Der brutale Raubüberfall auf eine Seniorin im Jahr 2023 ist am 8. April Thema in der ZDF-Sendung.
Brutaler ÜberfallFahndung in Aktenzeichen XY nach Tätern von Bergneustadt

Seit dem Jahr 2002 moderiert Rudi Cerne die Sendung. Am 8. April geht es um einen Fall, der in Bergneustadt spielt.
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Andreas ArnoldBergneustadt Der brutale Raubüberfall auf eine damals 86-jährige Seniorin in Bergneustadt schlug im Jahr 2023 hohe Wellen. Die Härte, mit der die vier Täter vorgingen, sorgte für Fassungslosigkeit. Und zwei der vier Verbrecher sind noch immer auf der Flucht. Am 8. April ist der Fall nun auch Thema in der ZDF-Fernsehsendung „Aktenzeichen XY ... ungelöst“ mit Moderator Rudi Cerne. Zwei der vier Verbrecher wurden, wie berichtet, schon im Jahr 2024 zu langjährigen Haftstrafen verurteilt, nach den beiden anderen Männern wird immer noch gefahndet. Von der Fernsehsendung erhoffen sich die Ermittler, noch einmal eine neue Spur zu bekommen.
Ina-Maria Reize-Wildemann, Chefredakteurin von Aktenzeichen XY, berichtet auf Nachfrage dieser Zeitung, dass sich die Kripo an sie gewandt habe und um „Unterstützung gebeten“ habe. Was die Auswahl der Fälle für die Sendung angeht, so liegt die Entscheidung darüber „vollständig bei der Redaktion“. In der Regel handelt es sich „vor allem um Kapitalverbrechen“. Zudem müssen die polizeiliche Ermittlung abgeschlossen und alle üblichen Ermittlungsmethoden der Polizei ausgeschöpft worden sein, berichtet Reize-Wildemann weiter.
Ein Sachbearbeiter aus Gummersbach ist im Studio am, Telefon
Zur Rolle von Rudi Cerne berichtet sie, dass für den Moderator eine „tiefere Einarbeitung in die einzelnen Fälle aufgrund seines engen Terminplans leider nicht möglich“ sei. Der Raubüberfall auf die Seniorin in Bergneustadt ist laut Auskunft der Chefredakteurin ein „reiner Studiofall“. Ein Sachbearbeiter wird im Sendestudio die Hinweise entgegennehmen. Im Mai 2025 standen zwei der vier Straftäter vor dem Kölner Landgericht. Während einer der beiden wegen Beihilfe zum Raub verurteilt wurde und für zweieinhalb Jahre in Haft musste, verurteilte das Gericht den zweiten Mann wegen Mittäterschaft beim schweren Raub in Tateinheit mit Körperverletzung zu fünfeinhalb Jahren Haft.
Für Staatsanwaltschaft und Gericht hatte sich der Fall wie folgt zugetragen: Am 16. Juni 2023 waren die beiden später verurteilten Männer mit zwei bislang unbekannten Mittätern zur Adresse der Seniorin gefahren. Während der zu fünfeinhalb Jahren Verurteilte mit den beiden noch Unbekannten zur Eingangstür der Wohnung ging, stand der zweite Mann am Fluchtfahrzeug mit einem Walkie-Talkie Schmiere. Als die Seniorin nach dem Klingeln der Männer wissen wollte, wer vor der Türe stehe, gaben die Täter vor, von der Polizei zu sein, sodass die Seniorin die Türe einen Spalt breit öffnete. Platz genug, damit die Täter eindringen konnten. Das Video einer Überwachungskamera dokumentiert, dass die Seniorin geschrien hat. Sie wurde anschließend von den Tätern überwältigt, mit Kabelbindern gefesselt und geknebelt. Als „abstrakt lebensgefährlich“ wertete das Gericht das Umrennen der alten Frau durch einen 105 Kilogramm schweren Mann.
Die Beute des Quartetts waren 3000 Euro Bargeld sowie Schmuck im Wert von rund 2000 Euro. Die beiden im Jahr 2024 verurteilten Angeklagten hatten damals vor Gericht angegeben, weder von der Beute was abbekommen, noch die ihnen versprochenen 500 Euro von den Haupttätern erhalten zu haben. Katrin Popanda, Sprecherin der Polizei in Gummersbach, berichtet, dass das ermittelnde Kommissariat im Oberbergischen die Öffentlichkeitsfahndung noch einmal habe ausweiten wolle. Sie bestätigt, dass nach zwei der vier Täter noch immer gefahndet werde. In der Sendung am 8. April werde auch noch mal das private Video gezeigt, das an der Haustüre gemacht wurde. Die Sequenz hatte damals mit dazu beigetragen, dass zwei der vier Verbrecher schließlich dingfest gemacht werden konnten.
Das Konzept der Sendung
„Aktenzeichen XY ... Ungelöst“ gehört laut ZDF zu den beliebtesten Sendungen im deutschsprachigen Europa und ist im Programm des Mainzer Senders zu einem Markenzeichen geworden. Die Sendung hat Tradition, doch ihr Anliegen ist heute so aktuell wie bei der Erstausstrahlung im Oktober 1967: die Verbrechensbekämpfung zu unterstützen. In Aktenzeichen XY werden in der Regel nur sogenannte Kapitaldelikte aufgenommen, das heißt besonders schwere Verbrechen, deren Aufklärung bei der Polizei höchste Priorität besitzt. Dazu zählen beispielsweise Mord, Sexualdelikte, Raub oder schwere Betrugsfälle. Kommen die Ermittlungsbehörden mit den klassischen Fahndungsmethoden nicht weiter, suchen sie die Zusammenarbeit mit der Fernsehredaktion von Aktenzeichen XY.
Umgekehrt geht die Redaktion aber auch auf die zuständigen Behörden zu, beispielsweise bei Fällen von großer öffentlicher Bedeutung oder Aufmerksamkeit. Gemeinsam wird dann über die Veröffentlichung und Darstellung des Falles beraten. Die Zuschauer der Sendung können im Idealfall dabei helfen, ungelöste Kriminalfälle aufzuklären. In kurzen Filmen werden Verbrechen von Schauspielern nachgestellt. Danach werden die Zuschauer einbezogen. So werden sie nach sachdienlichen Hinweise zu den gezeigten Personen oder Gegenständen gefragt und um Mitteilung gebeten.

