Bayer 04 dreht gegen Wolfsburg ein 1:3 in ein 6:3 – und offenbart dabei alle Schwächen der Saison. Alejandro Grimaldo findet deutliche Worte.
„45 Minuten reichen nicht“Alejandro Grimaldo rechnet mit Bayer Leverkusen ab

Leverkusens Alejandro Grimaldo (Mitte) und Mark Flekken (r.) im Duell mit Wolfsburgs Jesper Lindström.
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Zur Halbzeitpause am Samstagnachmittag musste Kasper Hjulmand intensiv um seinen Job als Trainer von Bayer 04 bangen. Leverkusen hatte eine erste Halbzeit gespielt, die alle Missstände der laufenden Saison offenbarte. Gegen den abstiegsbedrohten VfL Wolfsburg lag die Werkself zunächst 0:1, dann 1:3 zurück.
Dass es mit dem Anschlusstreffer zum 2:3 in die Kabinen ging, war womöglich der entscheidende Faktor dafür, dass Hjulmand eine Stunde später mit einem 6:3-Sieg größere Jobsicherheit genoss. Doch der Erfolg im Kampf um die Champions-League-Plätze wirft erneut Fragen auf – vor allem zur Defensivarbeit der Werkself.
Alejandro Grimaldo, Antreiber und Doppeltorschütze am Samstag, gilt als einer der Anführer der Mannschaft. Öffentliche Stellungnahmen gibt es von ihm jedoch selten. Nach der Partie gegen Wolfsburg verspürte der spanische Nationalspieler jedoch das Bedürfnis, ein paar Worte an seine Mitspieler zu richten. „Wir müssen das gesamte Spiel fokussiert sein. 45 Minuten reichen nicht. Wir müssen 90 Minuten auf unserem besten Niveau sein – 45 Minuten sind für uns nicht genug“, sagte Grimaldo und analysierte knallhart: „Es geht nicht um Taktik oder Qualität. Es geht darum, was wir wollen. Wir wollen in der Champions League sein. Dafür müssen wir besser spielen. Wir haben heute in der ersten Halbzeit viele Fehler gemacht, auch im letzten Spiel, in vielen Spielen dieser Saison – und das muss sich ändern.“
Andrich und Badé spielen schlecht
Diese Aussage lässt keinen Interpretationsspielraum. Wenn es nicht um Taktik oder Qualität geht, haben Bayers Akteure offenkundig ein Kopfproblem. Arbeitseinstellung und Konzentration lassen zu oft zu wünschen übrig. Gegen Wolfsburg unterschritten unter anderem Kapitän Robert Andrich und Abwehrspieler Loïc Badé ihr Leistungsniveau eklatant. Hjulmand, der sich sonst bedingungslos vor seine Mannschaft stellt, wurde mit Blick auf die erneut wacklige Dreierkette deutlich: „Wir müssen diese Situationen besser lesen. Es muss klar sein: Du bist ein Verteidiger, wir müssen diese Situation verteidigen. Keine Schwachsinnsverteidigung. Du musst als Verteidiger alles machen, um kein Gegentor zu bekommen. Es ist so wichtig, dass du immer schnell die Situation liest und mit Überzeugung verteidigst.“
Bei allen drei Gegentoren reagierten die Defensivakteure zu langsam. „In so einem Spiel mit so viel Kontrolle, so vielen Pässen, so vielen Angriffen, dürften wir nicht drei Gegentore kassieren“, betonte Hjulmand. „Wolfsburg hatte in 90 Minuten eine einzige Phase mit Kontrolle in unserem letzten Drittel. Das ist sehr wenig – aber wir kriegen drei Gegentore. Da war unser Abwehrverhalten nicht gut. Das ist etwas, was wir natürlich besser machen müssen.“
Auch Sport-Geschäftsführer Simon Rolfes legte den Finger in die Wunde. „Am Anfang haben wir jedes Kopfballduell verloren. Wir können aus der ersten Halbzeit viele Sachen besser machen. Wir haben dieses Spiel zu einfach in Wolfsburgs Richtung drehen lassen“, sagte Rolfes, der in der Halbzeitpause in der Kabine war: „Der Trainer, aber auch Grimaldo haben Emotion reingebracht. Grima hat gesagt, wir müssen anders auftreten, wir müssen das drehen und das schaffen wir. Er hat die Rolle als Führungsspieler richtig auch in der Kabine angenommen.“
Nach der Pause griff Bayer 04 entschlossener und höher an, spielte nur noch mit einem Sechser und zwei Stürmern: Christian Kofane und Patrik Schick. Es zahlte sich aus. Gegen Wolfsburger, die sich zunehmend ergaben, drehte Bayer die Partie. „Dieser unbedingte Wille – das ist auch die Marschrichtung oder die Hausaufgabe jetzt“, betonte Rolfes: „Wir sind in der Verfolgerrolle, es ist ja nicht so einfach, das aufzuholen – das machst du nicht einfach so, sondern da musst du alles geben und dein Herz auf dem Platz lassen.“
Der Rückstand auf die von Leipzig und Stuttgart belegten Plätze drei und vier beträgt vier Punkte. Am kommenden Samstag wartet das schwere Spiel bei Borussia Dortmund (15.30 Uhr). Da wäre es hilfreich, wenn Hjulmand und Grimaldo die Emotionen schon in der Kabinenansprache vor dem Spiel weckten.

