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„Signum Quartett“Südafrika klingt im Morsbroicher Spiegelsaal

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Ein Streichquartett spielt im Spiegelsaal Morsbroich.

Das Signum Quartett im Spiegelsaal von Schloss Morsbroich: Südafrikanische Auftragswerke verbinden kammermusikalische Präzision mit kultureller Erinnerung.

Dieser Streichquartettabend lenkt einen musikalischen Blick nach Südafrika, in dem Erinnerung, Identität und Klang miteinander ins Gespräch treten. 

Zum 30. Jahrestag des Endes der Apartheid bringt das Signum Quartett in Leverkusen ein Projekt auf die Bühne, das weit über klassische Quartettliteratur hinausweist. Aus einem Zyklus von acht Auftragswerken südafrikanischer Komponistinnen und Komponisten erklingen an diesem Abend mehrere Miniaturen – kurze Stücke von wenigen Minuten Dauer, die gemeinsam ein vielschichtiges Klangmosaik ergeben. Neben der klassischen Quartetttradition treten hier neue musikalische Sprachen: rhythmische Patterns, die an Jazz erinnern, fragile Klangflächen, in denen afrikanische Einflüsse durch die Streicherfarben schimmern.

Besonders eindrucksvoll wirkt dabei das Stück „21:30“ des südafrikanischen Komponisten Dizu Plaatjies – benannt nach der Todeszeit eines alten Mannes, der sich am Ende seines Lebens ruhig unter eine Decke legte und starb. Die Musik entfaltet dazu eine stille, beinahe kontemplative Atmosphäre.

In den Werken – etwa in „Unfettered and Alive“ von Lise Morrison – wird deutlich, wie weit das Quartett die Möglichkeiten seiner Instrumente ausreizt. Die Musiker streichen nicht nur, sie kratzen mit dem Bogen quer über die Saiten, schlagen rhythmisch auf die Instrumente, stampfen mit den Füßen oder lassen ihre Stimmen erklingen. Aus den vier Streichinstrumenten wird ein ganzes Klanglabor. Diese erweiterten Spieltechniken verleihen den kurzen Kompositionen eine große körperliche Präsenz – Musik, die nicht nur gehört, sondern beinahe gespürt wird. Einen besonders intensiven Moment erreicht der Abend kurz vor der Pause: Der ganze Spiegelsaal stimmt in einen gesungenen Klang ein und wird selbst Teil der Musik.

Ein Streichquartett mit politischem Resonanzraum in Leverkusen

Im Zentrum des Projekts steht Bratschist Xandi van Dijk, dessen südafrikanische Wurzeln dem Programm eine persönliche Dimension verleihen. Sein Spiel verbindet warmen Ton mit klarer Linienführung. Wenn die Bratsche eine Melodie übernimmt, entsteht ein Moment konzentrierter Erzählung – als würde die Musik selbst Geschichten aus Johannesburg oder Kapstadt herübertragen. Van Dijk gestaltet diese Passagen mit großer Ruhe und klanglicher Präsenz. Gerade in den Stücken mit afrikanischen Rhythmusanklängen wird seine Bratsche zum verbindenden Element im Ensemble. 

An den Violinen formen Florian Donderer und Annette Walther feine klangliche Linien, die sich immer wieder elegant umeinanderlegen. Ihr Zusammenspiel wirkt federnd und transparent. Die Musik erhält dadurch eine Leichtigkeit, die den kurzen Stücken eine überraschende Weite verleiht. Cellist Thomas Schmitz sorgt mit seinem tiefen Fundament für Erdung. Sein Ton trägt Wärme und rhythmische Energie zugleich.

Eingerahmt wird der Abend von zwei Klassikern der Quartettliteratur: dem heiteren „Vogelquartett“ von Joseph Haydn und dem spätromantisch weit gespannten G-Dur-Quartett von Antonín Dvořák. Zwischen diesen Polen – Wiener Klassik und romantischer Klangfülle – entfalten die südafrikanischen Kompositionen ihre besondere Wirkung. So wird dieser Abend zu einem intensiven kammermusikalischen Erlebnis – zwischen Kontinenten, Kulturen und vier Streichern, die Klang in Erzählung verwandeln.