentrum Züge halten.

Die Köln-Mindener Eisenbahn in Wiesdorf und Bürrig Küppersteg.  Foto: Geobasis NRW

Die Köln-Mindener Eisenbahn in Wiesdorf und Bürrig Küppersteg auf einer alten Karte von ungefähr 1845. Der Ortskern des ursprünglichen Küppersteg lag ungefähr an der Stelle des heutigen Forums.

Warum man die rechtsrheinische Eisenbahnlinie Deutz–Düsseldorf nicht direkt durch die spätere Eisenbahner-Stadt Opladen gebaut hat, ist schwer zu ergründen. Den damaligen Eisenbahnunternehmern genügte es aber offenbar, dass der Bahnhof Küppersteg und Opladen gut über die große Landstraße verbunden waren und sind, die heutige B8.

Die Eisenbahntrasse macht nördlich von Küppersteg eine Linkskurve, überquert die Wupper neben dem Gut Reuschenberg und führt ab da schnurstracks auf Düsseldorf zu. Es wäre logischer gewesen, den Bahnhof nicht Küppersteg, sondern nach dem viel näheren Bürrig zu benennen, denn das alte Küppersteg lag viel weiter weg, an der Dhünn, etwa in Höhe des heutigen Forums. 

Eine Ausschreibung der Köln-Mindener Eisenbahn für die Strecke auf dem heutigen Leverkusen.

Die Gesellschaft benötigt ab April 1944 Schiebkarren: Eine Ausschreibung der Köln-Mindener Eisenbahn für die Strecke auf dem heutigen Leverkusen. dass die Strecke schon im Dezember 1945 eröffnet wurde, erscheint uns heute wie ein Wunder.

Ungeheuerlich aus heutiger Sicht erscheint die enorme Geschwindigkeit, mit der die Strecke gebaut wurde: Im Dezember 1845 rollte die erste Eisenbahn über das Gleis; die ersten Ausschreibungen der „Direction der Köln-Mindener Eisenbahn“ für Baumaterial findet man 20 Monate zuvor, ab April 1844, in der Kölnischen Zeitung. Die Zeitungsanzeigen ziert ein Logo mit einer Lokomotive, wie sie zu der Zeit tatsächlich noch in Gebrauch war. Die Kölnische Zeitung war der Vorläufer des „Kölner Stadt-Anzeiger“, zu dem auch der „Leverkusener Anzeiger“ gehört.

An Material zum Bau der Brücken über Dhünn, Wupper und den Graben bei Reuschenberg wurde viel Bauholz gebraucht und die planenden Ingenieure hatten berechnet, dass man fast eine Million Ziegelsteine für Brücken und andere Trassenteile vermauern musste. Dafür suchte man Lieferanten. Für Zement wurden 15.000 Kubikfuß Kalk und 9970 Scheffel Trass gebraucht (ein Grundmaterial für Mörtel).

Insgesamt wollte die Gesellschaft 800 Stück „Schiebkarren“ kaufen. Die Erdarbeiten für die Trasse werden später ausgeschrieben. Schließlich schreibt man noch den Bau eines „Stationsgebäudes bei Küppersteg“ aus.

Wesentliche Informationen haben wir vom Bergischen Geschichtsverein erhalten und dem Portal Zeitpunkt.nrw entnommen. Wie es mit dem Bau und nach der Eröffnung weiterging und was aus dem alten Küppersteg wurde, lesen Sie im nächsten Teil.