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BetrugLeverkusener Clan-Oberhaupt ließ für fünf Euro am Tag arbeiten

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Das Wohn- und Geschäftshaus in der Kölner Maybachstraße

Das Wohn- und Geschäftshaus in der Kölner Maybachstraße war für den offiziellen Erwerber wohl nicht einträglich: Zu viel Miete soll in bar an das Oberhaupt des Familienclans geflossen sein.

In der zweiten Auflage des großen Geldwäsche-Prozesses kommen immer mehr schmutzige Details ans Licht.

Wie waren sie denn nun, die Geschäftsbeziehungen zwischen dem Bergisch Gladbacher Bauunternehmer und Immobilienhändler auf der einen und Michael G. und seinem Familienclan auf der anderen Seite? Am Mittwoch verliest die Vorsitzende Richterin der 9. Großen Strafkammer, Alexandra Maschwitz, Vernehmungsprotokolle. Ein Mitangeklagter aus dem ersten Prozess, der die Justiz von Sommer bis in den Spätherbst 2019 beschäftigt hatte, kannte sich offenbar gut aus. Denn im Zentrum dieser Revision, in der neben dem Unternehmer ein Sohn von Michael G. auf der Anklagebank sitzt, steht die Frage, ob da Geldwäsche im Millionenbereich gemacht worden ist. Diverse Häuser in Köln und im Umland, Wohnungen in Leverkusen einschließlich des Wohnhauses von Michael G. In der von-Ketteler-Straße hatte der Bergisch Gladbacher erworben. Kredite gab es unter anderem von der Sparkasse Leverkusen. Aber wie viel Geld ist aus den riesigen Betrügereien des Familienclans geflossen? Das gilt es aufzuklären.

Nur dann kann die Staatsanwaltschaft Immobilien einziehen. Und das ist ihr Ziel.

Als Geschäftsmann „hat der Michael einen schlechten Namen“, zitiert die Richterin aus einer Vernehmung des damaligen Mitangeklagten. Dem Gladbacher dagegen „öffnen sich die Türen“, wenn es um den Kauf von Immobilien gegangen sei. Das deutet auf eine Symbiose hin, die der Unternehmer so nicht verstanden haben will. Er sieht sich unterm Strich eher als Opfer der Leverkusener Großfamilie, insbesondere ihres amtierenden Oberhaupts Michael G.

Miete in bar an den Clan-Chef

Tatsächlich gibt es auch für diese Lesart Anhaltspunkte. So habe Michael G. bei einigen Mietern des Hauses in der Kölner Maybachstraße anfangs bar kassiert, heißt es. Das habe den Unternehmer, der im Grundbuch stand und Ende 2014 knapp über zwei Millionen Euro für den Bau in zentraler Lage gezahlt hatte, phasenweise in finanzielle Bedrängnis gebracht.

Ebenfalls nicht einträglich war anscheinend der Bau in der von-Ketteler-Straße in Leverkusen. Den früheren Schlecker-Markt im Erdgeschoss ließ Michael G. aufwendig umbauen: Granit, viel Stuck, eine Badewanne in Herzform. Die Handwerker, so geht es aus der Vernehmung hervor, wurden bar aus der Tasche von G. bezahlt. Dafür habe er keine Miete gezahlt, heißt es. Zu den Leuten, die sich auf klaren Baustellen verdingten, habe auch ein Hilfsarbeiter gehört: Er bekam laut Vernehmungsprotokoll „fünf Euro am Tag und eine Schachtel Zigaretten“. Die Mitglieder des Clans dagegen lebten auf ganz großem Fuß.